Bezirksgericht Bremgarten

Härteres Urteil als beantragt: Anabolika-Händler muss 5,5 Jahre ins Gefängnis

Vor fünf Jahren flog der Anabolika-Handel von Anton auf. Nun verurteilt ihn das Bezirksgericht Bremgarten.

Vor fünf Jahren flog der Anabolika-Handel von Anton auf. Nun verurteilt ihn das Bezirksgericht Bremgarten.

Das Bezirksgericht Bremgarten kauft ihm seine Version der Geschichte nicht ab und sprach ihn schuldig — sein Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Das Bezirksgericht Bremgarten hat einen Anabolika-Händler wegen Erpressung, Nötigung und qualifizierter Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz verurteilt. Anton (alle Namen geändert) muss 5,5 Jahre ins Gefängnis. Ausserdem muss er eine Geldstrafe bezahlen und eine Ersatzforderung von 80'000 Franken für die unrechtmässig erlangten Vermögensvorteile.

Das Urteil der Richter fällt härter aus, als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Das Gericht findet Antons Beweggründe für die Tat sehr verwerflich, wie Gerichtspräsident Peter Thurnherr sagt. Anton wird vorgeworfen, dass er Felix erpresst und genötigt hat. Dieser hatte ihn in einem anderen Verfahren wegen Anabolika-Handels mit seinen Aussagen belastet.

Als Anton aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, wollte er, dass Felix seine Aussagen zurückzieht. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, soll er sich an seinen Kollegen, einen Barbetreiber im Zürcher Langstrassenquartier, gewandt haben. Dieser wiederum soll dann Mehmet und Romeo – zwei zwielichtige Gestalten aus dem Milieu – angeheuert haben, bei Felix einzufahren und ihn einzuschüchtern. Mit Erfolg. Felix fürchtete um sein Leben und zog die belastenden Aussagen zurück.

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch

Antons Verteidiger erzählte letzte Woche vor Gericht eine andere Version der Geschichte und sagte, Anton müsse als Sündenbock herhalten. Romeo und Mehmet hätten ihre eigenen Ziele verfolgt (AZ vom Montag). Er verlangte einen vollumfänglichen Freispruch.

Das Gericht glaubte dieser Darstellung allerdings nicht. Es sei vollkommen unglaubwürdig, dass unbeteiligte Dritte Felix erpresst haben sollen, sagt Gerichtspräsident Thurnherr. So habe beispielsweise die Telefonüberwachung gezeigt, dass Anton und Mehmet kurz bevor und kurz nachdem Mehmet und Romeo bei Felix einfuhren, telefoniert haben. Anders als der Verteidiger ist das Gericht der Meinung, dass die Beweise aus der Telefonüberwachung verwertbar sind. Sie seien aussagekräftig und würden ein stimmiges Bild wiedergeben, sagt Gerichtspräsident Thurnherr.

Schuldspruch für Mehmet – Freispruch für Barbetreiber

Neben Anton hat sich das Bezirksgericht auch mit Mehmet und dem Zürcher Barbetreiber beschäftigt. Mehmet wurde schuldig gesprochen. Er kassiert wegen Gehilfenschaft zur Erpressung eine bedingte Freiheitsstrafe von 8 Monaten. Der Barbetreiber wurde freigesprochen. Das Gericht ist der Meinung, dass die Staatsanwaltschaft in seinem Fall den Grundsatz des fairen Verfahrens verletzt hat.

Dem Barbetreiber wurde nicht von Anfang an eine amtliche Verteidigung gewährt. Deshalb können alle ohne amtlichen Verteidiger erhobenen Beweise nicht verwertet werden. Romeo, der inzwischen tot ist, ist bereits rechtskräftig verurteilt. Er akzeptierte einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft.

Die Urteile in den anderen drei Fällen sind noch nicht rechtskräftig. Die Beschuldigten und die Staatsanwaltschaft können sie ans Obergericht weiterziehen.

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