Buttwil
Hartnäckiger Einsatz gegen Schafkrankheit zahlt sich aus

Der Buttwiler Schafzüchter Robert Strebel hat schon vor einigen Jahren auf die Schaf-Augenkrankheit Entropium hingewiesen und gefordert, kranke Schafe aus der Zucht zu nehmen. Jetzt hat der Freiämter Recht erhalten.

Eddy Schambron
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Robert Strebel mit seinem Lieblingsschaf Amadiesli: «Der Aufwand hat sich gelohnt.» AW/Archiv

Robert Strebel mit seinem Lieblingsschaf Amadiesli: «Der Aufwand hat sich gelohnt.» AW/Archiv

Andrea Weibel

In einer Masterarbeit hat Deborah Greber, Studentin an der Vetsuisse-Fakultät in Bern, festgestellt: «Es wäre unbedingt nötig, eine Zuchtselektion gegen Entropium durchzuführen.» Die Erbkrankheit verursacht bei den Schafen schmerzhaft eingerollte Augenlider. Sie ist häufiger anzutreffen als bisher angenommen.

Sich sogar selber angezeigt

Wenn sich Robert Strebel in etwas verbeisst, lässt er nicht so schnell locker. Er hat wegen der Erbkrankheit Entropium schon vor Jahren Alarm geschlagen, Briefe an das Bundesamt für Veterinärwesen BVET geschrieben, bis dieses nicht einmal mehr antwortete, Züchterkollegen mit mehr oder eher weniger Erfolg zu sensibilisieren versucht, auf die Zucht mit Tieren zu verzichten, die unter Entropium litten.

Von einem Teil der Schafzüchter wurde er wegen seiner Forderung sogar als Nestbeschmutzer beschimpft. Seine eigenen Tiere waren von der Augenkrankheit betroffen, deshalb hat er sich im Jahr 2010 selber angezeigt. Zu einer Verurteilung kam es allerdings nicht, weil es keine gesetzliche Weisungen zu Entropium gibt.

Schliesslich hat Strebel die Medien für seine Sache mobilisiert, um Druck auf die Behörden zu machen. Jetzt freut er sich darüber, dass eine Masterarbeit seine Forderung rechtfertigt. «Der ganze Aufwand hat sich gelohnt», erklärt der Schafzüchter.

Ziel erreicht: «sehr Dankbar für die Unterstützung»

Robert Strebel hat sein Ziel erreicht. «Ich bin froh, dass so viele den Fragebogen ausgefüllt haben.» Er machte bereits 2007 Zuchtverbände, Funktionäre, Verbandspräsidenten und Bio-Betriebe auf Entropium aufmerksam. «Der Erbfehler gilt im Tierschutz als Qualzucht.» Heute ist Strebel sehr dankbar jenen gegenüber, die ihn in der Sache unterstützt haben. Darunter sind neben den Schweizerischen Tierschutz auch einige Züchterkollegen. «Sie haben mich ermutigt, hartnäckig zu bleiben.» Früh mit dabei war der Schafzüchter Lukas Bütler aus Beinwil. Mit gegen 80 Mutterschafen ist der Oberfreiämter ein grosser regionaler Schafzüchter. Seit 2010 schliesst er konsequent alle befallenen Tiere und deren Geschwister von der Nachzucht aus. «Entropium ist sehr ernst zu nehmen», erklärte er 2012. «Deshalb müssten Schauexperten Entropium als wichtiges Beurteilungskriterium berücksichtigen.» Anzeichen von Entropium seien gleich wie andere Erbfehler zu behandeln und mit der Note 1, welche den Ausschluss aus dem Herdebuch bedeutet, zu beurteilen. Ebenfalls 2012 hat der Bio-Betrieb Murimoos werken und wohnen zwei Lämmer, bei welchen die Augenkrankheit festgestellt wurde, aus der Zucht genommen sowie deren Mütter nicht mehr zur Zucht herangezogen.(ES)

Überraschende Zahlen

Im Rahmen der Masterarbeit wurden im Frühling 2012 alle Schafzuchtbetriebe, die dem Schweizerischen Schafzuchtverband angeschlossen sind, in einer Umfrage zum Vorkommen von Entropium befragt. Von insgesamt 3183 verschickten Fragebogen wurden 993 zurückgesandt, was einer stolzen Rücklaufquote von 31,2 Prozent entspricht.

Im Durchschnitt hatte jeder dritte Betrieb in den letzten zehn Jahren Lämmer, die von Entropium betroffen waren. Beim Weissen Alpenschaft (WAS) waren mit 52,5 Prozent sogar über die Hälfte der Betriebe betroffen, wie die Masterstudentin Deborah Greber in einer Zusammenfassung festhält. «Die Deutlichkeit der Zahlen überraschte uns».

Handlungsbedarf erwiesen

Da in über einem Drittel der WAS-Betriebe in den letzen zwei Jahren das Entropium vorkam, bestehe Handlungsbedarf im Hinblick auf das Tierwohl und die Einhaltung des Tierschutzgesetzes. Es sei unbedingt nötig, eine Zuchtselektion gegen Entropium durchzuführen.

«Bevor weitre Studien gezieltere Zuchtmethoden eröffnen, sollten im Moment auf jeden Fall sowohl Elterntiere als auch die betroffenen Lämmer konsequent aus der Zucht ausgeschlossen werden, um der Weitervererbung des Entropiums vorzubeugen.» Um genauere Kenntnisse des Erbgangs zu erhalten, müsse eine genügend grosse Anzahl Blutproben erkrankter Tiere zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Untersuchung in der Schweiz sei von Seite des Schafzuchtverbandes geplant.

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