Wohlen

Harry Lütolf lässt nicht locker

Bis zu 20'000 Fahrzeuge fahren täglich durch Wohlen.

Bis zu 20'000 Fahrzeuge fahren täglich durch Wohlen.

Der CVP-Einwohnerrat und Grossrat fordert eine neue Verkehrserhebung. Die Aargauer Regierung sieht ebenfalls Handlungsbedarf, aber aktuell keine Dringlichkeit.

CVP-Grossrat und Einwohnerrat Harry Lütolf hat die Wohler Südumfahrung wieder aufs Tapet gebracht. Über eine solche rund zwei Kilometer lange Querverbindung vom Bremgarterwald über das Chüestellihau bis zur Bünztalstrasse im Gebiet Boll wird in Wohlen seit Jahrzehnten diskutiert – mal mehr, mal weniger. Das Trassee ist im kantonalen Richtplan ausgeschieden, ein konkretes Projekt dafür gibt es jedoch nicht.

Dafür ist vor allem ein Umstand verantwortlich: «Der Verkehr im Wohler Zentrum ist vor allem hausgemacht», hat die Aargauer Regierung auch auf den jüngsten politischen Vorstoss geantwortet, mit dem Harry Lütolf gefordert hat, dieses Projekt sei jetzt endlich konkret anzupacken.

Handlungsbedarf erkannt

Es gäbe in Wohlen zwar durchaus Handlungsbedarf, erklärte die Regierung in ihrer Antwort weiter. Der Schwellenwert von 15'000 Fahrzeugen pro Tag werde auf mehreren Strassen überschritten. Allfällige Massnahmen seien aber (noch) nicht dringlich.

Bei ihrer Beurteilung des Verkehrsaufkommens geht die Regierung von rund 65 % hausgemachtem Verkehr aus. Sie stützt sich dabei auf eine Erhebung, die 2006 mittels Nummernschilderhebung gemacht worden ist, also vor mittlerweile 13 Jahren. Hier setzt nun Harry Lütolf an. Am Dienstag hat er bei der offiziellen Behandlung seines Vorstosses im Grossen Rat eine Aktualisierung dieser alten Daten gefordert: «Was den Durchgangsverkehr in Wohlen anbelangt, wird dieser vom Regierungsrat mit rund 35 % angegeben, gestützt auf eine Erhebung von 2006. In Absprache mit dem hier anwesenden Wohler Gemeindeammann (Arsène Perroud, SP) bin ich der Meinung, dass es nach 13 Jahren sicher angezeigt ist, eine neue Erhebung des Durchgangsverkehrs durchzuführen.»

Es sei anzunehmen, erklärte Lütolf weiter, dass der Verkehr über den Sädel seit der Eröffnung des Autobahnanschlusses Birmensdorf gestiegen sei. «Spannend», sagte Lütolf, «wäre auch eine Prognose, wie sich ein allfälliger Ausbau der Bünztalstrasse auf den Durchgangsverkehr in Richtung Anschluss A4 auswirken würde.»

Wenig begeistert von Haltung

Im Übrigen sei er «wenig begeistert von der regierungsrätlichen Haltung, wonach der Handlungsbedarf im Zentrum von Wohlen als nicht dringlich beurteilt wird». Bei der Einschätzung der Verkehrsbelastung klafften die Ansicht des Regierungsrates und jene der Wohler Bevölkerung weit auseinander.

«Ich bin natürlich völlig einverstanden damit, dass man anhand von Fakten entscheiden soll, ob auf einem bestimmten Strassenabschnitt Entlastungsmassnahmen nötig sind.» Die vom Regierungsrat präsentierten Zahlen zeigten für Wohlen einen durchschnittlichen täglichen Verkehr von rund 17'000 Fahrzeugen. Werktags betrage die durchschnittliche Belastung sogar rund 19'000 Fahrzeuge, und der höchste Tageswert liege laut der letzten Erhebung von 2015 bei rund 20'000 Fahrzeugen. Bei einer Plausibilitätsprüfung der Haltung des Regierungsrates, wonach in Wohlen kein dringlicher Handlungsbedarf bestehe, habe er andere Umfahrungsprojekte im Aargau herangezogen.

Warum nur die anderen?

In Bad Zurzach beispielsweise werde der Höchstwert mit 11'000 Fahrzeugen ausgewiesen, er soll bis 2025 auf 12'000 Fahrzeuge ansteigen. Für die Südwestumfahrung in Brugg würden 2025 17'000 Fahrzeuge ausgewiesen und für die Umfahrung Mellingen würden bis zum gleichen Zeitpunkt 18'500 Fahrzeuge prognostiziert.

«Bad Zurzach liegt also weit unter den Werten von Wohlen. Brugg, Mellingen und Sins liegen in etwa gleichauf», erklärte Harry Lütolf im Grossen Rat und fragte: «Was ist der Unterschied? Die Umfahrungen in Bad Zurzach, Brugg, Mellingen und Sins sind beschlossen und stehen teilweise bereits in der Realisierung. Wohlen wird bei gleicher oder höherer Verkehrsbelastung aber einmal mehr und wohl auf Jahre vertröstet.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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