Niederwil
Halbzeit beim 12-Millionen-Projekt Biogasanlage

Die grösste Biogasanlage des Kantons Aargau in Nesselnbach nimmt Gestalt an. Auf dem 5000 Quadratmeter grossen Gelände der Recycling Energie AG in Nesselnbach läuft es rund. «Wir sind im Zeitplan», sagt Firmenmitinhaber Werner Humbel.

Lukas Schumacher
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12-Millionen-Projekt

12-Millionen-Projekt

In fünf Monaten soll die Anlage in Betrieb genommen werden. Jetzt, bei Bau-Halbzeit, befinden sich drei Baukräne und ein Dutzend Werktätige auf dem Grundstück. Im Februar wird der Endspurt zur Erstellung des Biogaswerks anlaufen. «Dann werden hier gegen 40 Handwerker anzutreffen sein», vermutet Mitinhaber Guido Hufschmid, «unter ihnen Sanitär, Gipser, Maler und Elektriker.»

Bereits gut sichtbar ist der Kern der Anlage. Diesen Kern bilden vier grosse, je 6 bis 8 Meter hohe Silobehälter, die es auf einen Durchmesser von 22 Metern bringen. Zwei der wuchtigen Silos wird man mit einer Gasballonhülle versehen und zur Endlagerung nutzen. Die zwei restlichen Behälter dienen als Fermenter/Bioreaktoren.

Ökostrom, Biodiesel, Holzschnitzel

Das Funktionsprinzip der Anlage tönt simpel: Durch Vergärung von Biomasse entsteht Biogas. Zu diesem Prozess tragen verschiedene Arten von Mikroorganismen bei, genau so eine ausgefeilte Anlagetechnik mit Rührwerken, Pumpen, Leitungen, Motor, Steuerungen etc.

Die Freiämter Biogasanlage wird die grösste im Aargau und schweizweit eine der grössten sein. Beleg dafür sind die imposanten Zahlen der geplanten Jahresproduktion im Vollbetrieb der Anlage: 7 Millionen Kilowattstunden Ökostrom, 1,7 Mio. Liter Biodiesel, 3000 Kubik Holzschnitzel, 8000 Kubik Kompost, 17 000 Kubik Flüssigdünger. Den Ökostrom aus dem Reusstal kauft das Elektrizitätswerk Zürich, das damit 1200 bis 1400 Haushaltungen mit Energie versorgen wird.

Beschaffung wird nicht einfach

Es dürfte nicht einfach sein, ständig genügend Abfallmaterialien für den Betrieb der 12 Millionen Franken kostenden Anlage zur Verfügung
zu haben. «Das Sicherstellen des Rohmaterials auf Jahre hinaus wird in der Tat eine grosse Herausforderung sein», bestätigt Werner Humbel. Der jährliche Appetit des Recycling- und Produktionswerks ist beinahe unersättlich: 8000 Tonnen Speisereste, 3000 Tonnen Abfallholz, 8000 Tonnen Grüngut, 4000 Tonnen Gülle, 2 Millionen Liter Altspeiseöl und 3000 Tonnen Gemüsereste schluckt es.

Ohne Strom kommt auch die aus ökologischer Sicht erstklassige Neuanlage nicht aus. Sie wird voraussichtlich 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr benötigen.