Villmergen
Glücklich wohnen auf 14 Quadrat-Metern: Diese Bündnerin will bald in ihr Tiny House im Freiamt ziehen

Ramona Schilling zieht – wenn das Baugesuch bewilligt wird – in wenigen Wochen in ihr Tiny House in Villmergen.

Nathalie Wolgensinger
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«Ich war hin und weg»: Für Ramona Schilling geht mit ihrem Tiny House ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

«Ich war hin und weg»: Für Ramona Schilling geht mit ihrem Tiny House ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Nathalie Wolgensinger

Ganz am Ende einer Sackgasse versteckt, da steht es, das Tiny House von Ramona Schilling. Das kleine Haus, das Platz für zwei Personen bietet, steht inmitten eines grossen Gartens mit lauschigem Teich. «Genau das habe ich gesucht», freut sich die 30-Jährige mit dem sympathischen Bündner Dialekt.

Ihrer guten Laune können selbst dichter Nebel und eisig kalte Temperaturen nichts anhaben. Voller Stolz führt sie durch ihr 14 Quadratmeter grosses Reich, in dem alles Platz findet, was sie zum täglichen Leben braucht:

«Ich habe immer davon geträumt, an einem ruhigen Ort zu leben», erzählt die Sicherheitsangestellte. Vor einigen Jahren habe sie zum ersten Mal von den Tiny Häusern gehört und sei von Beginn weg fasziniert gewesen. Ihren Ursprung hat die Bewegung in den USA, wo sie während der Finanz- und Immobilienkrise im Jahr 2008 Auftrieb erhielt. Die Wohnform ist nicht nur günstig, sie schont die Ressourcen. Längst ist die Idee auf Europa übergeschwappt. Tiny Häuser sind in der Regel zwischen 15 und 45 Quadratmeter gross und können transportiert werden.

«Wer in ein Tiny House zieht, schränkt sich ein»

Ramona Schilling begann vor einigen Monaten mit der konkreten Planung. «Ich habe Grundrisse gezeichnet, mich intensiv mit der Raumaufteilung beschäftigt und eine Firma kontaktiert, die meine Pläne umsetzt», erzählt sie. Während des Lockdowns habe sie genügend Zeit gehabt, um das Vorhaben weiter voranzutreiben.

In zwei bis drei Jahren, so sah es ihre Planung damals vor, könnte die Firma mit dem Bau des Hauses beginnen. Um möglichst viel Eigenkapital anzusparen, besuchte die Sicherheitsangestellte Flohmärkte, an denen sie ihre Möbel und alles Weitere, was im Haus keinen Platz mehr hat, zu Geld machte. «Wer in ein Tiny House zieht, beschränkt sich ganz automatisch», meint sie. Grosse Unterstützung erhielt sie von ihren Freunden, die ihr Ware für den Flohmarkt schenkten. So konnte sie sich ein finanzielles Polster schaffen. Denn die Finanzierung ihres Traumes musste sie über einen Kredit abwickeln, Banken vergeben für diese Wohnform keine Hypotheken.

Regelmässig besuchte die junge Frau Internetforen, in denen sie sich über den Bau der kleinen Häuser informierte. «Dort machte man mich darauf aufmerksam, dass ich mich möglichst bald auf die Suche nach einem Stellplatz machen sollte.

Das kann mitunter lange dauern, bis man etwas Passendes findet», erzählt sie. Doch bei Ramona Schilling ging es sehr schnell. Fast zu schnell. «Ich bin nach kurzer Zeit auf diesen Platz in Villmergen gestossen», erzählt sie. Verpachtet wird das lauschig gelegene Stück Land von Bruno Meier. Er verpachtet einen Teil seines grossen Gartens im Ballygebiet.

Ihr Häuschen kommt – wie sie – aus dem Bündnerland

Nun hatte die junge Frau zwar einen Platz, aber kein Haus. Und wieder kam der Zufall zu Hilfe. Ein junges Paar bot sein Tiny House zum Kauf an. «Ich besichtigte es und war hin und weg. Es entsprach genau meinen Vorstellungen», schwärmt sie. Die Verkäufer wagten den Schritt in die Selbstständigkeit und brauchten mehr Platz. Und so kam es, dass das Tiny House vor einigen Wochen auf einen Tieflader gehievt wurde und den Weg von der Lenzerheide nach Villmergen fand.

Hier steht das kleine, 14 Quadratmeter grosse Haus, das alles hat, was Frau zum Leben braucht. Gleich rechts beim Eingang, etwas erhöht, steht eine Sofa-Ecke. Die darüberliegenden Dachfenster sorgen für viel Helligkeit. Auf fast der ganzen Länge des Hauses stehen Waschmaschine und eine Küchenzeile mit Kühlschrank. Daneben, durch eine Schiebetüre abgetrennt, sind Toilette und Dusche untergebracht. Oberhalb der Küchenzeile befindet sich das Schlafzimmer mit Dachfenstern, die den Blick frei geben auf den Sternenhimmel.

Noch muss sich Ramona Schilling gedulden mit dem Einzug. Erst muss das Baugesuch bewilligt und das Haus mit Strom und Wasser versorgt werden. Dann aber steht ihrem grossen Traum vom kleinen Eigenheim nichts mehr im Weg.