Bremgarten

Grosse Betreibungswelle vor 2017 blieb aus

Der Löwenanteil der Betreibungen betrifft das Einkommen. (Symbolbild)

Der Löwenanteil der Betreibungen betrifft das Einkommen. (Symbolbild)

Früher waren Verlustscheine ein Leben lang gültig. 2017 verfallen nun die ersten, weil sie heute auf 20 Jahre beschränkt sind. Spüren das die Betreibungsämter?

Früher galten sie, bis man starb: Gläubiger konnten ihre Forderungen via Verlustscheine bis zum Tod des Schuldners geltend machen. 1997 – vor genau 20 Jahren also – wurde deren Gültigkeit jedoch auf 20 Jahre verkürzt. «Dadurch wurden per 1.1.2017 die vor 1.1.1997 ausgestellten Verlustscheine ungültig», erklärt der Betreibungsbeamte Werner Mattenberger in einem Schreiben des Betreibungsamtes Bremgarten und Umgebung. Damit sie kurz vor dieser Ungültigkeit jedoch noch zu ihrem Geld kommen, haben einige Gläubiger 2016 ein paar alte Verlustscheine betreiben lassen. «Eine diesbezüglich erwartete deutliche Zunahme von Betreibungen fand jedoch erstaunlicherweise nicht statt», zeigt sich Mattenberger froh. «Wir vermuten, dass viele Gläubiger eine Lösung ausserhalb der Zwangsvollstreckung, vermutlich durch Schuldanerkennung, gefunden haben.»

2016: total 9623 Begehren

Zum Betreibungsamt Bremgarten und Umgebung gehören zusätzlich zum Städtchen die Gemeinden Arni, Berikon, Fischbach-Göslikon, Islisberg, Jonen, Oberlunkhofen, Oberwil-Lieli, Rottenschwil und Unterlunkhofen. Die Zahlen des vergangenen Jahres schwanken nur sehr leicht im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt mussten beispielsweise 9623 (Vorjahr 10 034) Betreibungs-, Fortsetzungs- und Verwertungsbegehren bearbeitet werden, woraus 6003 (5986) Betreibungsnummern eröffnet wurden.

Um das komplizierte Thema zu veranschaulichen, zeigt das Betreibungsamt auf, welche Forderungen am stärksten von Betreibungsbegehren betroffen sind: «Nach wie vor sind Krankenkassenforderungen trotz ‹schwarzer Liste› vor Steuerforderungen die am häufigsten betriebenen Forderungen», sagt Mattenberger. Pfändungen, die «arbeitsintensivste Tätigkeit», mussten in 1259 (1230) Pfändungsgruppen für 3226 (3099) Geschäftsfälle vollzogen werden. Dies entspricht einer Zunahme von 4,1% (Abnahme von 11,7%).

Fast nur Lohnpfändungen

Bei Betreibungen denkt man zuerst an den Fernseher oder das Auto. Doch 98% der Pfändungen betreffen das Einkommen. «Sachpfändungen wurden infolge hoher Verwertungskosten sehr zurückhaltend vollzogen», heisst es im Bericht. Dennoch wurden Fahrzeuge, eine komplette neuwertige Büroeinrichtung, ein Gemälde sowie Musikinstrumente von Berufsmusikern samt elektronischem Equipment versteigert. «Leider fielen die Erträge sehr gering aus, obwohl die Versteigerungen bewusst im Gantlokal Hardau der Stadt Zürich stattgefunden haben, um ein möglichst grosses Zielpublikum zu erreichen», so Mattenberger.

Die Zusammensetzung der Schuldner habe sich kaum verändert. Bei jungen Langzeitschuldnern sei oft mangelnde Ausbildung der Grund von Arbeitslosigkeit oder schwachem Einkommen. «Es ist jedoch auch sehr deutlich festzustellen, dass Schuldner ab 50 Jahren, wenn überhaupt, nur mit sehr grosser Mühe wieder eine Anstellung finden.» Auch Betreibungen bei älteren Menschen seien nach wie vor häufig. «Es zeigt sich auch, dass vor allem Leute, die krankheitshalber aus dem Arbeitsprozess ausscheiden und eine IV-Rente beantragten, oft zuerst Betreibungsschuldner werden, bevor ihnen, wenn überhaupt, eine Rente zugesprochen wird.»

2016 wurden 119 (102) Schuldner polizeilich dem Betreibungsamt zugeführt. In 86 Fällen musste Strafanzeige infolge Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung erlassen werden. Weiter musste gegen 4 (1) Schuldner Strafanzeige wegen Pfändungsbetrugs erhoben werden. In einem Fall wurde sogar eine Hausdurchsuchung angeordnet.

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