Töffahren
Heidi Egli zieht auch künftig das Übergwändli an

Die beste Töff-Mechanikerin Europas will sich mit einem Studium an der Fachhochschule weiterbringen.

Eddy Schambron
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«Viele Leute gratulieren mir, Journalisten wollen mit mir reden, ich hätte nie gedacht, dass das so einen Rummel gibt», sagt Heidi Egli. Die 20-jährige Freiämterin ist Europas beste Motorradmechanikerin und hat an den Euro Skills, der Meisterschaft junger Berufsleute, in Lissabon gegen eine durchwegs männliche Konkurrenz die Goldmedaille geholt.

Heidi Egli ist aber auch die Tochter eines berühmten Vaters: Fritz W. Egli, «Mechaniker», wie er sich selber bezeichnet, hat sich mit Fahrwerkkonstruktionen und Motorradtuning international einen grossen Namen gemacht.

Motorrad in Wiege gelegt?

Und 2009 schaffte der heute 74-Jährige auf dem Salzsee in Bonneville mit 332 Stundenkilometern einen neuen Weltrekord in der Seitenwagenklasse. «Der Name ist Last und Segen zugleich», stellt Heidi Egli fest.

Es sind immer die gleichen Fragen, die der jungen Frau gestellt werden: Wurde ihr die Freude an Motorrädern sozusagen in die Wiege gelegt? Und ob sie das elterliche Geschäft in Bettwil übernehmen werde. «Ich bin stolz auf den Namen und das, was meine Eltern aufgebaut haben», stellt sie fest. «So etwas bringt nicht jeder in seinem Leben fertig.»

Mit dem Motorrad aufgewachsen

Mit dem Motorrad-Virus infiziert wurde Heidi Egli zweifellos im Elternhaus. «Ich bin mit Motorrädern aufgewachsen und schon als Dreijährige im Kombi durch die Werkstatt gewetzt», lacht sie. «Für mich war schnell einmal klar, dass ich eine handwerkliche Grundausbildung machen und dann eventuell studieren möchte.»

Die Ausbildung zur Motorradmechanikerin lag auf der Hand; im Ballwiler Betrieb Grüter und Gut fand sie auch eine ihr zusagende Lehrstelle. «Walter Grüter ist auch Konstrukteur. Bei der Entwicklung seines Quads konnte ich immer dabei sein. So habe ich sehr viel gelernt», stellt sie fest.

Jetzt ist Heidi Egli gerade an den Vorbereitungen zur Berufsmatur. Danach will sie ein Studium an der Fachhochschule absolvieren: Wirtschafts-Ingenieur, Maschinenbau oder Automobiltechnik. Gleichzeitig will sie ins elterliche Geschäft einsteigen, «schauen, wie das so läuft mit dem Team».

Will in Werkstatt arbeiten

Sie wird als persönliche Assistentin des Chefs, ihres Vaters, arbeiten und Kundenkontakte pflegen. Also nichts mehr mit Übergwändli? «Doch, doch», lacht Heidi Egli, «ich werde auch noch in der Werkstatt arbeiten, weil mir das Spass macht.» Sie hofft, das Werk ihres Vaters weiterführen zu können. «Ich habe Freude an Retro-Maschinen, und damit würde ich hier richtig liegen.» An Herausforderungen fehlt es nicht: Zum Import der bisherigen Marken holt die Egli Racing AG neu die wiederauferstandene englische Marke Norton in die Schweiz.

Wunsch nach Individualität

Die Fahrwerke sind besser geworden, die Motoren leistungsstärker. «Aber der Wunsch, ein Motorrad für sich individuell herrichten zu lassen, ist unverändert gross», stellt Heidi Egli fest. Und so sieht sie durchaus die Möglichkeit, die Tradition des Hauses weiterzuführen. «Es gibt heute bei den Motorrädern eine breite Modellpalette, aber der Wunsch nach einem individuellen Fahrzeug ist ungebrochen.»

In einem allerdings will sie nicht in die Fussstapfen von Fritz W. Egli treten: «Nein», sagt sie, «ich werde keine Geschwindigkeitsrekorde brechen. Da hätte ich zu grosse Angst.» Angst hatte sie auch 2009, als ihr Vater aufbrach, um einen Weltrekord aufzustellen. «Ich habe mich von ihm verabschiedet. Wenn bei Tempi von über 300 Stundenkilometern etwas passiert, kommt man nicht mehr heim.»

Sie sei fast ausgerastet, als sie von seinem Plan hörte. «Aber ich weiss auch, dass mein Vater macht, was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat.»

Was ihr der Europameister-Titel der Berufsmeisterschaft konkret bringt, weiss Heidi Egli nicht. Aber sie wünscht sich, dass ihr Beispiel anderen jungen Frauen Mut macht, «das zu machen, was sie wollen und voll dahinterzustehen». Das sei zwar nicht immer einfach. «Aber wenn man an sich selber glaubt und ein Umfeld besitzt, das an einen glaubt, dann erreicht man das Ziel.»

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