Spricht man Lukas Glaus auf seine beiden Studiengebiete, Medizin und Maschinenbau, an, dann beginnen seine Augen zu leuchten und es sprudelt aus ihm heraus: «Die ganze Welt wird immer technischer, auch die Medizin. Das ist der Geist unserer Zeit. Mit meiner Kombination kann ich mich dem widmen, was mich fasziniert. Ich kann den Menschen helfen und kann dazu beitragen, die Technik zu verbessern, welche die Medizin unterstützt.» Es gibt ihn also noch, den Homo studiosus, den wissbegierigen Menschen, der mit Freude lernt, damit die Menschheit weiterkommt. Bescheiden winkt Glaus ab: «Ich kenne viele Studenten, die genauso engagiert sind wie ich. Es ist schade, dass die Gesellschaft oft ein so negatives Bild von uns hat.»

Dankbar für Anerkennung

Es sind Akademiker wie Glaus, die dafür sorgen können, dass das etwas ramponierte Image der Schweizer Studiker auch international wieder an Glanz gewinnt. Für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der sogenannten MINT-Fachbereiche (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, einschliesslich Humanmedizin) wurde dem 26-Jährigen von der Schweizerischen Studienstiftung vor kurzem die Werner Siemens-Fellowship 2018/19 verliehen. «Ich bin sehr dankbar für diese Anerkennung», freut sich Glaus, «sie ermöglicht es mir, mich voll auf meine Studien zu konzentrieren, ohne zu viel Zeit in meinen Lebensunterhalt investieren zu müssen.» Zeit, die er besonders im kommenden Jahr gut gebrauchen kann, wenn er sein Master-Studium in Maschineningenieurwissenschaften an der ETH in Zürich abschliessen will. «In der Medizin habe ich noch fünf Jahre vor mir bis zum Staatsexamen.»

Auf welches Fachgebiet er sich später einmal festlegen wird, lässt er noch offen: «Es ist schwer zu sagen, wohin es mich dann treibt. Naheliegend wäre schon etwas, das auch eine sehr technische Komponente hat, wie etwa die Radiologie oder Radioonkologie.» Zurzeit beschäftigt sich Glaus gerade ausführlich mit der Bestrahlungstherapie, denn im Rahmen seiner Semesterarbeit unterstützt er ein Forscherteam des Universitätsspitals Zürich bei einer Studie zu neuen Verfahren in der Krebsbehandlung. «Es geht darum, herauszufinden, ob man Tumore besser bekämpfen kann, wenn man sie nicht gleichmässig bestrahlt, sondern unterschiedliche Zonen abwechselnd mit erhöhten Dosen angeht», erklärt Glaus, der bei dieser Arbeit offensichtlich voll in seinem Element ist.

Erst Lausanne, dann Zürich

Das Faible für Naturwissenschaften prägte seinen Weg schon früh. Die Matura an der Kanti Baden machte er mit dem Schwerpunktfach Physik und Anwendungen der Mathematik. Von 2013– 2016 studierte er an der ETH Lausanne Maschinenbau und schloss mit dem Bachelor ab. Nach einem Zwischenjahr, während dessen er in einem Ingenieurbüro an Spitalplanungen mitarbeitete, begann er dann mit seinem Medizinstudium. «Als Student der Universität Zürich darf ich auch die Vorlesungen an der ETH besuchen», sagt Glaus, «was mir die Teilnahme an den Masterkursen ermöglicht.»

Die 19 800 Franken, die Glaus im kommenden Studienjahr als Stipendium erhält, werden ihm in zwölf Monatsraten ausbezahlt. Wenn seine Leistungen weiterhin auf so hohem Niveau bleiben, kann er noch zwei weitere Male in den Genuss einer solchen finanziellen Unterstützung kommen. Gut investiertes Geld, denn Glaus hat nicht vor, auf der faulen Haut zu liegen. Der angehende Mediziner wohnt noch bei seinem Vater in Zufikon, pendelt von da nach Zürich und erhält seinen gesunden Geist im gesunden Körper durch Klettern und Fitness. «Mit zwei Studien muss ich meine Zeit schon sehr gut planen», bestätigt er die Vermutung der AZ, «aber die sportlichen Aktivitäten sind mir halt wichtig, und ich gehe auch gerne mal ins Kino.» Dabei begleitet ihn ab und zu auch seine Partnerin, die selber Ärztin ist und darum auch sehr viel Verständnis und Erfahrung hat in Sachen ausgefüllte Agenda.

Viele interessante Menschen

Glaus, der seit seiner Geburt in Zufikon zu Hause ist, bereut es nicht, sich nach der Matur bei der Schweizerischen Studienstiftung beworben zu haben. «Das Bildungsangebot hat mich sehr interessiert. Ich traf viele interessante Menschen, welche mich immer auch inspiriert haben. Da besuchte ich übrigens auch mein erstes Seminar über Medizin.» Von da an war es ihm klar, dass er seine Faszination für Technik mit der Begeisterung für Medizin beruflich kombinieren wollte. Sein Engagement und seine Leistungen überzeugten die Jurymitglieder der Werner Siemens- und der Schweizerischen Studienstiftung so sehr, dass die MINT-Disziplinen nun die Schweizer Studienlandschaft weiter erfrischen können.