Jonen

Grosses Entsetzen über Verkehrsführung während der Bauarbeiten am Bach

Ein Foto vom Hochwasser 2012 in Jonen. Ab Mai dieses Jahres werden im Dorf Schutzmassnahmen gebaut.

Ein Foto vom Hochwasser 2012 in Jonen. Ab Mai dieses Jahres werden im Dorf Schutzmassnahmen gebaut.

Kanton und Gemeinde informierten in Jonen über die geplanten Hochwasserschutzmassnahmen, mit denen im Mai begonnen werden soll

Grosse Sorgen bereitet der Bau des Hochwasserschutzes in Jonen einigen Dorfbewohnerinnen und -bewohnern, wie sich am Informationsanlasse des Kantons und der Gemeinde zum geplante Projekt herausstellte: "Ich bin entsetzt, das geht doch nicht! Das Postauto soll während der Bauzeit über die Dorfstrasse umgeleitet werden? Das ist wirklich kaum zu glauben", zeigte sich eine Teilnehmerin total bestürzt und fassungslos. "Die Strasse, die beim Dorfladen vorbeiführt ist auch ein Schulweg und hat ja nicht einmal ein Trottoir. Sie ist eng und deshalb höchst gefährlich für die vielen Kindergärtler und Schüler."

Projektleiter Bastian Schmid von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer räumte ein: "Es wird eine schwierige Zeit. Aber wir versuchen, die Situation so gut es geht zu entschärfen. Eine Alternative für die Verkehrsführung und Umleitung des Postautos besteht leider nicht. Diese Lösung hat sich aufgedrängt." Gemeinderat Luigi Alberti sagte, der Sicherheitsfaktor sei sehr wichtig, nicht nur die Bauarbeiten, die Termine und die Kosten. "Wir werden die Situation daher gut im Auge behalten."

Unbehagen äusserte einer der rund 80 Versammlungsteilnehmer, weil ab Baubeginn ein Drittel des Baches für die Fische und Fischer nicht mehr zugänglich und passierbar sei und somit das Habitat der verschiedenen Arten massiv beeinträchtigt werde. Doch mit einer Reduktion des Zinses kann der Pächter trotzdem nicht rechnen, wie David Bittner von der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons erwähnte.

Recyclingmaterial wird im Bach keines verbaut

Die Frage aus dem Publikum, ob im Bach selber auch Recyclingmaterial eingebaut werde, verneinte Claudio Derungs vom zuständigen Ingenieurbüro Holinger AG. Wie wohl der Bach nach einem Hochwasser aussehe und ob viele Teile der Schutzbauten dann überhaupt noch stehen, wollte jemand wissen. "Alles, was grösser und verbaut ist, kann ein Hochwasser nicht verschieben, weil es fest verankert und befestigt wird. Die Schutzmassnahmen werden für 50 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt und sind so dimensioniert, dass sie dieser Wassermenge standhalten sollten", betonte Derungs.

Ein Bachanstösser erkundigte sich nach der Haftung bei Schäden, die durch die Bauarbeiten an Gebäuden entstehen könnten. Dazu stellte Projektleiter Schmid fest: "Es muss rechtlich abgeklärt werden, wer als Verursacher entschädigungspflichtig ist. Vor allem ist zu eruieren, ob ein geltend gemachter Schaden nicht schon vorher bestanden hat."

Eine Versammlungsteilnehmerin fragte, ob nach dem Bau des Hochwasserschutzes nur noch Unkraut wachse. Sie konnte beruhigt werden: Gehölze und Sträucher werden wieder angepflanzt, auch wenn es am Anfang etwas kahl aussehe. Aber es werden gegenüber dem heutigen Bestand weniger sein. Dies wiederum rief eine Votantin auf den Plan, die ihr Befremden darüber ausdrückte, dass der Bach immer mehr verbaut werde und jetzt schon an einigen Orten meterhohe Betonmauern zum Beispiel abenteuerlustigen Knaben den Zugang zum Gewässer ziemlich erschweren. Da raunte ein älterer Mann in den hinteren Reihen: "Wer Schutz vor Hochwasser will, muss halt entsprechende Verbauungen akzeptieren."

Kosten von mehr als 8 Millionen Franken

Bauherr für den Hochwasserschutz am Bach innerhalb des Dorfes ist der Kanton. Die Kosten belaufen sich auf über 8 Millionen Franken. Nach Abzug der Bundessubventionen (etwa 2,7 Millionen) und dem Anteil des Kantons (2,9 Millionen), beträgt der Gemeindeanteil von Jonen rund 2,4 Millionen Franken. Die Kosten wurden bislang vollständig durch die Einwohnergemeinde Jonen getragen, welche ebenfalls als Bauherrin auftrat.

Der Kanton hat jedoch der Gemeinde im Jahr 2019 die Kostenanteile von Bund, Kanton und der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) ausbezahlt, was zu Nettoeinnahmen von rund 1,4 Millionen Franken geführt hat. Die bisherigen Nettoausgaben für die Gemeinde betragen 783'400 Franken. Bis zum Projektabschluss stehen der Gemeinde somit noch Ausgaben von rund 1,6 Millionen Franken bevor. Das Projekt ist vom Grossen Rat genehmigt und vom Regierungsrat rechtskräftig bewilligt, wie Gemeindeammann Jürg Rüttimann erwähnte.

Die Gefahrenkarte weist für das Gebiet entlang der Jona teilweise eine mittlere bis erhebliche Gefährdung für die Siedlung und die landwirtschaftlichen Flächen aus. Es kam in den letzten Jahren zu einigen Hochwasserereignissen. Wegen der engen Platzverhältnisse wird der Bach im Dorf meistens durch senkrechte Bruchsteinmauern begrenzt und fliesst in einem rechteckigen Profil.

Baubeginn für die erste Etappe ist im Mai vorgesehen

Mit der Realisierung des Hochwasserschutzes soll im Mai mit der ersten von insgesamt drei Etappen begonnen werden, wie von Projektleiter Bastian Schmid zu erfahren war. Bis im Frühling 2022 dürften die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Zu den geplanten Massnahmen zählen unter anderem die Absenkung der Bachsohle, die Verbreiterung des Gerinnes, die Abflachung der Böschung, die Ufererhöhung und der Einbau von Lenkbuhnen im Bach.    

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