Glosse
In Arni wurden «Rasen betreten verboten»-Schilder gestohlen – dagegen hilft Watzlawick

Paul Watzlawick war österreichischer Philosoph und Psychotherapeut und wäre diesen Juli 100 Jahre alt geworden. Er war vermutlich nie in Arni. Aber er kennt das Problem, das einzelne Einwohner haben, die Verbotsschilder auf dem Rasen klauen. Und er hat eine Lösung anzubieten.

Andrea Weibel
Andrea Weibel
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Symbolbild: Verbotsschilder können gemischte Gefühle auslösen.

Symbolbild: Verbotsschilder können gemischte Gefühle auslösen.

Archiv/Patrick Luethy

Beim Gemeindezentrum und dem Schulareal sind mehrere Schilder mit der Aufschrift «Rasen betreten verboten» mutwillig entfernt worden, schreibt der Gemeinderat Arni in seinen Nachrichten. «Falls Sie beim nächsten Spaziergang zufälligerweise auf solche Schilder stossen, bitten wir Sie um Kontaktaufnahme mit der Gemeindekanzlei.» Diese sei unter der Telefonnummer 056 649 90 12 oder gemeindekanzlei@arni-ag.ch zu erreichen.

Über solche Vandalen könnte man sich wirklich ärgern, sagen die einen. Und auch über solche Verbotsschilder, sagen die anderen. Letztere finden: Wieso soll man sich nach einem Schild richten, das irgendwo auf dem Rasen steht? Man hat also zwei Möglichkeiten: Man hält sich dran und lässt sich von einem Schild zu etwas zwingen – oder man rebelliert dagegen. Oder?

Tatsächlich gibt es eine dritte Möglichkeit. Denn die gibt es immer, schrieb der Philosoph und Psychotherapeut Paul Watzlawick 1991 in seinem sehr leicht verständlichen, heiteren Büchlein «vom Schlechten des Guten».

Die Geschichte des jungen Franzl Wokurka

Er erzählt die Geschichte des jungen Franzl Wokurka. Auch dieser sah sich eines Tages einem Schild mit der Aufschrift «Das Betreten der Beete ist bei Strafe verboten» gegenüber, das in einem Blumenbeet steckte. Er wurde fuchsteufelswild, denn er schien nur zwei Möglichkeiten zu haben: «Entweder seine Freiheit gegenüber dieser Unterdrückung durch die Obrigkeit zu behaupten und im Blumenbeet herumzutrampeln, gleichzeitig aber auch zu riskieren, erwischt zu werden; oder dies nicht zu tun. Aber schon beim blossen Gedanken, einem schäbigen Schild gehorchen zu müssen, kam ihm die Wut über die Feigheit einer solchen Unterwerfung.»

Lange stand er da, unentschlossen, ratlos, «bis ihm plötzlich, vielleicht deswegen, weil es ihm noch nie eingefallen war, Blumen anzusehen, etwas völlig anderes in den Sinn kam, nämlich: ‹Die Blumen sind wunderschön›».

Mit dieser Geschichte zeigt Watzlawick auf, dass es immer, einfach immer, einen dritten Weg gibt. Man muss sich nicht zwingend an die Aufschrift auf dem Schild halten, muss sich aber auch nicht unbedingt dagegen auflehnen. Man kann die Blumen – oder in Arni eben den Rasen – einfach stehen lassen, weil man sich daran erfreut. Und weil der Rasen irgendwann vielleicht wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wird.

Watzlawick setzt das mit dem gesunden Menschenverstand in Zusammenhang. Aber: Er sagt nicht, dass das Aufstellen von Verbotsschildern absolut dem gesunden Menschenverstand entspricht. Er sagt einfach nur generell, man solle sich die Geschichte vom Franzl doch einmal überlegen.