Volksinitiative
Halleluja im Wohler Kreuz-Knatsch: SVP und Gemeinderat vor Einigung

Die Wohler SVP wollte eine Volksinitiative, um ein Holzkreuz in der Abdankungshalle durchzudrücken. Nun bietet der Gemeinderat doch noch Hand zu einer gütlichen Einigung. Und die Partei sendet ein versöhnliches Signal.

Toni Widmer
Drucken
Teilen
Ein einfaches Holzkreuz würde der SVP in der Abdankungshalle genügen.

Ein einfaches Holzkreuz würde der SVP in der Abdankungshalle genügen.

Uwe Kaiser

Der Streit um ein (fehlendes) Kreuz in der vor einem Jahr sanierten Abdankungshalle in Wohlen hätte die Sommerposse werden und den Schweizer Blätter- und Online-Wald «enorm bereichern» können.

Weil sich in letzter Minute eine Einigung abzeichnet, wird sie es – ziemlich sicher – nicht. Das ist gut für Wohlen, weil jetzt wohl verhindert werden kann, dass sich die halbe Schweiz über die Freiämter Metropole lustig macht.

Der Reihe nach: Im September 2013 konnte die neu renovierte Abdankungshalle in Wohlen ihrem Betrieb übergeben werden. Jahrelang war über dieses Projekt gestritten worden. Ursprünglich hatte der Gemeinderat den Bau einer von Grund auf neuen Abdankungshalle geplant. Dieses Vorhaben war jedoch von der SVP bekämpft und schliesslich an einer Volksabstimmung auch definitiv beerdigt worden.

Auf den Kompromiss, der deutlich weniger gekostet hatte als eine neue Friedhofkirche, war im Herbst ganz Wohlen stolz. Ausser die SVP.

Sie begrüsste zwar die günstigere Lösung und fand die zweckmässig renovierte Friedhofkirche ebenso schön wie alle andern. Doch ihre fehlte im Abdankungsraum ein Kreuz.

Nun ist dieser Raum im Besitz der Gemeinde und steht somit allen Religionsgemeinschaften für die Feier eines würdevollen Abschieds von ihren Verstorbenen zur Verfügung. Der Gemeinderat pochte auf religiöse Neutralität und wollte weder von einem Kreuz noch von einem allfälligen Kompromiss etwas wissen.

Die SVP lancierte einen politischen Vorstoss im Einwohnerrat. Ziel: Ein Kreuz, mindestens so gross wie ein Wegkreuz und unverrückbar in den Boden oder an die Wand gemauert.

Fraktionspräsident Edi Brunner, der den Kreuzzug mittlerweile zu einem eigentlichen Feldzug gegen den Wohler Gemeinderat gemacht zu haben schien, beschwor bei der Behandlung der Motion im Rat nicht nur alle Heiligen, sondern auch Wilhelm Tell, Bruder Klaus, Arnold von Winkelried und andere geschichtsträchtige Helden, die zum Ruhm des Schweizer Kreuzes beigetragen haben.

Das Parlament indessen kam nicht in Versuchung, das Schweizer Kreuz mit dem christlichen Kreuz gleichzusetzen und schmetterte das Vorhaben ab. Die SVP gab nicht auf: «Wir müssen unsere christlichen Traditionen erhalten», argumentierte sie und stellte eine Volksinitiative in Aussicht.

Immerhin hatte die Partei eingesehen, dass ein mächtiges «Wegkreuz» es wohl auch in einer Volksbefragung recht schwer haben würde, und schraubte ihre Ansprüche herunter. Mit einem schlichten Holzkreuz könnte sie leben, signalisierte die SVP.

Jetzt endlich kam auch Bewegung in den Gemeinderat. Das Gremium, das sich bisher in der Angelegenheit kaum als weniger stur erwiesen hatte wie die SVP, kam auf die Idee, man könnte es gegenüber der Opposition für einmal auch mit etwas mehr Gesprächsbereitschaft und Flexibilität versuchen.

Die erlösende Meldung wurde im Laufe dieser Woche verbreitet: «Eine Delegation des Gemeinderates ist mit Vertretern der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden zusammengekommen. Es wird eine Lösung für das Anbringen eines Kreuzes in der Abdankungshalle gesucht, welche der von der SVP in Aussicht gestellten Initiative gerecht wird.»

Fast göttliche Freude herrscht nun bei der SVP: «Es ist schön, dass sich der Gemeinderat bewegt und einen Schritt auf uns zukommt. Wir bieten Hand zu einer einvernehmlichen Lösung und werden, wenn eine solche zustande kommt, unsere Volksinitiative gerne zurückziehen», erklärte Fraktionspräsident Edi Brunner.

Allerdings: «Die Vorbereitungen laufen, das SVP-Mitteilungsblatt mit unserem beigehefteten Unterschriften-Bogen ist schon gedruckt und wird demnächst verteilt. Aber ich denke, wir finden trotzdem einen gangbaren Weg», gibt sich Edi Brunner versöhnlich.

Und dann sagt er noch: «Klar sind wir in der Opposition und treten manchmal etwas hart auf. Vielleicht haben wir auch mit unserem Kreuzzug etwas übertrieben. Aber wir sind immer gesprächsbereit, wenn man uns und unsere Anliegen ernst nimmt. Denn auch wir wollen, dass sich in Wohlen etwas bewegt.»