Widen
Grabplatten-Knatsch geht weiter: Trauerfamilie nutzt Schlupfloch im Paragraphen-Dschungel

Wegen der strikten Friedhofsregeln musste eine Trauerfamilie eine Steinplatte vom Grab wegnehmen. Trotzdem kämpft sie weiterhin gegen das Gesetz.

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Widen beschäftigt ein Knatsch: Auf dem Friedhof stört sich jemand so stark an einer kleinen Grabplatte, dass die Hinterbliebenen diese nun entfernen müssen. Grabplatten seien auf dem Friedhof nämlich nur dann erlaubt, wenn statt eines Grabsteins ein Kreuz auf dem Grab steht.

Das hat die Trauerfamilie Fisler nicht gewusst. Sie haben einen Grabstein aufgestellt. Der Name des Verstorbenen steht auf einem 30 x 30 Zentimeter grossen Stein, der auf dem Grab liegt. Und um diesen Stein dreht sich der Streit.

Der Schwiegersohn des Verstorbenen: Fredy Cousin
4 Bilder
Der Stein des Anstosses: 30 x 30 Zentimeter
Das Grab in Widen
Aus einer Grabplatte wird ein Dekorations-Stein.

Der Schwiegersohn des Verstorbenen: Fredy Cousin

Tele M1

Klara Fisler müsste die kleine Grabplatte mit Inschrift ihres verstorbenen Ehemanns gemäss Reglement wegräumen – so will es die Gemeinde Widen. «Ich finde das eine Schikane», sagte sie im August gegenüber Tele M1. Die Grabplatte stehe schon seit anderthalb Jahren und habe bis anhin niemanden gestört.

Ein Gespräch der Trauerfamilie mit dem Gemeindeammann hat keine Lösung gebracht. Man könne eine Sonderbewilligung beantragten, liess man die Familie wissen. Fredy Cousin, Schwiergersohn des Verstorbenen, lehnt dies ab. Man habe der Familie zu verstehen gegeben, dass dies zu nichts führen werde.

Im Frust ist Cousin eine Idee gekommen. Im Reglement stehe nichts darüber, dass ein Grab beschriftet sein müsse. Also dreht er den beschrifteten Stein einfach um, sodass die unbeschriftete Seite nach oben schaut. Aus einer kleinen Grabplatte ist nun ein einfacher Dekorations-Stein geworden. Ein solcher ist erlaubt.

Zu diesem Paragrafenschlupfloch will sich die Gemeinde gegenüber TeleM1 nicht äussern.

Nun ist zwar nicht mehr ersichtlich, wer in diesem Grab liegt. Vielleicht, so Cousin ironisch, sei dies das einzige namenlose Grab der Schweiz.