Wenn eine Kirchgemeinde ihr Kirchenzentrum verkaufen muss, weil sie die Sanierung nicht bezahlen kann, dann gibt das reichlich Diskussionsstoff: so auch, als gestern die reformierte Kirchenpflege Wohlen über den geplanten Verkauf der Kirchenliegenschaften in Villmergen informierte. Der Aufmarsch war gross, der Fragenkatalog der oppositionellen IG Pro Reformierte Kirche Villmergen entsprechend lang.

Die Kirchenpflege hat für den nächsten Mittwoch eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung angesetzt. Sie beantragt, das Kirchenzentrum für 2,4 Millionen Franken an die Vorsorgestiftung Prosperita in Münsingen zu veräussern. Prosperita-Geschäftsführer Joel Blunier legte dar, dass die Stiftung auf dem Kirchenareal 26 bis 28 altersdurchmischte Wohnungen erstellen wolle.

Gebete im Mehrzweckraum

Deswegen müsse aber das kirchliche Leben in Villmergen nicht absterben. Angedacht sei, der Kirchgemeinde in der Überbauung einen Mehrzweckraum zur Verfügung zu stellen. Diesen könne die Kirchgemeinde entweder mieten oder kaufen. Das Wohnprojekt von Prosperita sei für die Kirchgemeinde auch eine grosse Chance und könne für sie «eine geistige Rendite» abwerfen.

Die Kirchenpflege hat für den nächsten Mittwoch eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung angesetzt, wo über die Zukunft des Kirchgemeindehauses entschieden wird

Die Kirchenpflege hat für den nächsten Mittwoch eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung angesetzt, wo über die Zukunft des Kirchgemeindehauses entschieden wird

Die Kirchenpflege habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht, sagte die Kirchenpflegepräsidentin Bertha Hübscher. Es handle sich um ein Vorhaben, das Emotionen auslöse. Darüber werde an der «Chilegmeind» geheim abgestimmt.

Als Vizepräsident der Kirchenpflege informierte Josef Baur über den langen Weg, der nach vier Jahren zum Antrag der Kirchenpflege geführt hat. Zweifellos befinde sich das Kirchenzentrum in einem schlechten Bauzustand. Der Sanierungsaufwand wird auf 1,6 Millionen Franken beziffert. In nächster Zeit könne die Heizung aussteigen.

Rote Zahlen

«Mir liegt daran, nichts zu beschönigen», sagte Baur. Bevor die Wohnüberbauung erstellt werden könne, müsse das Grundstück umgezont werden. Baur rechnet aber nicht mit Widerstand. Was mit den Glasfenstern und der Küche in der Kirche passieren soll, sei noch offen. Der für die Finanzen zuständige Kirchenpflege Stéphane Zimmermann erläuterte, dass die Kirchgemeinde jedes Jahr 70 Mitglieder verliere.

Im Jahr 2020 sei man bei 3647 Mitgliedern angelangt (heute: 3970). Der Steuerertrag werde im gleichen Zeitraum von 1,35 auf 1,15 Millionen Franken sinken. Die Finanzrechnung rutsche rapid in die roten Zahlen. Das Eigenkapital sei bis 2020 aufgebraucht. «Dann müssten wir Schulden aufnehmen, um die laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.»

Silber nicht verscherbeln

Ruedi Thomann bezweifelte als Sprecher der IG Pro reformierte Kirche Villmergen, dass die Kirchgemeinde das Kirchenzentrum, «das Familiensilber», verscherbeln dürfe. Es gehe um ein geschichtliches Erbe.

Weitere Fragen stellten Mitglieder der IG kaskadenartig. Nicht alle konnten verständlicherweise aus dem Stand beantwortet werden. Deutlich seltener traten die Befürworter des Verkaufes auf.