Am 27. November 2013 brannte die Parterrewohnung in einem Bauernhaus in Dottikon aus. Für die Staatsanwaltschaft steht fest, warum es im Haus brannte: Der Mieter soll gemäss Anklageschrift in seiner Wohnung einen Heizlüfter so lange laufen gelassen haben, bis sich seine Kleider im Wandschrank entzündeten.

Für den Mieter sollte das strafrechtliche Folgen haben. Die Staatsanwaltschaft forderte, ihn wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst zu einer bedingten Geldstrafe von 9900 Franken und einer Busse von 2000 Franken zu verurteilen.

Heizlüfter war eingeschaltet

Der Mieter focht den von der Staatsanwaltschaft ausgestellten Strafbefehl an, weil er sich als unschuldig betrachtete. Deshalb war gestern das Bezirksgericht Bremgarten am Zug, um den kniffligen Fall zu beurteilen. Konnte der Mieter den Brand voraussehen, als er den Heizlüfter in Betrieb nahm?

Nein, hielt Gerichtspräsident Lukas Trost in seinem Urteil fest. Deshalb müsse er den Mieter freisprechen. «Der Freispruch ist für mich knapp, der Fall liegt auf Messers Schneide», erklärte er. Der Brand sei aus seiner Sicht wegen des laufenden Heizlüfters ausgebrochen, in welcher Richtung der heisse Luftstrahl auch immer zielte – direkt auf den Wandschrank oder leicht daran vorbei.

Das Gerät sei nach seiner Meinung eingeschaltet gewesen, auch wenn der Mieter «praktisch hundertprozentig» sicher war, dass er dieses am frühen Morgen am Tag des Brandes vor dem Verlassen der Wohnung abgeschaltet hatte.

Das Gerücht, dass ein Fremder in die Wohnung eingedrungen sei und das Feuer gelegt habe, scheide als Brandursache aus. Diese Version sei allzu unwahrscheinlich, um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden, sagte Trost.

Der Gerichtspräsident ermahnte den Mieter, in Zukunft vorsichtiger mit Heizgeräten umzugehen. Zum Glück seien beim Brand keine Menschen zu Schaden gekommen, denn die beiden Mieter waren, als das Feuer ausbrach, nicht im Haus. Einzig die Hauskatze des Mitbewohners überlebte den Vorfall nicht. «Es hätte schlimmer kommen können», sagte er.

Verstellte Feuerwehr Heizlüfter?

Der Mieter erläuterte, weshalb er den Heizlüfter überhaupt einschaltete: «Die Heizung war defekt. Deshalb war es eiskalt in der Wohnung.» Er habe das Gerät aber in einem Sicherheitsabstand von einem Meter vierzig vom Schrank weg aufgestellt. Als ausgebildeter Forsttechniker wisse er, wie schnell Holz in Brand geraten könne, wenn man unvorsichtig sei.

Der Anwalt des Mieters servierte seine Version: Offenbar steckte die Feuerwehr den Heizlüfter bei den Löscharbeiten aus und stellte ihn an einem anderen Ort, als er sich ursprünglich befand, wieder ab. So ging die Polizei in ihrem Fachbericht davon aus, dass das Gerät zu nahe am Kleiderschrank stand.

Man verstehe das Vorgehen der Feuerwehr nur, wenn man davon ausgehe, dass sie nicht erkannte, dass der Heizlüfter den Brand entfachte, so der Anwalt. «Für den Mieter war der Brand nicht voraussehbar.» Deshalb müsse sein Mandant nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» freigesprochen werden.

Offen bleibt die Frage, ob der Mieter für den Sachschaden haftbar wird. Damit wird sich das Zivilgericht noch befassen müssen.