Buttwil

Grossvaters «Motorradkalender» entführt Robert Strebel in die Vergangenheit

«Ich repariere (fast) alles, aber nur, wenn ich will.»

Robert Strebel mit Schaf Amadiesli auf dem «Leuthard»

«Ich repariere (fast) alles, aber nur, wenn ich will.»

Robert Strebel aus Buttwil, Schafzüchter und Mechaniker, hat einen kleinen Schatz gefunden: den «Motorradkalender 1925» seines Grossvaters. Damals fuhr man AJS und Condor, Motosaccoche und Zehnder.

Christian Strebel aus Buttwil besass eine Wanderer. So steht es in seinem «Motorradhandbuch» von 1925. Die vierjährige Maschine kaufte er am 31. März 1925 für 750 Franken. Zweigang-Getriebe, Pneumatik Michelin, Motor-Nr. 25055, Grauguss-Zylinder. Auf dem Kalenderdeckel wird die besondere Schmierfähigkeit von «Ricinol» gelobt. Christian Strebel war Bauer, und den Motorradkalender hat sein Enkel Robert neulich gefunden.

Ein Motorrad war damals ein Alltagsfahrzeug. Entsprechend hat Strebel zahlreiche Fahrten notiert. Am 7. Juni beispielsweise fuhr er nach Ottenbach, am 20. gleich zweimal nach Affoltern. Bei Franz Karl Weber an der Bahnhofstrasse in Zürich wollte er offenbar Pfauenfedern besorgen. Der Zug Muri ab 7.53 kam um 9.34 in Basel an und war damit genau 37 Minuten länger unterwegs als heute.

So ein altes Dokument gibt viel Aufschluss: Damals galt ein Tempolimit von 40 km/h in flachem Lande, das heisst auf freier, übersichtlicher Strasse. 25 km/h «bei Nacht und Nebel, beim Kreuzen oder Überholen von anderen Fuhrwerken» und 18 km/h auf Bergstrassen oder anderen engen und gefährlichen Strassen. Es birgt aber auch viele Geheimnisse, weil Notizen darin unklar sind: mit Bleistift notierte Zahlen, Rechnungen, Berechnungen und Bemerkungen. Was werden unsere Nachfahren später von unseren elektronischen Aufzeichnungen noch finden?

Ein kleiner Schatz

Für Robert Strebel jedenfalls ist das Dokument ein kleiner Schatz, abgegriffen und teilweise etwas verölt, «Aber ich habe den Kalender schon als Kind gesehen. Und jetzt ist er beim Aufräumen des Hauses wieder aufgetaucht», freut er sich. In der Papeterie Huber in Muri hat er den arg lädierten Rücken des Büchleins flicken lassen. Strebel selber, gelernter Landmaschinenmechaniker und Bauer, hätte gerne so eine Wanderer, wie sie der Grossvater fuhr, in seinem Besitz. «Aber es werden enorme Preise für ein solches Motorrad verlangt.»

Benzin im Blut hat der Buttwiler ohnehin. Wenn er nicht gerade zu seinen Schafen schaut, bietet er «Reparaturen von (fast) allem» an - «aber nur, wenn ich will», wie er lachend festhält. In seiner Werkstatt «Chrämpfli & Chnorz» kommen vor allem alte Lastwagen und Motormäher wieder zum Laufen. Ausserdem ist er für das «Vorführen von Fahr-Vehikeln» besorgt und beschäftigt sich zeitweise als Betriebsmechaniker bei der Freiämter Mosterei beschäftigt. Robert Strebel (Jahrgang 1955 - «produziert 1954, ausgeliefert 1955», wie er präzisiert) macht seit vielen Jahren hin und wieder «de Löli» als Kabarettist.

Amadiesli, das zahme Schaf

Mit dabei ist dann oft Amadiesli, sein zahmes Schaf, das auch Treppensteigen und - untypisch für ein Schaf - Sprünge machen kann. Strebel hat es dem Tier mit viel Geduld beigebracht. Schafe sind eben, neben Motoren, seine zweite Leidenschaft. Aber davon allein kann er nicht leben.

Deshalb zurück zu den Motoren: Alte Motorräder hat er, der früher auch hobbymässig Motocross gefahren ist, keine mehr. Aber alte Motormäher, zum Beispiel einen Rapid von 1927. Für ein Velotöfflirennen hat Strebel ein Vehikel mit Badewanne konstruiert. «Wir hatten einen Riesenspass damit.» Und er besitzt ein seltenes, sozusagen «bundesrätliches» Fahrzeug, einen «Leuthard», Jahrgang 1955, ursprünglich für die Toni-Molkereien als Auslieferfahrzeug für die Milchmänner konstruiert.

Paul Leuthard, der Konstrukteur, ist ein Grossonkel von Bundespräsidentin Doris Leuthard. Und wenn Strebel den «Leuthard» startet, springt Amadiesli gerne hinten auf die kleine Ladebrücke. Das brave Schaf mag sich hin und wieder eine kleine Ausfahrt gönnen.

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