Hägglingen
30er-Zone im ganzen Dorf? Nur der Kanton bleibt eine Knacknuss

Die Hägglinger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden an ihrer «Gmeind» vom 24. Juni auch darüber, ob künftig im gesamten Baugebiet Langsamverkehr gelten soll. Der Gemeinderat informierte schon vorab über das Projekt.

Pascal Bruhin
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Die Gemeinde Hägglingen plant die Einführung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen.

Die Gemeinde Hägglingen plant die Einführung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen.

Tobias Garcia

Ein reich gefüllter Strauss an Traktanden erwartet die Hägglinger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der «Sommergmeind» am 24. Juni. Ein Thema dürfte dabei für Diskussionen sorgen: die geplante flächendeckende Einführung von Tempo 30 im gesamten Baugebiet der Gemeinde am Maiengrün. Gemeinderat und Bauamt-Vorsteher Peter Wyss sagt im Gespräch mit der «Aargauer Zeitung»:

«Es wäre die einfachste und kostengünstigste Variante.»

Schon 2004 sei aus der Bevölkerung das Anliegen für eine 30er-Zone an den Gemeinderat herangetragen worden. Diese – bislang einzige im Dorf – wurde in der Zinsmatten- und Friedhofstrasse umgesetzt.

Gemeinderat Peter Wyss sieht die Einführung der 30er-Zonen als Notwendigkeit.

Gemeinderat Peter Wyss sieht die Einführung der 30er-Zonen als Notwendigkeit.

zvg

«Dann war es länger ruhig», erklärt der Gemeinderat. Mit den bereits umgesetzten Überbauungen Martinipark und Haselweg und der nun geplanten Überbauung Eggental mit 42 Wohneinheiten hätte das Thema jedoch neue Relevanz bekommen. Wyss sagt:

«Solche Bauten gehen natürlich immer auch mit einer Zunahme des Verkehrsaufkommens einher.»

2018 nahm der Gemeinderat deshalb das Thema wieder auf und liess ein Gutachten inklusive Geschwindigkeitsmessungen an diversen Stellen erstellen. Dieses kam zum Schluss, dass zwar die Höchstgeschwindigkeiten grundsätzlich eingehalten würden, eine Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h aber dennoch zu empfehlen sei. Dies aufgrund der engen Verkehrswege, der polyvalenten Nutzung von Fussgängern, Velo- und Autofahrern und der eingeschränkten Sichtzonen.

Ausgerechnet die Strasse bei der Schule gehört nicht dazu

Pikant dabei: Ausgerechnet die Strassen, die von Dottikon her nach Tägerig und via Weiler Rüti nach Niederwil führen, wo ebenfalls im Auftrag der Gemeinde Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen wurden, sind von der Projektvorlage ausgenommen.

Vom Kreisel am Dorfeingang führt die Kantonsstrasse durch Hägglingen.

Vom Kreisel am Dorfeingang führt die Kantonsstrasse durch Hägglingen.

Toni Widmer

Letztere führt direkt am Schulhaus vorbei. Da es sich um Kantonsstrassen handelt, hat die Gemeinde jedoch keinen Einfluss darauf. «Es ist ein leidiges Thema», sagt Wyss. Und weiter:

«Der Kanton anerkennt zwar, dass Handlungsbedarf besteht, sperrt sich aber im gleichen Atemzug gegen eine 30er-Zone auf den Kantonsstrassen.»

Die Anträge der Gemeinde, wenigstens im Bereich der Schule und der Mitteldorfstrasse ebenfalls Tempo 30 einzuführen, stiessen beim Kanton auf taube Ohren. Er prüfe höchstens eine Herabsetzung der Mindestgeschwindigkeit oder bauliche Einzelmassnahmen im Zusammenhang mit der anstehenden Sanierung der Strasse.

Bis zu 30 Verkehrstafeln wären nötig

Stimmen die Hägglinger der Einführung der flächendeckenden 30er-Zone zu, werden fortan 25 bis 30 Tafeln, aus jeder Quartierstrasse auf die Kantonsstrasse hinaus, auf dem Gemeindegebiet darauf hinweisen. Wäre die Kantonsstrasse darin eingebunden, wären es nur deren fünf.

An der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend sorgte denn auch dieser «Flickenteppich» für Diskussionen, so Wyss. Dieses Argument kann der Gemeinderat nachvollziehen. Dennoch sieht er grundsätzlich nur Vorteile:

«Wir bekommen mehr Verkehrssicherheit. Und das dürfen uns die 85'000 Franken wert sein.»

Ob die Stimmbürger dem Ruf des Gemeinderats folgen werden, kann Wyss nach dem Informationsanlass schwer abschätzen, die Stimmen seien zweigeteilt. «Es ist wie Kaffeesatzlesen. Aber von Seiten des Gemeinderats hoffen wir natürlich auf ein Ja.»

Traktanden der Hägglinger Einwohnergemeindeversammlung vom 24. Juni 2021

1. Protokoll der Einwohnergemeindeversammlung vom 20. November 2020

2. Rechenschaftsbericht 2020

3. Rechnungsablage 2020

4. Primarschulverband und Kreisschulverband am Maiengrün; Zusammenführung zum Gemeindeverband Schulen am Maiengrün (SAM); Genehmigung der Satzungen

5. Verkehrssicherheit und -beruhigung; Einführung Tempo 30; Verpflichtungskredit

6. Sanierung K 384 (inkl. Sanierung Werke, Verlegung Schwettibach, Beleuchtung); Verpflichtungskredit

7. Wasserverbund Bünztal-Reusstal; Gründung interkommunale Anstalt Wasser 2035

8. Kreditabrechnungen

8.1 Ersatz und Neubeschaffung Informatikmittel an der Primar- und Kreisschule am Maiengrün

8.2 Bauliche Anpassungen und Netzwerkverkabelungen an der Primarschule am Maiengrün

9. Verschiedenes und Umfrage

Die weiteren Traktanden der kommenden «Gmeind» waren am Donnerstag kein Thema. Gemeindeammann Urs Bosisio stellte lediglich kurz das Projekt über die Zusammenlegung des Primarschulverbands und des Kreisschulverbands zum neuen Gemeindeverband Schulen am Maiengrün vor. Zu diesem soll neu auch Hendschiken dazustossen. Da sich für Hägglingen jedoch keine Änderungen abzeichnen, sorgte das Projekt für keinen Diskussionsbedarf.

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