Turnhalle A in Zufikon, es ist Samstagabend. Die Musikgesellschaft feiert die Einweihung der neuen Uniform mit einem Unterhaltungsabend – die Halle ist nur halb voll. Die Leute haben sich in der Mitte versammelt, wo Stefan «Stee» Gfeller auf einer Kiste sitzt und auf sie eintrommelt. Lagerfeuerstimmung.

Neben ihm steht seine Schwester Corinne «Coco». Ihre Stimme ist rauchig, kraftvoll, einnehmend. Gänsehaut. «Wer ist das?», flüstert ein älterer Mann seinem Sohn zu. «Sie ist die Background-Sängerin von Gölä, er ist der Drummer», flüstert dieser.

Drei Jahre sind seit diesem Auftritt vergangen. Heute erscheint das erste Album der ZiBBZ, wie sich das Geschwisterpaar nennt.

Das Geschwisterpaar ZiBBZ

Was ist schwieriger, in einer Turnhalle zu spielen oder im ausverkauften Hallenstadion?

Coco: Es ist definitiv schwieriger, vor wenigen Leuten zu spielen. Gerade bei Gölä singen die Leute sowieso mit, egal ob ich auch auf der Bühne stehe oder nicht. In einer Turnhalle ist man Face-to-Face mit den Leuten, man muss sich beweisen.
Stee: Es beginnt schon damit, dass die grosse Masse nur kommt, wenn sie wirklich möchte. Die warten auf den Auftritt. Das heisst aber nicht, dass ein Gig vor zehn Leuten deshalb schlechter ist. Es ist nur eine grössere Herausforderung.

Ihr steht auch mit Gölä auf der Bühne. Ist das hinderlich, um als eigenständige Künstler wahrgenommen zu werden?

Coco: Nein, er ist wie unser musikalischer Götti, wir haben sehr viel von ihm profitiert.

Heute erscheint euer erstes Album. Angenommen, ein Song von ZiBBZ schafft es auf Platz 1 der Charts, welcher wäre das?

Stee: Das kann man nicht voraussagen. Das entwickelt sich ähnlich wie ein Wasserwirbel, der kann irgendwo entstehen. Vielleicht greifen die Radiostationen einen Song auf, mit dem wir nicht gerechnet haben. Das ist wie eine Matheaufgabe mit drei Unbekannten, «da verhauts di».
Coco: Wir wissen zwar schon, welche Art Songs den Leuten besser gefällt, jetzt liegt es aber nicht mehr in unseren Händen. Die Leute sollen entscheiden.

Auf dem Album sind sehr rockige Songs, wie «Lock You In A Rocket», aber mit «Fairytales» auch eine Ballade. Was spielt ihr lieber?

Coco: Fiese Frage, weil ‹Fairytales› einer meiner Lieblingssongs ist. Sonst aber eher die rockigen Sachen. Ich schaue an den Konzerten gerne die Leute an, wenn sie von der Musik richtig mitgerissen werden.
Stee:Ist bei mir ähnlich. Ich finde es extrem schön, einfach mal zuzuhören, wenn Corinne eine Ballade singt.

Sind Balladen anstrengend?

Coco: Nein, anstrengend sind sie nicht. Anstrengend sind eigentlich nur die Frida-Songs.

Was sind Frida-Songs?

Stee: Frida ist die kleine Spielzeuggitarre. Wir haben einige Spielzeuginstrumente umgebaut und flechten sie in unsere Musik ein, aber diese Instrumente machen meistens nicht genau das, was man will.

Ihr seid in Waltenschwil und Boswil aufgewachsen, euren Sound entwickelt ihr aber in Los Angeles. Was fehlt euch hier?

Stee: Es braucht die Abwechslung, wir freuen uns auch immer wieder, hierhin zurückzukommen. Aber die Leichtigkeit und die verrückten Ideen, die kreativen Flüsse entstehen eher drüben. Es hat halt mehr Spinner und man fühlt sich angetrieben.

