Bezirksgericht Bremgarten

Heizöl floss neben den Tank: Wegen seiner Vergesslichkeit landet ein Chauffeur vor dem Richter

30 bis 40 Liter Heizöl flossen auf die Fahrbahn und versickerten im Erdreich neben der Strasse.

30 bis 40 Liter Heizöl flossen auf die Fahrbahn und versickerten im Erdreich neben der Strasse.

Die Vergesslichkeit eines Tankwagenchauffeurs verursachte eine Havarie, bei der rund 30 bis 40 Liter Heizöl ausliefen. Der Chauffeur hatte vergessen, den Hahn zuzudrehen. Er ist für ein ähnliches Vergehen vorbestraft. Das Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und zu einer Busse.

Vom Anhänger hat der Chauffeur Heizöl ins Zugfahrzeug umgepumpt. Er schliesst das Ventil am Tankwagen und dreht den Hahn am Anhänger zu. Dann trennt er den Verbindungsschlauch. Eine Routinetätigkeit für den 35-jährigen Tankwagenfahrer Marek (Name geändert). Doch an jenem Dienstag im März 2018 vergass er, den Hahn am Anhänger zuzudrehen. Mit fatalen Folgen: 30 bis 40 Liter Heizöl flossen auf die Fahrbahn und versickerten im Erdreich neben der Strasse.

Am Bezirksgericht Bremgarten schilderte Marek die Ereignisse am Tag des Unfalls und gab zu Protokoll, dass er sich damals gut gefühlt habe, obschon sein Arbeitstag um 5 Uhr in der Früh begonnen hatte.

Das Missgeschick passierte, als er kurz vor 18 Uhr zur letzten Abladestation in einer kleinen Quartierstrasse nicht mit der ganzen Komposition fahren konnte, sondern nur mit dem Zugfahrzeug. Infolgedessen musste er noch Heizöl nach vorne in den Lastwagen pumpen und anschliessend den Anhänger abkoppeln. Die Auffangwanne, in die das noch im Schlauch vorhandene restliche Heizöl fliessen sollte, hatte Marek aufgestellt. Erst als sich auf einmal sehr viel in die Wanne ergoss, realisierte er, dass beim Anhänger der Hahn noch geöffnet war. Er drehte sich nach hinten, um den Verschluss zu betätigen, und schwenkte dabei unabsichtlich das Schlauchende von der Wanne weg, worauf 30 bis 40 Liter Heizöl auf den Boden flossen.

Damit verursachte der Chauffeur eine Havarie mit wassergefährdenden Stoffen. Er handelte fahrlässig und aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, wie die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten in ihrer Anklageschrift festhielt. Er sei zu einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 110 Franken zu verurteilen. Die Strafbefehlsgebühr von 1300 und die Polizeikosten von 45 Franken seien ihm ebenfalls in Rechnung zu stellen.

Einschlägig vorbestraft

Der Chauffeur ist einschlägig vorbestraft, weil ihm im November 2016 ein ähnliches Malheur passiert ist. Damals lief Treibstoff aus einem abgestellten Personenwagen aus. Wegen Grundwassergefährdung wurde Marek zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Franken und einer Busse von 500 Franken verurteilt, bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren.

Da sich der Vorfall mit dem Tankwagen innerhalb der Probezeit ereignete, machte sich der Angeklagte erneut schuldig. Aber sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Bezirksgericht Bremgarten verzichteten auf einen Widerruf. Dafür wurde Marek diesmal zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 100 Franken verurteilt, bedingt bei einer drei- statt zweijährigen Probezeit. Hinzu kommen 300 Franken Verbindungsbusse und die Übernahme der Verfahrenskosten.

«Ich hatte einfach Pech»

Im Grundsatz anerkannte der Chauffeur den Sachverhalt, erhob jedoch gegen den Strafbefehl Einsprache, weil er fand, die Strafe sei zu hoch bemessen. «Ich hatte einfach Pech», sagte er vor Gericht. Den Ölhahn zuzumachen, habe er bis zu diesem einen Mal noch nie vergessen. Gerichtspräsident Raimond Corboz, der den Fall als Einzelrichter zu beurteilen hatte, wollte von Marek wissen, seit wann er mit dem Tankwagen fährt. «Ich verrichte diese Arbeit seit über einem Jahr», erwähnte der Beschuldigte. Er hat ursprünglich Schreiner gelernt. Im Besitz des Lastwagen-Führerscheins ist er seit 2006. Während zweier Jahre arbeitete er bei der Deutschen Post. Seit drei Jahren lebt er mit Frau und Kind in der Schweiz und war in den ersten beiden Jahren bei einem Grossverteiler als Lastwagenchauffeur angestellt.

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