Matthias Bollinger ist kein Mann der grossen Worte. Er steht auch nicht gerne im Mittelpunkt. Er macht viel lieber in Ruhe seine Arbeit und richtet sich dabei nach seiner eigenen Devise: «Ich sage lieber nichts, als dass ich etwas sage, was ich nachher nicht halten kann.» Am Samstag musste der diplomierte Gemüsegärtnermeister gehörig über seinen Schatten springen, denn er stand während Stunden mitten im Zentrum, auch wenn das Sprechen ein anderer übernahm.

Gantrufer Bruno Furrer wurde seinem Ruf als Spitzenauktionator einmal mehr in jeder Hinsicht gerecht. Und seine Aufgabe war diesmal wirklich keine einfache, denn die 700 Gantbesucher waren nicht gekommen, um möglichst hohe Preise für gebrauchte Gegenstände zu bezahlen. Autos mit Nummern aus der ganzen Deutschschweiz und sogar aus Österreich säumten die Zufahrtswege zum 21-Hektaren-Gelände der Bollingers, als Furrer zwei, drei Handvoll Stumpen vor sich auf den Boden streute, um die Kundschaft näher heranzulocken.

Versteigerung

Von der Giesskanne bis zum Lastwagen soll alles weg: Gantrufer Furrer in senem Element

Keine Bieterschlachten

Der Trick funktionierte ganz famos. Die Steigerungswilligen kamen näher und Furrer richtete mit träfen Sprüchen die Aufmerksamkeit auf all die Gerätschaften, die in den vergangenen Jahren den Lebensunterhalt der Familie Bollinger ermöglicht haben. Die Stimmung auf dem Platz war sehr gut, aber die erhofften Bieterschlachten wollten einfach nicht zustande kommen. Furrer gab alles, ganz egal, ob es sich um eine rote Giesskanne für zwei Franken oder um einen Lastwagen für 30 000 Franken handelte: «Mer sött eifach ned ohni kaufte Gägestand heigoh vonere Steigerig, he!» ermahnte er das Publikum, das sich nur schwer dafür erwärmen konnte, eine Bieterhand in den kalten Biswind zu erheben.

Die Giesskanne wollte keiner, und auch einige andere Stücke blieben liegen. Besonders schwer fiel es Bollinger, wenn er zusehen musste, wie seine Lieblingsfahrzeuge unter den Hammer kamen und nur noch einen Bruchteil dessen einbrachten, was er an Geld und Aufwand in sie hineingesteckt hatte. «Der Massey-Ferguson-Traktor oder die Doppelbeet-Karotten-Säkombination, das sind ganz grossartige Maschinen, und trotzdem gingen die weit unter Preis weg», wunderte sich Bollinger nach der Gant. «Als unser Scania versteigert wurde, da musste ich schon einen Moment mit den Tränen kämpfen. Unsere ganze Familie hing sehr an diesem Lastwagen. Das ist ein echtes Sammlerstück und in sehr gutem Zustand. Dass dafür nicht mehr geboten wurde, das hat sehr weh getan.»

Gant wurde zum Volksfest

Unter dem Strich ist Bollinger aber zufrieden mit der Gant: «Wir haben die untere Linie unserer Erwartungen vermutlich knapp erreicht», resümiert der vierfache Vater. «Was mich aber am meisten gefreut hat, das war der grossartige Einsatz all unserer Helfer. Die haben sich voll reingehängt und haben durchgehalten bis nach Mitternacht ohne einen Hänger.»

Ganz vorne mit dabei waren dabei seine Frau Vroni, seine jüngere Tochter Judy und die beiden Söhne Dave und Simon mit Familien und Freunden. Die Gant wurde für Familie Bollinger, ihre Nachbarn und das halbe Dorf Eggenwil zu einem wahren Volksfest, mit Speis und Trank für alle, Lauberhornabfahrt auf Grossleinwand und Live-Musik bis spät am Abend.