Wie entsteht bei euch ein Song?

Stee: Ist verschieden. Manchmal beginnt es mit einer Melodie, manchmal schreiben wir am Klavier. Die Songtexte schreibt immer Corinne.
Coco: Wichtig ist nur, dass man keine Idee verwirft. Erst wenn man eine Stunde daran gearbeitet hat und die Idee dann immer noch nicht gut findet, kann man sie mal in die Ecke stellen. Wir geben aber jedem Funken die Chance, ein Song zu werden.  Wir haben auch viele Songs geschrieben, die nicht auf dem Album sind.

Wart ihr euch schnell einig, welche Songs aufs Album kommen?

Stee: Wir hatten etwa 30 Songs, die infrage kamen. Wir waren uns eigentlich recht einig und haben dann zusammen mit dem Produzenten entschieden.
Coco: Wir haben einen ähnlichen Musikstil, das macht es einfacher. Ich stelle mir das schwierig vor, wenn es fünf Bandmitglieder sind.

Ihr habt eine eigene Show auf dem Fernsehsender Joiz. Da habt ihr den Zuschauern auch intime Einblicke in euer Privatleben erlaubt. Wie viel davon war gespielt?

Coco: Nichts. Wir sind nicht gut genug als Schauspieler, als dass wir das hätten spielen können. Dadurch, dass der Kameramann mein Freund ist, war die Kamera praktisch immer dabei – es war auch kein Problem, nachts um 12 noch zu filmen.

Wo zieht ihr denn die Grenze?

Coco: Wir haben manchmal Auszeiten genommen und die Kamera zu Hause gelassen. Ausserdem wird ja in Staffeln gedreht, dazwischen hatten wir kamerafreie Zeit.

Einen richtig heftigen Streit zwischen euch hat man aber nie gesehen. Was ist euer Geheimnis?

Stee: So richtige Aggro-Streiter sind wir halt nicht. Aber «hässig» sind wir manchmal schon. Wenn wir uns mal streiten, dann meistens um Kleinigkeiten. Meistens um die Planung.
Coco: Ja, das ist manchmal schwierig, da müssen wir uns absprechen. Wenn wir am Morgen zu arbeiten beginnen, dann sind wir Geschäftspartner. Für Hänseleien zwischen
Geschwistern hat es dann keinen Platz mehr.

Corinne, wie würdest du Stefan in einem Wort beschreiben?

Coco: Ein Wort? Das ist zu schwierig. Zwei Worte: kreativer Chaot.

Stefan, wie würdest du deine Schwester beschreiben?

Stee: Gnadenlos. Aber nicht im negativen Sinn. Wenn sie performt ist ihr alles andere egal, sie ist extrovertiert. Aber die Frage ist schwierig; ein Wort. Vielleicht auch einfach Rock ’n’ Roll.

Was ist das schönste Kompliment, das man euch bisher über eure Musik gemacht hat?

Coco: Ein junger Fan von uns war bereits beim Soundcheck dabei, mit seinem Vater. Als er uns Hallo sagte, spürte man bereis seine Freude, seine Augen leuchteten. Der Vater hat uns dann erzählt, wenn sein Sohn unsere Sendung gesehen habe, gehe er am nächsten Tag lieber in die Schule und sei fröhlicher. Das ist das Grösste, wenn man spürt, dass man das Leben von jemandem schöner macht.
Stee: Als wir frisch in der Band von Gölä waren, hat er mal gesagt, er glaube jetzt wieder an die Jugend. Sonst nichts. Das war ein schönes Kompliment.

Die Konzertdaten:
05.04.2013 - Chollerhalle, Zug
06.04.2013 - Kufa, Lyss
25.04.2013 - Exil, Zürich
26.04.2013 - Selig, Chur
27.04.2013 - Chill Out, Boswil