Wohler Fasnacht
Harold de Globetrotter: «Ehrenkammerer ist man nur einmal im Leben»

Harold Külling ist als höchster Fasnächtler äusserst beliebt. Er führt die Kammergesellschaft Wohlen durch die Fasnacht 2015.

Toni Widmer
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Der Wohler Ehrenkammerer am Dottiker Fasnachtsumzug vom Wochenende. Sein Spitzname «Harold de Globetrotter» weist auf seine leidenschaftliche Reisefreudigkeit hin. Harold Külling hat in seinem bisherigen Leben schon 113 Länder erkundet, meist auf eigene Faust. Toni Widmer

Der Wohler Ehrenkammerer am Dottiker Fasnachtsumzug vom Wochenende. Sein Spitzname «Harold de Globetrotter» weist auf seine leidenschaftliche Reisefreudigkeit hin. Harold Külling hat in seinem bisherigen Leben schon 113 Länder erkundet, meist auf eigene Faust. Toni Widmer

Toni Widmer

War Harold Külling (63) nicht bereits einmal Ehrenkammerer? Immerhin hat man ihn an zahlreichen Umzügen schon aus dem roten Rambler American, dem traditionellen Ehrenkammerer-Oldtimer mit Jahrgang 1961, winken sehen. «Nein», lacht er, «Ehrenkammerer wird man nur einmal im Leben. Auch wenn es Leute gibt, die das Amt liebend gerne auch ein zweites Mal ausüben würden.» Aber Zeremonienmeister war Harold Külling während fünf Jahren und in dieser Zeit hat er fünf Ehrenkammerer an vorderster Front durch die jeweilige Fasnacht begleitet.

Ist dabei der Wunsch gereift, auch selber einmal Amt des obersten Wohler Fasnächtlers zu bekleiden? «Wer in der Kammergesellschaft mitmacht, trägt sich früher oder später mit dem Gedanken, Ehrenkammerer zu werden. Als amtierender Zeremonienmeister konnte ich allerdings nicht aspirieren. Ich hätte mich ja selber nominieren müssen.»

Lange Zeit ein heisser Kandidat

Danach allerdings wurde der Wohler Anwalt immer wieder als heisser Kandidat gehandelt: «Vor der Inthronisation galt ich in den letzten Jahren immer öfter als möglicher Ehrenkammerer und stand unter besonderer Beobachtung. Deshalb habe ich mich für die Inthronisationsfeier dieses Jahr frühzeitig entschuldigt. Die Überraschung war gross, als ich dann doch plötzlich als neuer Ehrenkammerer das Casino betreten habe», schmunzelt er mit dem ihm eigenen trockenen Humor.

Seit 1998 ist Harold Külling Kammerherr und hat im Laufe der Jahre verschiedene Ämter bekleidet. So war er Vorstandsmitglied, schrieb als Kammeronkel lustige Verse und leitete als Friedensrichter die Vorstandswahlen oder schlichtete bei vereinsinternen Differenzen.

Auf die Fasnacht gekommen ist Külling allerdings schon vor seiner Kammerherrenzeit: «In meiner Studienzeit am Kollegium in Einsiedeln haben wir in der Fasnachtszeit öfter Mal eine Nacht ausserhalb des Internats verbracht. Selbverständlich unerlaubt.» Hinter der Fasnacht sucht Külling keinen tieferen Sinn: «Man will es ein paar Tage lustig haben, neue Leute kennenlernen, fröhlich sein und abschalten. Ich habe an der Fasnacht sehr viele Leute kennen gelernt, die ich sonst kaum kennen gelernt hätte und mich stets prächtig unterhalten. Für mich hat die Fasnacht bisher stets Sinn gemacht.»

Unerwartet grosses Echo

Harold Külling war – vor genau 25 Jahren – als Einwohnerratspräsident auch politisch der höchste Wohler und er war Gemeinderat. Nie löste eine Wahl jedoch so viele Reaktionen aus, wie die zum Ehrenkammerer: «Ich hätte nie erwartet, dass mir zu diesem Amt so viele Leute gratulieren und sogar Geschenke vorbei bringen. Offensichtlich hat das Amt des Ehrenkammerers für die Bevölkerung auch heute noch eine grosse Bedeutung.»

Die Fasnacht in Wohlen, bilanziert Külling hingegen, habe sich über die Jahre stark verändert: «Die Zeiten, in denen am Kammerball im Bären zwei Orchester spielten und man zwischenzeitlich auch noch in andere Wohler Restaurants ging, wo ebenfalls Musiker für Stimmung sorgten, sind vorbei. Die Ball- und Beizenfasnacht ist leider auf ein Minimum geschrumpft.» Dafür würden die regelmässigen Wohler Fasnachtsumzüge das Volk in immer grösseren Scharen anziehen: «Das hat mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Junge Leute müssen nicht mehr darauf warten, bis im Dorf etwas läuft. Sie sind mobil und können jeden Abend Party feiern, wenn ihnen danach ist.»

Am Kammerball, seiner grossen Fasnachtsparty, wird Junggeselle Harold Külling übrigens wie an der ganzen Fasnacht von den Ehrendamen Carmen Koch und Sara Rufer begleitet. Eine absolute Exklusivität bei den Kammerherren, das hat es vorher noch nie gegeben.

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