Neues Konzept
Gratis parkieren? Wohlen will das verbieten

Jetzt geht es auch den Laternengaragen an den Kragen. In Wohlen sollen zukünftig alle Autofahrer gleich behandelt werden. Tiefbau-Leiter Christoph Meyer: «Die, die öffentlichen Raum beanspruchen, sollen nach dem Verursacherprinzip für die finanziellen Folgen aufkommen.»

Toni Widmer
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Im Wohlen darf bald fast gar nicht mehr gratis parkiert werden. (Symbolbild)

Im Wohlen darf bald fast gar nicht mehr gratis parkiert werden. (Symbolbild)

Keystone

In Wohlen soll man ab 2017 auf öffentlichen Strassen und Plätzen grundsätzlich nirgends mehr gratis parkieren können. Der Gemeinderat hat ein Konzept vorgestellt, über das der Einwohnerrat am 23. Mai befinden soll. Der wichtigste Grundsatz sei die Gleichbehandlung. «Soweit wie möglich sollen für alle Anwohner, alle Sportler, alle Gäste die gleichen Regeln gelten. Unabhängig davon, wo sie in der Gemeinde wohnen, Sport treiben oder welches Geschäft sie besuchen», hielten Vizeammann Paul Huwiler und Gemeinderat Arsène Perroud fest.

Das Konzept ist unter der Federführung von Christoph Meyer, Bereichsleiter Tiefbau, entstanden und hat eine bereite Vernehmlassung in einer breit abgestützten Spiegelgruppe hinter sich.

Kein Geldautomat für Gemeinde

Mit dem neuen Konzept wolle man nicht zusätzlichen Einnahmen generieren. Die Parkplatzbewirtschaftung solle selbsttragend sein: «Jene, die den öffentlichen Raum beanspruchen, sollen nach dem Verursacherprinzip für die finanziellen Folgen aufkommen. Es geht nicht darum, einfach Geld einzunehmen. Wir wollen aber den Aufwand für die Erstellung sowie den Betrieb und Unterhalt der Anlagen mit entsprechenden Nutzer-Beiträgen decken», sagten Huwiler und Perroud.

Parkieren ist in Wohlen seit Jahren ein emotional diskutiertes Dauerthema. 2008 hat der Gemeinderat ein erstes Reglement zur Parkplatzbewirtschaftung vorgelegt. Vom Einwohnerrat wurde es genehmigt, in der Volksabstimmung ging es jedoch bachab. Damit war die Sache keineswegs erledigt. Denn zum einen schreibt der Kanton für grössere Gemeinden ein Parkierungskonzept zwingend vor. Und zum andern hat die Null-Variante in Wohlen niemanden so richtig befriedigt.

«Weiche» Übergangslösung

Im Sinne einer Übergangslösung wurde 2014 ein Parkierungskonzept eingeführt, das erstens nur Teile der Gemeinde betraf und zum anderen auf einer äusserst «weichen» gesetzlichen Grundlage basierte. Beschlossen hatte dies der Gemeinderat in eigener Kompetenz, der Einwohnerrat konnte lediglich davon Kenntnis nehmen. Die Gebühren, die seither auf einigen öffentlichen Parkplätzen in Wohlen erhoben werden, wären rechtlich anfechtbar.

Auch diese Übergangslösung hat kaum jemanden befriedigt. Im Gegenteil: Wegen der vielen Sonder- und Ausnahmeregelungen gingen die Wogen erst recht hoch. So müssen – beispielsweise – die Handballer, die in der Sportanlage Hofmatten trainieren, Parkgebühren zahlen, die Fussballer, Tennisspieler und Leichtathleten auf der Sportanlage Niedermatten aber nicht. Weiter wurden grosszügig Gratisparkkarten verteilt. Über 500 Stück davon sind bei Gemeindepersonal, Lehrerschaft und Vereinsfunktionären im Umlauf.

Künftig soll niemand mehr bevorzugt oder benachteiligt werden. Wobei die Gemeinde sich gegenüber Gemeindepersonal, Lehrerschaft und Vereinen weiterhin grosszügig zeigen will. Zum einen ist das Konzept so angelegt, dass Parkieren bei den Sportanlagen zu den Trainingszeiten nichts kostet. Zum andern sollen Gemeindepersonal und Lehrerschaft Parkkarten zwar nicht mehr gratis, aber zu einem reduzierten Tarif von 300 Franken erhalten. Das entspricht in etwa 50 Prozent vom normalen Preis einer Jahreskarte. Und das ist, verglichen mit anderen grossen Aargauer Gemeinden, immer noch human.

Fünf verschiedene Zonen

Neu ist die Gemeinde in fünf verschiedene Zonen unterteilt und das Parkregime dafür bedarfs- und situationsgerecht konzipiert worden (siehe Grafik oben). Generell gilt: Die Parkplätze werden von 2 bis 18 Uhr bewirtschaftet. Damit will man die Laternengaragen eliminieren, jedoch – unter anderem – Abendveranstaltern und Restaurants entgegenkommen. Der Sonntag ist generell gebührenfrei. Eine Stunde Parkieren kostet überall einen Franken, in der Zone 3 kann man einen Tag für maximal 7 Franken parkieren.

  • In der Zone 1, Strassenraum Zentrum und Ortskern, darf maximal eine Stunde parkiert werden, die ersten 15 Minuten sind gratis. Die Zone 2 betrifft die Parkplätze im Zentrum / Ortskern. Dort kann bis vier Stunden parkiert werden. Auch hier sind die ersten 15 Minuten gratis. Und wie in Zone 1 gibt es keine Parkkarten.
  • Zone 3 betrifft die öffentlichen Anlagen sowie die Schul- und Sportanlagen. Hier gibt es keine zeitliche Beschränkung und die ersten 30 Minuten Parkzeit sind gratis. Für spezifische Nutzergruppen gibt es Parkkarten.
  • Zone 4 betrifft die Wohnquartiere. Dort kann maximal 3 Stunden gratis parkiert werden (Parkscheibe). Wer sein Auto länger abstellen will, braucht eine Parkkarte. Man wird sie tage-, wochen- und monatsweise oder für ein Jahr lösen können. In Prüfung ist ein Online-System für Kartenbezug und -bezahlung. Zeitlich unbeschränkt und zu jeder Zeit gratis ist Parkieren in der Zone 5, Industrie- und Arbeitsgebiete.

Aufwand für Repol im Rahmen

Die Regionalpolizei, hielten Gemeinderat Perroud und Repol-Chef Marco Veil fest, werde in der Einführungsphase mit dem neuen Parkregime zwar sicher etwas mehr Aufwand betreiben müssen. Dieser Mehraufwand soll aber nicht von Dauer sein. «Wir müssen», sagte Perroud, «für die Parkplatzbewirtschaftung nicht unbedingt die Repol einsetzen. Das können wir auch anders lösen.»

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