Widen
Heinrüti-Rank wird zum Weinrüti-Rank

Unterhalb der Heinrüti-Rank-Terrasse in Widen haben die Bauarbeiten für einen neuen Rebberg begonnen. Verantwortlich ist die Genossenschaft Weingarten, die erst vor einem halben Jahr gegründet worden ist.

Hans Rechsteiner
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Die Kerngruppe der «Weinrütiränkler» freut sich auf ihren eigenen Wein: Ivan Allaz, Rebbauer Ernst Gasser, Nancy Brunmayr, Romain Allaz, Beatrice Köchli, Rita Ferroli, von links.

Die Kerngruppe der «Weinrütiränkler» freut sich auf ihren eigenen Wein: Ivan Allaz, Rebbauer Ernst Gasser, Nancy Brunmayr, Romain Allaz, Beatrice Köchli, Rita Ferroli, von links.

Hans Rechsteiner

Von 1865 bis 1885 zerstörte die gefürchtete Reblaus in Europa so alles, was Rebe hiess. Auch in unserer Region gingen alle Rebhänge kaputt. Erst die Aufpfropfungen von Edelreben auf amerikanisches Holz brachten den Neuanfang. Jetzt wird sogar Widen wieder zur Weinbaugemeinde. Idealisten bauen an allerbester Lage einen Rebberg.

Die erst vor sechs Monaten gegründete Genossenschaft Weingarten baut am Steilhang oberhalb des Strässchens zur Hinteren Heinrüti 2100 rote und 300 weisse Reben an. Die neue Anlage ist möglich geworden durch einen Land- und Pachtabtausch zwischen der Genossenschaft, die aus zehn Personen besteht und der Familie Ernst vom Gyrenweiher. Ernst erhält im Gegenzug auf Gemeindegebiet Bellikon ein flacheres, besser für die Landwirtschaft geeignetes Grundstück. Der am 15. September 2014 gegründeten Genossenschaft steht der Landwirt Ivan Allaz als Präsident vor. Rita Ferroli hat beim kantonalen Rebbaukommissär Peter Rey den Rebbaukurs absolviert. Rey prüfte das Vorhaben in Widen auch auf die Tauglichkeit und steht mit Rat zur Verfügung. Die «Weinrütiränkler» sind alles Idealisten.

Ein ideal steiler Hang

Vor Tagen hat der schweizweit gefragte Rebbergbauer Ernst Gasser aus dem Blauburgunderland Schaffhausen den künftigen Rebberg umgegraben. Auf einem Areal von 60 Aren entstehen 56 vertikal gesetzte Rebreihen, auf Draht gezogen. Eine Querterrassierung würde eine Baubewilligung verlangen. Der Hang selber hat Neigungen zwischen 42° an der steilsten Stelle und 25° vorne an der Mutschellenstrasse. In diesem Bereich darf ein einfaches Rebhüttli erstellt werden. Aufgrund der Grösse des ganzen Rebberges sind dafür nur zwölf Quadratmeter erlaubt, das reicht für die wichtigsten Geräte.

Das Wichtigste sind die angepflanzten Traubensorten. Es sind zwei eher unbekannte Rotweine: Maréchal Foch, Siramé und weiss der Johanniter. Maréchal Foch wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den französischen Züchter Eugène Kuhlmann (1858–1932) im Elsass gezüchtet und zu Ehren von Ferdinand Foch benannt. Je nach Ausbau entsteht ein kräftiger Wein mit leichtem Fox-Ton. In der Schweiz sind etwa 12,6 Hektaren damit bestockt.

Siramé andererseits ist ein echter Aargauer. Die rote Rebsorte (auch Salomé) ist eine interspezifische Neuzüchtung. Der berühmte Anton Meier (1929–2012) von der Rebschule Sternen Würenlingen brachte in den 1970er-Jahren die Kreuzung der Hybride zustande. Siramé erbringt eher neutrale Rotweine vor allem für den Verschnitt. Diese Sorte wird bisher in der Schweiz nur von einem einzigen Produzenten angebaut: Dani Müller in Grüningen ZH. Beide Sorten zeigen ideale Merkmale, die sie für diesen stark besonnten Standort prädestinieren. Beide sind früh im Jahr reif, haben eine hohe Pilzresistenz gegen den Echten und Falschen Mehltau und gegen Botrytis cinerea. Der Johanniter ist eine 1968 gezüchtete ebenso pilzwiderstandsfähige Weissweinsorte. Diese Weine sind kräftig, fruchtig und haben Ähnlichkeiten mit Riesling und Ruländer. In der Schweiz werden nur 16 Hektaren davon angebaut. Angepflanzt wird der neue Rebberg in Widen Ende April anfangs Mai: 2100 rote Rebstöcke jetzt, 300 weisse 2016.

Erster Wein in drei Jahren

Für die Kelterung und den Ausbau haben die «Weinrütiränkler» den richtigen Fachmann gefunden. Es ist Kellermeister Jürg Wetzel in Ennetbaden. Bis allerdings auf und mit dem neuen Tropfen angestossen werden kann, werden nach Lehrbuch drei Jahre mit viel Arbeit, Hoffen und Bangen ins Land gehen.