Wohlen
Grosse Investitionen in den Schulraum werden nötig sein

Mit der Schulreform wird es deutlich mehr Primar- und weniger Oberstufenklassen geben. Doch in Wohlen will fast kein Bezirkslehrer die Schulstufe wechseln.

Jörg Baumann
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Gemeinderat Paul Huwiler, Regierungsrat Alex Hürzeler, Einwohnerrat Franz Wille, Schulpflegepräsident Franco Corsiglia und Schulleiter Rolf Stadler (von links) informierten über die anstehende Schulreform. BA

Gemeinderat Paul Huwiler, Regierungsrat Alex Hürzeler, Einwohnerrat Franz Wille, Schulpflegepräsident Franco Corsiglia und Schulleiter Rolf Stadler (von links) informierten über die anstehende Schulreform. BA

Bei der bevorstehenden Aargauer Schulreform sind die Reibungsflächen mit den Händen zu greifen. Eine Knacknuss unter vielen: der Systemwechsel auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe. «Im Moment will in Wohlen fast kein Bezirkslehrer die Schulstufe wechseln», sagte Rolf Stadler, Präsident der Schulleiterkonferenz, an einer Informationsveranstaltung der FDP-Ortspartei Wohlen. «Auch in Wohlen werden Lehrerteams auseinandergerissen und müssen neue gebildet werden. Der Umstellungsprozess braucht Zeit», betonte Stadler. «Wir müssen unsere Lehrkräfte bei der Stange halten und für sie und die Schüler eine möglichst gute Lösung finden. Dafür braucht es noch viele Gespräche mit den betroffenen Lehrern.»

Keine Lohnkürzungen im Plan

Regierungsrat Alex Hürzeler versuchte, die Wogen zu glätten. Die Schulreform bestehe nicht einzig aus dem Systemwechsel.

Schulverband: Wohlen sollte Nachbarn ins Boot nehmen

Die Gemeinde Wohlen müsse eine politische Weichenstellung vornehmen, forderte der CVP-Einwohnerrat Franz Wille, früher Lehrer und später Chefbeamter im Departement Bildung, Kultur und Sport. Die Schulgemeinde müsse entscheiden, wie die Kreisschule in Zukunft geführt werde und ob die Nachbargemeinden in einem Schulverband in den Entscheidungsprozess einbezogen werden sollten. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden lasse Wohlen den Spielraum «die Finanzen auf sichere Grundlagen zu stellen». Weiter müsse Wohlen mit dem Kanton in Verhandlungen treten, um von ihm Beiträge an nötig werdende Schulbauten zu erhalten.

Gemeinderat Paul Huwiler könnte sich die Zusammenarbeit in einem Schulverband «gut vorstellen». Auf der Bezirksschulstufe habe er mit den Nachbarsgemeinden bereits informelle Gespräche geführt. So wäre es denkbar, dass Wohlen zusammen mit den Gemeinden im Schulkreis ein neues Bezirksschulhaus bauen könnte. (BA)

Als Regionalzentrum, das noch immer weiter wächst, sei Wohlen im Schulbereich besonders stark gefordert, erklärte Gemeinderat Paul Huwiler. Im letzten Jahrzehnt wurden in Wohlen 655 neue Wohnungen gebaut. Gleich viele sind gegenwärtig bewilligt oder in Planung. Weil die Bevölkerung weiter zunimmt, gehen die Schülerzahlen nicht stark zurück. Aber durch den Systemwechsel auf drei Jahre Oberstufe und sechs Jahre Primarschule verlagern sie sich. Zudem werden die Klassengrössen an der Primarschule von heute maximal 28 auf 25 Schüler begrenzt.

So gibt es weniger Bezirks-, Sekundar- und Realschüler, aber mehr Primarschüler und Kindergärtler. An der Primarschule müssen laut Huwiler in Zukunft sieben statt sechs Abteilungen pro Jahrgang geführt werden. Im laufenden Schuljahr zählt die Wohler Bezirksschule 491, die Sekundarschule 325 und die Realschule 237 Schüler. 2014/15 werden 354 Bezirksschüler, 206 Sekundarschüler und 186 Realschüler erwartet. Im Schuljahr 2019/20 sollen es noch weniger sein: 237 Bezirksschüler, 185 Sekundarschüler und 167 Realschüler in total 36 Klassen (heute 54 Klassen). Laut Gemeinderat Paul Huwiler werden im Gegenzug die Zahlen an der Primarschule von heute 691 Schüler in 34 Klassen bis 2014/15 auf 878 Schüler in 44 Klassen und bis 2019/20 auf 940 Schüler in 47 Klassen ansteigen.

Grosse Investitionen in Sicht

Huwiler liess das Publikum nicht darüber im Ungewissen, dass mit der Schulreform auf Wohlen grosse Investitionen zukommen werden. Auf Zahlen liess er sich indessen nicht ein. Der druckfrische Schulraumplanungsbericht kommt erst am 22. Oktober in den Gemeinderat und werde danach der Öffentlichkeit vorgestellt. Schulpflegepräsident Franco Corsiglia erläuterte, dass «auch kleinere Schulklassen mehr Schulraum beanspruchen werden». Alles in allem dürfe, auch wenn man sich die Investitionen gut überlegen sollte und man auf das eine oder andere verzichten müsse, das Leistungsniveau der Wohler Schule nicht gesenkt werden. Die Schulpflege sei bemüht, bei der Umstellung in der Oberstufe und der Primarschule allen Lehrern «einen Platz zu sichern».

Der eine oder andere Lehrer könnte dabei aber «durch die Maschen fallen», räumte Schulleiter Rolf Stadler ein. Er halte Härtefälle für möglich, werde aber alles daran setzen, dass die grosse Mehrheit ihren Arbeitsplatz behalten könne, allenfalls aber mit einem Teilzeitpensum.