Es ist warm im Chillout, die Fans füllen den Platz im kleinen Boswiler Konzertsaal bis in die hintersten Ecken aus. Schon nach wenigen Minuten zieht Gölä sein T-Shirt aus (Frauen kreischen). «Ä Schwan so wiss wie Schnee», gesungen aus 460 Kehlen. Glückliche Gesichter, die Menge wiegt sich zu der Ballade hin und her. Kein Menschenmeer, verglichen mit dem Hallenstadion nur ein kleiner Tümpel, und gerade deswegen ist der Abend einmalig. 

Gölä im Chillout

Gölä im Chillout

Gölä spielt im Chillout Boswil



In so einem, fast schon intimen Rahmen dürfen die Fans Gölä selten erleben. Am Freitag kam die neue Single «D’Stärne» in die Verkaufsregale, und am gleichen Tag spielte der Mundart-Rocker in Boswil ein Konzert, auch mit ein paar Stücken aus dem neuen Album, das im Oktober erscheinen wird.

Warum gerade in Boswil? «Es hat einfach gepasst, morgen spielen wir am Lakeland Festival in Erlach. Das ist die Hauptprobe, bevor wir der Meute zum Frass vorgeworfen werden», sagt Gölä und lacht: «Ich spiele eigentlich nicht gern, aber irgendwie muss ich ja den Beton bezahlen.» Er habe viel weniger Auftritte als andere Musiker, deshalb müsse er vor Konzerten viel üben – etwa einen Monat für sich und zwei Wochen mit der Band. «Ich kann nicht mal den Schwan auswendig, ich habe Blätter mit den Songtexten vor mir auf dem Bühnenboden», erzählt er.

Mit Hausbau beschäftigt

Dass dieser Abend zustande gekommen ist, haben die Freiämter Peter Wyrsch, dem Besitzer des Chillouts, zu verdanken. Zehn Jahre lang hat er «gstürmet», bis es so weit war. Dank einem Treffen an einem Konzert im KKL Luzern, wo Gölä mit den Bellamy Brothers auftrat, konnte Wyrsch den Musiker offenbar überzeugen – so kam es zum Privatkonzert vor 460 Leuten.

Ist es schwieriger, im Chillout die Stimmung anzuheizen als beim Auftritt am Samstag, vor mehreren tausend Zuhörern? «Ich gebe immer alles. Wenn man überheblich wird, fliegt man auf die Schnauze», sagt Gölä. An diesem Abend werde er sich auf sich und die Band konzentrieren müssen, ans Geniessen könne er erst am Sonntagabend wieder denken.

Der Auftritt im Chillout mit neuen Liedern war auch die Rückkehr aus einer längeren Pause. Warum mussten die Gölä-Fans vier Jahre auf ein neues Mundart-Album warten? «Die meisten Songs habe ich schon im Mai vor einem Jahr aufgenommen, aber dann hatte ich viel Arbeit auf der Baustelle», erklärt der Musiker, der sich oberhalb des Thunersees selber ein Haus gebaut hat. Beim «gipsen» höre er aber immer gute Musik, von der er sich inspirieren lasse.

«Meistens bin ich am Abend völlig auf dem Hund, aber manchmal nehme ich auch die Gitarre in die Hand. Wenn ich lange nicht mehr gespielt habe, werde ich richtig giggerig.» Die Fans dankten es Gölä, dass er sich an diesem Abend voll und ganz der Musik und nicht dem Hausbau widmete – obwohl sein Hit «Büezer» natürlich nicht fehlen durfte.