Boswil/Auw
Halleluja: Die erste Heilige aus der Schweiz ist eine Freiämterin

Pfarrer Urs Keusch hat die Tagebücher von Maria Bernarda Bütler (1848-1924) herausgegeben. Als erste Frau aus der Schweiz erhob Papst Benedikt XVI die Ordensschwester aus Auw 2008 in den Stand der Heiligen.

Jörg Baumann
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Die Ordensschwester war die erste Heilige der Schweiz: Eine Pilgerin vor dem Maria-Bernarda-Altar an der Südwand in der Pfarrkirche Auw.

Die Ordensschwester war die erste Heilige der Schweiz: Eine Pilgerin vor dem Maria-Bernarda-Altar an der Südwand in der Pfarrkirche Auw.

Raphael Hünerfauth

Papst Benedikt XVI erhob die Ordensschwester Maria Bernarda Bütler (1848-1924) aus Auw 2008 in den Stand der Heiligen – als erste Frau aus der Schweiz. Sie verdiente sich diese Ehrung von höchster Stelle mit ihrer unermüdlichen Missionstätigkeit in Ecuador und Kolumbien, wo sie als Oberin der Kongregation der Franziskaner Ordensschwestern mit ihren Mitschwestern dem Gesundheits- und Schulwesen starke Impulse verlieh.

Sieben Jahre nach der Heiligsprechung scheint der Ruhm von Maria Bernarda Bütler ausserhalb der kirchlichen Kreise zu verblassen. So sieht es auf jeden Fall der emeritierte Pfarrer Urs Keusch (65) aus Boswil, der im Bündner Dorf Summaprada wohnt.

Lange Fleissarbeit

In sechsjähriger Fleissarbeit, die er nur unterbrach, wenn ihn die Folgen einer schweren Krankheit ermüdeten, gab Keusch die bisher brach liegenden Tagebücher der Heiligen aus Auw heraus. Der Sohn des Boswiler Gemeindeförsters Josef Keusch, der über seine Mutter mit Maria Bernarda Bütler verwandt war, machte zuerst eine Lehre als Grundbuchvermesser, bevor er nach einigen Jahren im angestammten Beruf auf dem zweiten Bildungsweg Theologie und Judaistik studierte und Priester wurde. Keusch versah seine erste Priesterstelle als Diakon in Villmergen und die zweite als Pfarrer von Biberist, wo er nach einem Zeckenbiss schwer erkrankte.

Am Ball geblieben

Das schwere Leiden zwang Keusch zwar letztlich in den unfreiwilligen Ruhestand, hinderte ihn aber nicht daran, sich hinter seine späte Lebensaufgabe zu machen: die Publikation der Tagebücher von Maria Bernarda Bütler. Die Provinzoberin Claudia Hofer vom Franziskanerinnenkloster Frastanz händigte ihm die über tausend Schreibmaschinenseiten und 37 Hefte umfassenden Aufzeichnungen aus und bat ihn, bei der Verbreitung der Schriften am Ball zu bleiben.

Dieser Aufgabe habe er sich gestellt, obwohl sie nicht einfach gewesen sei, erklärt Urs Keusch. Denn die vom 19. Jahrhundert eingefärbte religiöse Sprache treffe in manchen, aber nicht in allen Teilen nicht mehr den Geschmack unserer Zeit. Er habe aber als Christ und Priester vom hehren Glauben von Maria Bernarda, von ihrem heroischen Beispiel der Liebe und ihrer glühenden Christusergriffenheit viel profitieren dürfen. Das Buch verkauft sich übrigens gut.

Pfarrer Keusch traf ein zeitlich ungeordnetes Manuskript an, das gestrafft, strukturiert und mit Erläuterungen und Einleitungen versehen werden musste. Keusch betont, dass Maria Bernarda Bütler ihre Aufzeichnungen selber als «Kraut und Kabis durcheinander Geschriebenes» bezeichnete. Sie begann mit ihrem Tagebuch, noch nicht vierzigjährig, im Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf in Altstätten, übergab sie dann aber dem Feuer.

Erst 1906, bereits 58-jährig, nahm sie den Faden in Kolumbien wieder auf und führte die Tagebücher nach einer selber verordneten Schreibpause 1915, bereits kränklich, bis zu ihrem Tod 1924 fort.

Ringen um die Gnade Gottes

Bezeichnend ist, dass in den Aufzeichnungen der Alltag und die täglichen Geschäfte, die sie als Vorsteherin der Schwesterngemeinschaft beschäftigen mussten, gar nicht vorkommen. Ihre Tagebücher sind vielmehr geprägt vom ständigen Ringen um die Gnade Gottes. «Es geschah mitunter, dass ich das Gefühl hatte, als ob ich bloss noch an einem dünnen Faden hänge», schreibt sie.

«Aber selbst in solchen schrecklichen Stunden schrie ich zu Gott: Auch wenn Du mich in den Abgrund der Hölle sinken lassen wolltest, so werde ich dennoch auf Dich hoffen und vertrauen!».

Die Tagebücher von Maria Bernarda Bütler sind unter dem Titel «Nimm und schreibe» im Buchhandel erhältlich oder bei Orgeltöne Maria Bernarda, c/o Maria Odermatt, Hauptstrasse 89 K, 7421 Summaprada (Tel. 081 330 75 60, E-Mail: mariaodermatt@bluewin.ch). Das Buch kostet 15 Franken.

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