Oberwil-Lieli
Hans Widmer zahlt 200000 Franken für Wettbewerb

Das Unterdorf-Landgeschäft kommt in Verzug. Grund: Ein Architekturwettbewerb wird gestartet, den der einstige Industrielle Hans Widmer finanziert.

Lukas Schumacher
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Der prominente Dorfbewohner Hans Widmer greift ins Portemonnaie. (Archiv)

Der prominente Dorfbewohner Hans Widmer greift ins Portemonnaie. (Archiv)

Annika Bütschi

Dem wohlhabenden 74-jährigen Hans Widmer, einst Firmenchef von Oerlikon Bührle und Schweiter, missfällt der Überbauungsplan im Unterdorf. Die geplante Siedlung mit den 83 Wohnungen überzeugt den prominenten Dorfbewohner nicht. Seiner Ansicht nach soll auf dem Unterdorfland, das zu einem grossen Teil der Gemeinde gehört, anders gebaut werden: gefälliger, höher, mit mehr Grünflächen und schönerer Aussicht zugunsten der Bewohner.

Widmers Vorschlag goutiert

An der «Sommergmeind» beantragte Hans Widmer die Rückweisung des fünfteiligen Landgeschäfts, das die Einwohnergemeinde als Partnerin des Investors Karl Beeler (Unterlunkhofen) realisieren wollte. Zudem schlug Widmer vor, die Wohnbedürfnisse im Unterdorf möglichst genau abzuklären und danach einen Ideenwettbewerb unter Architekten für 200 000 Franken auszuschreiben, den er persönlich finanziere. Widmers Alternativvorschlag kam mit grossem Mehr durch.

Vom Tisch ist das grosse Unterdorf-Landgeschäft zum heutigen Zeitpunkt nicht. Fest steht aber, dass es stark in Verzug kommt. Denn für die Gesamtüberbauung lag ein rechtskräftig genehmigter Gestaltungsplan vor. Dieser Plan müsste abgeändert werden, falls man schliesslich einen Überbauungsvorschlag verwirklichen möchte, der aus dem Ideenwettbewerb hervorgeht. Änderungen von Gestaltungsplänen dauern bis zur Rechtskraft recht lange.

«Ehrenrunde angepfiffen»

Wie reagiert die Gemeindebehörde Oberwil-Lieli auf Widmers gutgeheissenen Vorstoss? Damit habe man keinerlei Mühe, teilte Gemeindeammann Andreas Glarner mit. An der Sommergmeind sei demokratisch entschieden worden. «Im Übrigen haben wir die beschlossene Ehrenrunde bereits angepfiffen und mit Hans Widmer erste Gespräche geführt», sagte Glarner. Der Wettbewerb werde zügig lanciert. Erste Informationen über den Wettbewerb im Ortsteil Oberwil könne man an der Wintergmeind Ende Jahr erwarten, vertiefte Informationen und Ergebnisse an der Sommergmeind 2016.

Beeinträchtigt der Wettbewerb nicht die formulierten Gemeindeziele, im Unterdorf preiswerten neuen Wohnraum für Familien und junge Leute zu schaffen? «Nein, ganz und gar nicht», sagte Gemeindeammann Glarner. Dieses wichtige Anliegen werde im Ideenwettbewerb angemessen Beachtung finden.

Was beschliessen Ortsbürger?

Nach dem Entscheid der Sommergmeind verkauft die Einwohnergemeinde ihr rund 12 Hektaren grosses Bauland im Unterdorf vorderhand nicht an Investor Karl Beeler. Ob die Ortsbürgergemeinde ihre 3000 m2 grosse Parzelle im Unterdorf an Beeler verkauft, gemeinsam mit dem Investor baut und danach zwei Mehrfamilienhäuser zum Preis von 5,5 Mio. Franken kauft, wird sich zeigen. Heute Freitag stimmen die Ortsbürger darüber ab.