Wohlen
Grüngut bald nach Niederwil?

Die Gemeinde Wohlen schreibt die Anlage zur Vergärung aus – eine eigene Anlage kommt nicht.

Andrea Weibel
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Bisher wurde sämtlicher Bioabfall der Gemeinde Wohlen nach Ottenbach ZH in die Ökopower-Vergärungsanlage geliefert, wo das Grüngut unter anderem in Strom durch Biogas und in hochwertigen Kompost umgewandelt wird.

Nun ist in Nesselnbach eine neue Biogas-Anlage im Bau. Die Entsorgung des Grüngutes der Gemeinde Wohlen, das rund 2750 Tonnen aus der Strassensammlung plus 250 Tonnen direkt vom Werkhof umfasst, wird nun neu ausgeschrieben.

Preis und Qualität

«Aufgrund der veränderten Situation hat der Gemeinderat der Bauverwaltung aufgetragen, diese zu überprüfen und den Auftrag neu auszuschreiben», bestätigt Peter Eberhart vom Fachbereich Umweltschutz der Gemeinde Wohlen. Dabei kann es unter anderem eine Rolle spielen, dass die Anlage in Nesselnbach von Wohlen aus näher liegt und dass der Transport somit günstiger ausfallen würde. Bis zum 22. Oktober können die Biogas-Anbieter nun Offerten einreichen. «Dabei werden der Preis und die Qualität die zentralen Kriterien sein», so Eberhart.

Motion von 2008 ist hängig

Im Namen der Geschäftsprüfungskommission hat deren Präsidentin Ariane Gregor bereits im Mai 2008 eine Motion zum Thema Kompogasanlage an den Wohler Einwohnerrat gerichtet. Darin fordert sie, dass der Bau einer eigenen Vergärungsanlage bei der Abwasserreinigungsanlage (ARA) im Blettler geprüft wird. Sie begründet: «Die Transportkosten, um unser Grüngut zur Vergärung zu bringen, sind sehr hoch und werden in Zukunft noch mehr steigen.» Sie fordert den Einwohnerrat auf, im Sinne des Labels Energiestadt, das Wohlen innehat, zu handeln. «In Anbetracht der steigenden Kosten zur Entsorgung von biogenem Material und dem Anstieg der Energiekosten kann der Betrieb einer eigenen Vergärungsanlage auch wirtschaftlich interessant sein», heisst es weiter.

Im Vorfeld der Motion wurde eine Machbarkeitsstudie seitens der ARA ausgearbeitet. Sie bestätigt, dass im Gebiet Blettler genügend Platz vorhanden wäre und das Biogas von der EMS Dottikon übernommen würde. Da die Motion hängig ist, kann der Gemeinderat noch keine Auskunft darüber geben.

Zu wenig Kompost für eine Anlage

«Wir waren im Gespräch mit der Gemeinde Wohlen», erklärt jedoch Markus Roth, Leiter Anlagebetrieb der Axpo Kompogas Glattbrugg. «Wir haben die Sache geprüft. Das Potenzial Wohlens war allerdings zu klein, um eine eigene Anlage ins Auge fassen zu können.» Wohlen erzeugt pro Jahr rund 3000 Tonnen Grüngut. Um eine eigene Biogasanlage rechtfertigen zu können, müssten auch die umliegenden Gemeinden ihr Grüngut dort abliefern. Dies hat sich mit dem Bau der Anlage in Nesselnbach erübrigt, da diese verschiedene Gemeinden einbeziehen konnte.