Ringen
Haben Ausländer im Freiamt bald ausgerungen?

Die Nationalliga-Versammlung denkt darüber nach, in Zukunft nur noch auf einheimische Athleten zu setzen.

Andreas Fretz
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Aargauer Zeitung

Die NLA-Saison der Ringer ist noch nicht alt, und schon wird über eine Neuerung nachgedacht. Vielleicht ist die laufende Mannschafts-Meisterschaft die letzte, in der ausländische Ringer zum Einsatz kommen. Die Vereine der Nationalliga denken laut darüber nach, in Zukunft nur noch auf einheimische Athleten zu setzen.

Auch der amtierende Meister, die RS Freiamt, würde nach heutigem Stand den Verzicht auf Söldner wohl befürworten. In der aktuellen Meisterschaft setzen die Freiämter auf die Dienste der beiden Ukrainer Oleksei Malzew (24) und Mikhailo Ganaga (27). In den ersten drei Runden der Meisterschaft kam allerdings nur Malzew zum Einsatz, denn schon heute ist pro Begegnung der Einsatz nur eines Ausländers erlaubt.

«Ausländerthema diskutiert»

Bei der RS Freiamt ist Reto Bucher, der Olympia-Vierte von Athen und Vize-Europameister aus dem Jahr 2007, für die Betreuung der Spitzenathleten zuständig. «Das Thema Ausländer haben wir innerhalb des Vorstands natürlich diskutiert», sagt er, «grundsätzlich befürworten wir den Einsatz von mehr Schweizer Athleten.»

Mitte Oktober treffen sich die Vereine zur ausserordentlichen Nationalliga-Versammlung. Dann wird das Thema aufgegleist. Im Januar, an der ordentlichen Versammlung, könnte der Beschluss gefasst werden. Hermann Baggenstos, ehemaliger Präsident der RS Freiamt, gibt allerdings zu bedenken: «Schon während meiner Amtszeit gab es Bestrebungen, auf ausländische Ringer zu verzichten. Doch das Vorhaben wurde nie umgesetzt.»

Baggenstos glaubt, dass der Einsatz ausländischer Ringer in der Liga sowohl Vor- als auch Nachteile hat. «Ihre Verpflichtung verursacht Kosten und Umtriebe», sagt er, «Visa und Arbeitsbewilligungen müssen besorgt, eine Unterkunft organisiert und Löhne und Flüge bezahlt werden.» Auf der anderen Seite können die Vereine und nicht zuletzt die Schweizer Ringer vom Können der Profis profitieren.

Lockerung würde begrüsst

Auch der aktuelle Präsident der RS Freiamt, Ralf Bucher, befürwortet die Abschaffung der aktuellen Ausländerregelung. Offenbar wird auch über die Möglichkeit nachgedacht, dass Ausländer, die schon mehrere Jahre in der Schweiz ringen, in Zukunft wie «Schweizer» behandelt werden. «Diese Lockerung der Regel würde ich begrüssen», so Ralf Bucher.

Ähnlich sieht es auch Werner Bossert, der Präsident von Leader und Dauerrivale RC Willisau: «Bewilligungen für Ringer ausserhalb des EU- und Efta-Raums sind nicht einfach einzuholen. Der Einsatz von ausschliesslich einheimischen Ringern würde vieles vereinfachen.» Im Gegensatz zu den Freiämtern setzen die Willisauer in dieser Saison allerdings auf bulgarische und ungarische Verstärkung, was aufgrund der Personenfreizügigkeit keine Probleme verursacht.

Wie auch immer, Reto Bucher schätzt das hohe Niveau der ukrainischen Ringer. «Die Leistungsdifferenz ist erheblich», sagt er, «selbst die besten Schweizer können da nicht mithalten.» Zudem profitieren die Schweizer Athleten vom gemeinsamen Training mit den Weltklasse-Ringern. «Das ist ein Vorteil, den man nicht unterschätzen darf», sagt Reto Bucher.