Jonen
Hagelschäden: 1,3 Millionen Franken für 366 Autos

Das Hagelunwetter vom 1. Juli hat im Freiamt auf zahlreichen Autos deutliche Spuren hinterlassen. Davon betroffen waren auch 1150 Fahrzeuge von Mobiliar-Kunden; 366 liessen die Schäden begutachten.

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Hagel kann beträchtliche Schäden an Autos verursachen. zvg

Hagel kann beträchtliche Schäden an Autos verursachen. zvg

Kundinnen und Kunden der Mobiliar konnten letzte Woche während fünf Tagen zu einem vereinbarten Termin ihre verhagelten Fahrzeuge vorführen – insgesamt wurden in Jonen 366 Autos begutachtet. Der Gesamtschaden an den Fahrzeugen beläuft sich auf 1,3 Millionen Franken, was einem Durchschnitt von rund 3500 Franken pro Auto entspricht. «Die Erledigung von Schadenfällen im Rahmen eines Hagel-Drive-in ist unkompliziert und entsprechend kundenfreundlich – das Ausfüllen einer Schadenanzeige entfällt dabei», sagt Rolf Thumm, Generalagent im Freiamt.

Experten im Dauereinsatz

Die Versicherungsexperten benötigen rund 20 Minuten pro Fahrzeug, um den Schaden zu beziffern. In die Drive-in werden vorwiegend jene Kunden aufgeboten, die eine Auszahlung des Schadens wünschen. Wer sein Fahrzeug reparieren möchte, kann sich direkt an seine Garage wenden. Die Mobiliar schreibt keine Partnerbetriebe vor – die Kundinnen und Kunden wählen ihre Garage frei.

In diesem Jahr sind schweizweit bereis mehr als 10000 Fahrzeuge von Mobiliar-Kunden verhagelt worden. Die Schadensumme beläuft sich laut Schätzungen auf über 30 Millionen Franken. Insgesamt hat Mobiliar elf lokale Hagel-Drive-in durchgeführt, um diese grosse Zahl von Schäden speditiv zu schätzen.

Auffällige Häufung der Hageltage

Laut Olivia Romppainen-Martius, Professorin am Geographischen Institut der Universität Bern, hat in der Schweiz die Anzahl starker Hageltage, an denen über 100 Gemeinden von Hagelschäden betroffen sind, seit 1980 zugenommen. Diese Beobachtung passt laut der Geografin zu Analysen aus Süddeutschland, die ebenfalls eine Zunahme der Anzahl Hageltage pro Jahr in den letzten drei Jahrzehnten aufzeigen.

Klimafolgen im Alpenraum

Romppainen-Martius forscht seit Anfang 2011 an der Universität Bern zu den Klimafolgen im Alpenraum. Was auf die Schweiz zukommt, interessiert auch die Mobiliar: Die Versicherung finanziert die ausserordentliche Professur bis vorerst 2018 mit fünf Millionen Franken.

Ob ein Zusammenhang zwischen der Zunahme von Hagelereignissen und der Erwärmung der Atmosphäre bestehe, sei hingegen fraglich, meint Romppainen-Martius. Einerseits zeigten Modellstudien, dass die Starkniederschläge in einem wärmeren Klima intensiver werden, «andererseits sagen neuste Modellsimulationen für die Rocky Mountains schwächere Hagelereignisse voraus: In den Modellen schmelzen die Hagelkörner in den Wolken und auf ihrem Weg zum Boden aufgrund der wärmeren Temperaturen in der Atmosphäre». Ob sich diese Erkenntnisse auf die Schweiz übertragen lassen, ist laut der Professorin aber unklar. (az)