Die Circus-Monti-Serie (8)
Happy Birthday und Au Revoir, Circus Monti

In Wettingen feierte die Familie Muntwyler am Sonntag im ausverkauften Zelt das Ende der hervorragenden 30. Saison. Nach acht Monaten auf Tournee haben sich alle Mitarbeiter die Winterpause verdient.

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30 Jahre Circus Monti
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30 Jahre Circus Monti

30 Jahre Circus Monti

André Albrecht

Vor der Kasse hängen bunte Luftschlangen, über dem Buffetwagen soll ein Schild die Besucher davon abhalten, die als Pferde verkleideten Mitarbeiterinnen zu füttern, und die Platzanweiser tragen Zirkuskostüme aus den frühen 90ern. Auf der Wettinger Zirkuswiese steht alles im Zeichen von 30 Jahren Circus Monti. Es ist Tradition, dass Mitarbeiter, Artisten, Musiker und Zirkusleitung sich an der Derniere ganz besonders ins Zeug legen, um mit Ehemaligen und anderen Gästen den Abschied von einer weiteren gelungenen Zirkussaison zu feiern. Doch dieses Jahr ist es ein besonderer Abschied. «Monti»-Direktor Johannes Muntwyler hat es gesagt: «Man ist immer traurig, wenn ein so gutes Programm zum letzten Mal gespielt wird.» Besonders, wenn es sich dabei um den 30. Geburtstag des Zirkus handelt. Doch diese Derniere ist gleichzeitig der Abschied der traditionellen achtmonatigen «Monti»-Saison. Nächstes Jahr werden es nur noch vier Monate sein.

Krokodil in der Manege

Was macht der Werkstatt-Mitarbeiter in der Manege? Warum hämmert er an einem Stuhl herum, während die Vorstellung doch bereits angefangen hat? Und was treibt das gepunktete Krokodil zwischen den Artisten? Solche lustigen Details fallen dem Publikum sofort auf. Denn kaum einer der Gäste sieht das diesjährige Programm an der Derniere zum ersten Mal. Selbst eine Ziege – oder zumindest eine als Ziege verkleidete Kostümschneiderin – schleicht sich fröhlich meckernd auf die Bühne. Und Artistinnen stossen mit Musikern auf den gelungenen Abschluss einer sehr guten Saison an – mitten in der Manege und noch während der Vorstellung. So etwas kommt nur an der letzten Vorstellung des Jahres vor.

Denn dann dürfen die sonst schönen Bilder, die durchtrainierten Artisten und sogar der Zirkusdirektor selbst für einmal auf die Schippe genommen werden. Die einzige Regel: Die Nummern dürfen nicht gestört werden. Aber dazwischen findet sich immer wieder Platz für ein Spässchen.

Die Ehemaligen pfeifen, johlen und klatschen, denn sie wissen genau, wie erlösend eine Derniere für alle Mitwirkenden nach einer gelungenen Zirkussaison ist. Die acht Monate auf Tournee sind sowohl spannend als auch anstrengend, ermüdend wie lehrreich, schön und emotional zugleich. Nach 244 Vorstellungen und 44 Auf- und Abbauten haben sich alle Beteiligten die Winterpause mehr als verdient.

Lachende und weinende Augen

Zuerst aber wird gefeiert. Eine Band spielt bis in die Nacht hinein, im grossen Chapiteau wird ausgelassen getanzt. Ab und zu fliessen Tränen, denn die polnischen Musiker wie auch einige Artisten fahren bereits in der Nacht los in Richtung Heimat. Einige kommen nächstes Jahr wieder, andere werden verabschiedet und für ihre langjährige Treue geehrt – wie Lahoucine Edehbi, der nach 28 Jahren beim Circus Monti nun daheim in Marokko seinen Ruhestand geniessen wird.

Wenn man eine ganze Saison, mehr als acht Monate lang, mit denselben Menschen unterwegs war, sind sie zur Familie geworden. Jetzt ist die Saison zu Ende. Die Familie bricht auseinander. Man ist traurig sie ziehen zu lassen, glücklich, zur eigenen Familie und seinen Freunden ausserhalb des Zirkus zurückzukehren, froh, endlich wieder ausschlafen zu können. Alles auf einmal. Vor allem Letzteres haben sich Mitarbeiter, Artisten, Musiker und die Familie Muntwyler nun verdient.

Für die Mitarbeiter dauert die Saison zwar noch eine Woche, bis Zelte, Wagen und Abteile geputzt und in Wohlen eingewintert sind. Doch im Winterquartier gibt es weder Spätschichten noch Abendvorstellungen. Aussenstehenden fällt es schwer, nachzuvollziehen, wie froh man über eine solche Kleinigkeit nach acht Monaten auf Tournee doch sein kann.