Oberwil-Lieli

Glarner zu ARD-Reporter: «Wir wussten, dass es 20 Prozent Linke gibt im Dorf»

«Flüchtlinge in Oberwil-Lieli – Eine wundersame Wandlung»: Die ARD-Reportage aus dem Aargau.

In der Sendung «moma-Reporter» des ARD-Morgenmagazins hat auch Johanna Gündel ihren Auftritt. (17.12.2015)

Andreas Glarner erreichte als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli und mit seiner Haltung gegenüber Asylbewerbern Bekanntheit bis nach Deutschland. Nun waren die ARD-Reporter für eine neue Reportage zu Gast im Freiämter Dorf.

Vor drei Monaten waren sie schon einmal zu Gast in Oberwil-Lieli und berichteten über den Asyl-Streit, die Reporter des ARD-Morgenmagazins. Damals sprachen sie mit Gemeindeammann Andreas Glarner und verhalfen ihm zu zweifelhafter Berümtheit.

Auf die Frage, was er einer hergereisten Flüchtlingsfamilie sagen würde, antwortete der SVP-Ammann: «Dass sie vergebens gekommen sind.» Und er ergänzte: «Das sind potenzielle Sozialhilfebezüger, die uns immer und ewig auf der Tasche liegen würden.»

SVP-Hardliner Andreas Glarner steht dem ARD Red und Antwort.

21.9.2015: SVP-Hardliner Andreas Glarner steht dem ARD Red und Antwort.

Reporter Matthias Ebert vom ARD-Morgenmagazin berichtet vom Flüchtlings-Streit in Oberwil-Lieli.

Reporter Matthias Ebert vom ARD-Morgenmagazin berichtet vom Flüchtlings-Streit in Oberwil-Lieli.

 

Nun war es wieder so weit. In der Zwischenzeit hat Studentin Johanna Gündel Glarner die Stirn geboten und an der Gemeindeversammlung per Antrag bewirkt, dass Oberwil-Lieli nun doch acht Asylbewerber aufnehmen wird.

Morgenmagazin-Reporter Matthias Ebert trifft sie und lässt den ARD-Bericht Revue passieren. «Ich war empört», beschreibt Gündel ihre Reaktion auf die Aussagen Glarners.

Studentin Johanna Gündel lässt zusammen mit dem Reporter den Bericht Revue passieren.

Studentin Johanna Gündel lässt zusammen mit dem Reporter den Bericht Revue passieren.

Sie nimmt den Journalisten mit zu einer Sitzung ihrer Gruppe «Bündnis für ein solidarisches Oberwil-Lieli», die eine direkte Reaktion auf die Berichterstattung ist. «Gerade dieser ARD-Bericht hat uns motiviert, uns zu organisieren», so Bündnis-Mitglied Thomas Gull. Er ergänzt: «Ich wurde im Büro von Kollegen mit ‹Wo wohnst Du denn?› angesprochen».

«Der ARD-Bericht hat uns provoziert», sagt Thomas Gull vom Bündnis «Für ein solidarisches Oberwil-Lieli»

«Der ARD-Bericht hat uns provoziert», sagt Thomas Gull vom Bündnis «Für ein solidarisches Oberwil-Lieli»

Ähnlich ging es Dominique Lang. Sie wolle sich wehren, dass Andreas Glarner in der Öffentlichkeit stets im Namen von ganz Oberwil-Lieli spricht. «Alle wussten: ‹Das ist dieses fremdenfeindliche Oberwil›» Und: «Dieses ‹Wir›, das bin nicht ich», sagt Lang.

Auch Glarner selbst, der nach dem ersten ARD-Beitrag in den Nationalrat gewählt wurde, setzt sich nochmals mit dem Reporter an einen Tisch. Auf die Frage, ob er mit einer solchen Gegen-Reaktion im Dorf gerechnet habe, sagt Glarner: «Wir wussten immer, dass es ungefähr 20 Prozent Linke gibt in Oberwil-Lieli.»

Zu den Gründen, weshalb sie an der Gemeindeversammlung unterlagen, sagt Glarner. «Die Gegner haben zünftig und früh mobilisiert. Unsere Seite hat sehr spät mobilisiert.» Zur Tatsache, dass die Flüchtlings-kritischen Menschen in Oberwil-Lieli nun Gegenwind haben, meint Glarner: «Es ist okay.»

Gemeindeammann Andreas Glarner im Gespräch mit Reporter Matthias Ebert.

Gemeindeammann Andreas Glarner im Gespräch mit Reporter Matthias Ebert.

Trotzdem muss Glarner eingestehen: «Es war für uns negativ, dass unsere Gemeinde in Verruf kam.» Doch mit der schlechten Presse kann er offensichtlich leben.

Glarner: «Es sind ja Dutzende Gemeinden im Aargau, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Wir kamen einfach ein bisschen ins Visier.»

Zum Schluss des Berichts zieht der ARD-Reporter dann aber doch noch ein versöhnliches Fazit: «Für mich haben Johanna und die anderen den Ruf des Dorfes gerettet.» (rhe)

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