Wie tags zuvor schon bei den Katholiken und dem Chappelehoftraktandum, so füllten sich auch bei der Kirchgemeindeversammlung der Evangelisch-Reformierten die Sitze schnell, als am Mittwochabend in der reformierten Kirche von Wohlen über das weitere Vorgehen in Sachen «Grundstück Waagmatten mit Kirche und Sigristenhaus in Villmergen» verhandelt werden sollte.

Sichtlich angespannt begrüsste Kirchenpflegepräsidentin Berta Hübscher die Versammlung und überraschte diese gleich zu Beginn mit der Ankündigung, das Waagmattentraktandum solle auf Antrag der Kirchenpflege hin gestrichen werden. Der Grund für diesen Antrag wurde auch gleich auf die Leinwand gebeamt: Ein Brief des Gemeinderates von Villmergen, eingegangen bei der Kirchenpflege exakt am 22. November, dem Tag der Kirchengemeindeversammlung.

Ortsbürgerstiftung hat Interesse

In seinem Brief an die Kirchgemeinde informiert der Gemeinderat Villmergen darüber, «dass der Gemeinderat vorsieht, die gesamte Fläche des Grundstücks Parzelle 3762 im Halte von 48,36 Aren in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zu belassen.» Weiter bekunde die Ortsbürgerstiftung Villmergen Interesse daran, das Grundstück mit den darauf stehenden Gebäulichkeiten von der Kirchgemeinde zu erwerben und für öffentliche Zwecke zur Verfügung zu stellen, steht im Brief. «Auf diese Weise könnte gleichzeitig die Reformierte Kirche erhalten bleiben und dem Bedürfnis breiter Bevölkerungskreise (siehe Petition mit 394 Unterschriften) entsprechen.»

Damit wurde der Versammlung auf einen Schlag klar, dass die Pläne für einen gewinnbringenden Verkauf des Grundstücks und der anschliessenden Anmietung eines Mehrzweckraumes in der Überbauung des zukünftigen Investors gestorben sind. Dafür keimte bei vielen die Hoffnung wieder auf, die reformierte Kirche Villmergen könne als Raum für Gottesdienste und andere kirchliche Anlässe erhalten bleiben. Der entscheidende Passus steht allerdings am Ende des Briefes: «Die erforderlichen Beschlüsse durch die Stifterversammlung der Ortsbürgerstiftung Villmergen und die Einwohnergemeindeversammlung Villmergen müssen vorbehalten bleiben.»

Die Verunsicherung bei der Kirchenpflege nach Erhalt dieses Schreibens war verständlich. Deswegen aber die Diskussion über das weitere Vorgehen in Villmergen auszusetzen, das fand bei der Versammlung keine Zustimmung. Auch wenn sich die nachfolgenden Verhandlungen dadurch fast bis zur Geisterstunde verlängerten, hat sich der Disput doch insofern gelohnt, als die Kirchgemeinde nun weiss, was sie tut, wenn sie denn darf.

Im Namen der Interessengemeinschaft (IG) «Pro Reformierte Kirche Villmergen» präsentierte Ruedi Thomann die Pläne der IG und stellte auch die entsprechenden Anträge. So soll ein Drittel des Areals, mit Kirche und Sigristenhaus, im Eigentum der Kirchgemeinde Wohlen bleiben. Auf diesem Grundstück soll ein öffentlich zugänglicher Kirchen- und Mehrzweckraum betrieben werden. Die verbleibenden zwei Drittel werden dem meistbietenden Investor verkauft. Dazu beantragt die Kirchenpflege bei der Gemeinde Villmergen die Umzonung dieses Teils des Grundstücks. Die Eventualität ist auch schon mit berücksichtigt im Antrag der IG: «Falls der mögliche zukünftige Käufer das Grundstück in der Zone für öffentliche Bauten erwerben möchte (Baulandreserve für die politische Gemeinde Villmergen), ist dieser Vorbehalt zu beachten.»

Finanzierung durch Verkauf

Nach Berechnungen der IG könnte aus dem Nettoerlös des Landverkaufs 1,663 Millionen, die Renovation der Kirche bezahlt werden (siehe Text unten) und es blieben am Ende noch rund 700'000 Franken übrig, «mit denen man zum Beispiel professionelle Jugendarbeit betreiben könnte», schloss Thomann seine Ausführungen.

Nachdem Villmergens Vizeammann Klemenz Hegglin der Versammlung bestätigt hatte, dass sich der Gemeinderat durchaus vorstellen könne, einen Teil der Parzelle einzuzonen, waren die Meinungen wohl gemacht. In einer geheimen Abstimmung votierte die Versammlung mit 68 zu 19 Stimmen für die Anträge der IG «Pro Reformierte Kirche Villmergen» und schickte damit den Antrag der Kirchenpflege inklusive Beschluss der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom 14. September 2016 bachab. Berta Hübscher betonte zwar, dass dies eine Niederlage für die Kirchenpflege sei, aber «ich hoffe, dass nun wieder etwas Ruhe bei uns einkehrt».