Freiamt
Grosse und ältere Wohnungen sind nicht gefragt – über 1000 stehen leer

Im Freiamt wird gebaut, als würde es morgen verboten. Dabei steigt der Leerwohnungsbestand.

Eddy Schambron
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«Zu vermieten» – diese Anzeige ist auch im Freiamt wieder häufiger anzutreffen.

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Eddy Schambron

Im Bezirk Bremgarten standen am 1. Juni insgesamt 871 Wohnungen leer, 142 davon in Einfamilienhäusern und 152 in Neubauten. Im Bezirk Muri waren es total 231 Wohnungen, 34 in Einfamilienhäusern und 51 in Neubauten. Gesamtkantonal ist der Leerwohnungsbestand im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent gewachsen.

Ueli Küng, Immobilienmakler von ImmoKüng in Muri, hinterfragt allerdings die Zahlen des Kantons grundsätzlich: «Man müsste sie von Gemeinde zu Gemeinde genau anschauen. Wenn eine Gemeinde ein bewilligtes Objekt als leerstehende Wohnung anführt, verzerrt dies das tatsächliche Bild.» Die Statistik ist nur eine Momentaufnahme.

«Bei grossen Überbauungen vergehen zwischen der Projektierung und dem Bezug mehrere Jahre. In dieser Zeit kann sich der Markt wesentlich verändern, ein Bauvorhaben ist dann nicht mehr zu stoppen, auch wenn der Leerwohnungsbestand ansteigen sollte.»

Schwierig zu vermieten sind, nach den Erfahrungen von Ueli Küng, ältere Wohnungen oder grosse mit fünf und mehr Zimmern, die entsprechend höhere Mietpreise aufweisen. «Im Moment am gefragtesten sind Wohnungen mit zweieinhalb und dreieinhalb Zimmern», weiss Küng. Das sei letztlich ein Abbild unserer Gesellschaft. «Wir haben mehr Single-Haushalte oder kinderlose Paare, denen diese Wohnungen genügen.» Hinzu kämen ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Häuser verliessen und sich eine pflegeleichte Wohnung nähmen.

Grosse Unterschiede

Am wenigsten Wohnungen stehen im Bezirk Bremgarten in Islisberg, Eggenwil und Büttikon (je drei) leer. Den grössten Leerwohnungsbestand weist Wohlen mit 202, Villmergen mit 143 und Bremgarten mit 133 Wohnungen aus. Im Bezirk Muri führen Besenbüren, Geltwil und Kallern mit je zwei sowie Bünzen mit drei leeren Wohnungen die Liste am unteren Ende an. Am meisten Wohnungen stehen in Sins (30), in Waltenschwil (24) und in Merenschwand und Muri (je 23) leer.

Kantonal gesehen, ist der Bestand der leerstehenden Wohnungen um 636 Einheiten oder 9,5 Prozent auf 7323 gestiegen, wie das Departement Finanzen und Ressourcen festhält. Dieser Zuwachs betreffe hauptsächlich Wohnungen, die älter als zwei Jahre sind. Die Leerstände in neuen Wohnungen nahmen dagegen kaum zu. Zwölf Prozent der leerstehenden Wohnungen sind Einfamilienhäuser, die zur Dauermiete oder zum Verkauf ausgeschrieben sind.

Dieser Bestand ist gegenüber dem Vorjahr um 17 Einheiten gestiegen. Von allen erfassten leerstehenden Wohnungen entfallen 6155 (84,1 Prozent) auf Mietobjekte und 1168 (15,9 Prozent) auf Eigentumswohnungen oder auf Einfamilienhäuser, die zum Verkauf ausgeschrieben sind.