Freiamt
Handys: An Freiämter Schulen gelten teilweise strikte Regeln

Regionale Schulen reagieren unterschiedlich auf den Umgang mit elektronischen Geräten. In Bremgarten und Wohlen sind Handys auf dem Schulareal erlaubt, nicht aber im Schulhaus. Anderswo müssen sie frühmorgens abgegeben werden.

Loredana di Fronzo und Tommy Richner
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Jugendliche surfen auf ihren Smartphones - bald gibt es bei Abo-Abschluss keine Gratis-Handys mehr (Symbolbild)

Jugendliche surfen auf ihren Smartphones - bald gibt es bei Abo-Abschluss keine Gratis-Handys mehr (Symbolbild)

Keystone

Das Handy ist heute ständiger Begleiter eines jeden Jugendlichen – zumindest fast. 90 Prozent aller 12- bis 19-Jährigen besitzen ein Mobiltelefon. Vor allem in der Schule ist das Klingeln und Tippen omnipräsent. Der Aufmerksamkeitskiller lenkt Schüler vom Lernen ab und führt auch dazu, dass weniger Gespräche stattfinden.

Heutzutage sind es aber nicht mehr nur Handys, sondern fast immer Smartphones, die die Schüler mit sich herumtragen. Daher beschäftigen sich die Benutzter nicht mehr nur mit Telefonieren oder Simsen.

Sie können ständig auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram online präsent sein oder sich mit unzähligen Spielen die Zeit vertreiben. Natürlich ist es viel spannender, schnell zu checken, was ein Celebrity wieder auf Twitter gepostet hat, anstatt dem Lehrer beim Erklären einer viel zu komplizierten Matheaufgabe zuzuhören.

Schulen im Kanton Luzern haben reagiert und ein Handyverbot eingeführt. Auch in Schulen im Freiamt gelten teils strikte Regeln.

Kein Handy im Schulhaus

Jede Schule geht ein wenig anders mit dem Handykonflikt um. Die Bezirksschulen Bremgarten und Wohlen lösen das Problem so: Auf dem Schulareal darf ein Mobiltelefon verwendet werden, betritt man jedoch das Schulhaus, muss es umgehend ausgeschaltet werden.

Wird diese Regeln nicht eingehalten, wird das Natel eingezogen und darf nur in Begleitung der Eltern wieder bei der betreffenden Lehrerperson abgeholt werden. Paul Bitschnau, der Schulleiter der Bezirksschule Wohlen, sagt dazu: «Wir machen gute Erfahrungen mit diesem Vorgehen. Es ist zwar ein bisschen unkonventionell, aber es funktioniert bestens.»

In der Primarschule Niederwil muss man beim Betreten des Schulareals sämtliche elektronischen Geräte abschalten und in der Schultasche verstauen.

Kanti Wohlen als Ausnahme

Radikal greift die Schule Zufikon durch. Dort müssen elektronische Geräte bereits am frühen Morgen abgegeben werden und dürfen erst am Abend nach dem Unterricht wieder abgeholt werden. Wer dennoch mit einem Handy erwischt wird, dem wird es für eine Woche entzogen.

Anders sieht es an der Kantonsschule Wohlen aus. Das Mobiltelefon zu benutzen, ist nicht verboten. Für Prorektor Waldemar Feller ist dies auch nicht nötig: «Fast alle unsere Schüler sind mehr als 16 Jahre alt und besitzen meist schon seit einiger Zeit ein Smartphone. Für die jüngeren Schüler der Oberstufe handelt es sich meist um ihr erstes Handy, weshalb es für sie noch eine neue, aufregende Erfahrung ist und sie die Finger kaum davon lassen.» Deshalb ergebe ein Handyverbot an Schulen mit jüngeren Schülern mehr Sinn, als an der Kanti.

Fünf Prozent sind süchtig

In der Schweiz sind laut einer im April 2012 veröffentlichten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften fünf Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren handysüchtig. 50 Prozent sind engagierte Nutzer, das heisst, sie sind oft am Telefon.

Susanne Wasserfallen von der Suchtprävention Aargau sieht das Problem so: «Jugendliche brauchen sehr oft die Unterstützung der Eltern, weil sie allein noch nicht genug Eigenverantwortung besitzen.»