Muri
Heisser Jazz gegen den Wintereinbruch

Das Kevin Hays Trio liess das Publikum im Pflegidach den verschwundenen Frühling vergessen.

Jasmina Saxer
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Bassist Dominique Girod.

Bassist Dominique Girod.

Stephan Diethelm

Der Auftakt in eine weitere PflegidachSaison konnte frischer nicht sein: Das neu gemixte Jazztrio rund um den New Yorker Lead-Pianisten Kevin Hays erwärmte am letzten Sonntagabend
die Herzen der zahlreich erschiene-
nen Zuhörer.

Passend zum Wintereinbruch vom Wochenende begann Kevin Hays mit seiner warmen Stimme «In the wintertime, I will call you mine» ins Mikrofon zu hauchen und liess die Zuhörer von einem gemütlichen Winterabend vor offenem Kamin träumen. Springtime hätte wohl besser gepasst, meinte er später schmunzelnd. Seine sanften,
behutsamen Klavierklänge füllten den Pflegidach-Saal auf eine magische Art, die zusammen mit seiner klaren, hellen Stimme den Besuchern oftmals den Atem raubte.

Unterstützt wurde der Pianist von seinem langjährigen Freund Jorge Rossy am Schlagzeug, den er seit «30 bloody years» kennt und schätzt. Der weltbekannte argentinische Drummer überzeugte mit behutsamem und sanftem Umgang an seinem Instrument und
unterstrich so die ruhigen Klavierklänge von Hays. Die beiden werden diesen Sommer gemeinsam auf Europatournee gehen, was sich wahre Jazzfans nicht entgehen lassen sollten.

Bassist aus der Schweiz

Vervollständigt wurde das Trio mit dem Schweizer Kontrabassisten Dominique Girod, der wohl unbekannteste Akteur der Truppe. Obwohl Girod zuvor noch nie mit Hays zusammengespielt hatte, harmonierte er mit den beiden langjährigen Freunden perfekt. Er bereitete sich selbstständig akribisch auf dieses Konzert vor und eignete sich die Stücke von Hays so präzise an, dass niemand bemerken konnte, dass die beiden Musiker sich erst rund fünf Stunden vor dem gemeinsamen Konzert erstmals getroffen hatten.

Während des Auftrittes verzauberte der Bassist das Publikum mit seinen flinken Akkordwechseln, die er in einigen Soli zum Besten geben konnte. Hays’ neues Album wird im kommenden Herbst releast und mit «The sun goes down» gab er bereits eine seiner neuen Singles zum Besten. Eines von vielen Highlights, meinte eine Zuschauerin später. Die weitere Songauswahl entstand aus sehr, sehr alten und brandneuen Melodien, die Hays «in
einen Mixer warf» und daraus ein einzigartiges Hörerlebnis kreierte. So liess er sich unter anderem von der chilenischen Folklore-Musikerin Violeta
Parra inspirieren, welcher er gar ein Stück widmete. Anregungen für seine Songs findet Hays in seinem nächsten Umfeld, dort, wo er sich am wohlsten fühlt. Sei dies beim Spazieren durch die Strassen von New York City oder beim Stöbern in einem alten Buchladen,
die Muse findet ihn.

Ein weiterer Einfluss auf seinen Musikstil ist Hays’ Schwäche für alte traditionelle Countrymusik, die er in seiner Version von «Sweet Caroline» verkörperte. Der anfänglich gemütliche Kamin wurde durch ein loderndes
Lagerfeuer abgelöst. Ein bisschen Kentucky brachte Hays aus seiner Heimat mit über den Grossen Teich. Die Zuhörer waren begeistert vom «American Feeling», welches er für eine Stunde
in unser kleines Freiamt zauberte.

Jubiläum im Pflegidach

Genau ein Jahr ist es her, als die Murianer Musikszene rund um Organisator Stephan Diethelm vom «Ochsen» ins Pflegidach umzog. Das 1-Jahr-Jubiläum ist mit dem Kevin Hays Trio mehr als gelungen und die Freiämter Musikfans wird es künftig bestimmt noch öfters in den Dachstock der Pflegi ziehen. Wer weiss, vielleicht auch wieder mit Kevin Hays, denn, was gesagt werden muss: «The stars were bright before you left town.»

Musik in der Deutschstunde Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im
Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.

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