Bremgarten-Mutschellen

Grosse Mengen Öl werden zum Problem für Kläranlagen – Betreiber vermuten Restaurants

Klärmeister Urs Jäggi mit einem Klumpen aus Öl, Fett und Feststoffen, der aus einer verstopften Pumpe geholt wurde.

Klärmeister Urs Jäggi mit einem Klumpen aus Öl, Fett und Feststoffen, der aus einer verstopften Pumpe geholt wurde.

Der Abwasserverband Region Bremgarten-Mutschellen stellt vermehrt illegale Entsorgungen fest und wendet sich an die Bevölkerung.

«In letzter Zeit gelangen gelegentlich grosse Mengen Fett oder Öl über die Kanalisation zur Kläranlage Bremgarten. Dies verursacht Betriebsstörungen und beeinflusst die Abwasserreinigung negativ. Vermutlich wird auf diese Weise illegal Speisefett oder Öl entsorgt.»

Eine Meldung, die letzte Woche von den fünf Gemeinden veröffentlicht worden ist, welche dem Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen angehören. Es hat solche und ähnliche Meldungen schon aus anderen Kläranlagen in der Region gegeben.

Das Öl kommt meistens am Wochenende

«Leider», sagt Urs Jäggi, Klärmeister in der Bremgarter ARA Chessel, «kommt es immer wieder vor, dass Stoffe via Kanalisation entsorgt werden, die dort nicht hingehören. Aktuell ist Fett ein grosses Thema: «Wir stellen fest, dass in letzter Zeit regelmässig grössere Mengen Öl in unsere Anlage fliessen», sagt Jäggi.

Das Öl stamme aufgrund der Menge kaum von «Frau Meier aus der Privatküche», sondern vermutlich aus einem Restaurant oder ähnlich gelagerten Betrieb. Es komme meistens am Wochenende, am Samstag oder am Sonntag: «Das ist ein grosses Problem. Unter der Woche, wenn wir auf der Anlage sind, ist die Chance vorhanden, dass wir den Stoff rechtzeitig im Zuflusskanal sehen und binden können», erläutert der Klärmeister.

Am Wochenende hingegen haben wir diese Chance nicht. Da läuft das Öl ungehindert in die Klärbecken und behindert dort den Reinigungszyklus massiv.» Er sei, erklärt Jäggi, deshalb auch schon extra am Samstag für einen Kontrollgang in die ARA gefahren.

Reinigungsleistung der ARA wird beeinträchtigt

Wenn das Öl in die Klärbecken gelange, könne es dort die Biologie durcheinanderbringen, den Abbauprozess behindern und somit die Reinigungsleistung der ARA reduzieren, sagt der Klärmeister weiter. Resten von Speiseöl seien aber auch für die Kanalisation insgesamt alles andere als gut: «Öl und Fett zieht nicht nur die Ratten an, es führt auch zu Klumpenbildungen und kann so Leitungen verstopfen.»

Auf der ARA selber vermischten sich Fette und Öle oft mit Feststoffen und verstopfen als feste Klumpen dann die Pumpen. Ein Feststoff, der in den Kläranlagen immer mehr Schwierigkeiten bereite, seien Feuchttüchlein: «Sie werden zunehmend zu einem Problem für uns, weil sie sich im Gegensatz zum Toilettenpapier im Wasser nicht auflösen», sagt Urs Jäggi.

Gute Erfahrungen mit Aufrufen an Bevölkerung

Es gäbe Möglichkeiten, dem «Lieferanten» von Speiseöl auf die Schliche zu kommen», sagt der Klärwärter. Doch eine solche Aktion wäre sehr aufwendig und entsprechend teuer. Deshalb versuche man es mit einem Aufruf an die Bevölkerung: «Das haben wir schon mehrmals mit Erfolg gemacht. Oft ist es den Leuten einfach nicht bewusst, was sie anrichten, wenn sie Öl, Fett oder Feststoffe in die Kanalisation entsorgen.»

Ihm, betont Urs Jäggi, gehe es nicht primär darum, dass allfällige Übeltäter gefunden und bestraft werden könnten. Für ihn sei in erster Linie wichtig, dass die Kläranlage rund laufe und ihre maximale Reinigungsleistung erbringe.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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