Oberwil-Lieli
Glarner über seinen Rückzug: «Mein Entscheid ist auch zum Wohle des Dorfes»

Der SVP-Hardliner will sich auf sein Nationalrats-Mandat konzentrieren und verzichtet dafür auf einen weiteren Wahlgang als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli.

Dominic Kobelt
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«Guter Zeitpunkt für einen Rückzug»: Andreas Glarner. Alex Spichale/Archiv

«Guter Zeitpunkt für einen Rückzug»: Andreas Glarner. Alex Spichale/Archiv

Alex Spichale

Der Aargauer Nationalrat und SVP-Asylchef Andreas Glarner tritt bei den Gemeinderatswahlen in Oberwil-Lieli im Herbst nicht mehr an. «Hauptsächlich, weil ich mich auf mein Nationalratsmandat und meine Tätigkeit als Unternehmer konzentrieren möchte», sagt Glarner. In seiner Funktion als Verantwortlicher für das Thema Migration wolle er in Bern vermehrt Kontakt zu den Abteilungen aufbauen, etwa zum Staatssekretariat für Migration.

Das brauche viel Zeit. Zudem sei er fast jeden Abend unterwegs, um Veranstaltungen zu besuchen und Vorträge zu halten. «Ich war 20 Jahre lang im Gemeinderat von Oberwil-Lieli, zwölf davon als Gemeindeammann. Das ist genug. Die Gesamterneuerungswahlen sind ein guter Zeitpunkt für einen Rückzug.»

«Zum Wohle der Gemeinde»

Als weiteren Grund führt der SVP-Hardliner an, er wolle «Druck von der Gemeinde nehmen». Konkret: «Immer wenn ich in Bern etwas gesagt habe, fiel das auf Oberwil-Lieli zurück. Ausserdem: Dass ich nicht mehr antrete, wird den Wahlkampf entschärfen. Mein Entscheid ist auch zum Wohle des Dorfes.» Haben also die vielen Provokationen, für die Glarner bekannt ist, der Gemeinde geschadet? «Nein, keinesfalls. Was allenfalls nicht so positiv war, war die Dauerpräsenz von Oberwil-Lieli in den Medien im Zusammenhang mit dem Asyl-Thema. Aber das haben die Medien auch immer wieder aufgegriffen und hochgekocht.» Man müsse auch sehen, schiebt Glarner nach, dass die Gemeinde besser denn je dastehe. «Unsere Nachbargemeinde Berikon, wenige Kilometer entfernt, hat einen Steuerfuss von 92 %, anderthalbmal so hoch wie wir. Wir haben sehr tiefe Schulden und gute Infrastruktur.»

Bei einer so gut aufgestellten Gemeinde müsste der Job des Gemeindeammanns ein leichter sein? «Ja, wenn man es vom unternehmerischen Ansatz her betrachtet, ist das so. Es brauchte aber den Entscheid, das Risiko zu nehmen, mit dem tiefen Steuersatz auch einmal weniger Steuern einzufahren. Das war mutig. Zudem sind wir immer haushälterisch mit unseren Mitteln umgegangen.»

Andreas Glarner lässt kaum eine Bühne aus.
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Andreas Glarner lässt kaum eine Bühne aus.

Keystone

Die SVP hat noch keinen Nachfolger, der für Glarner antreten könnte. «Die Partei war genauso überrascht wie alle anderen. Wir werden in nächster Zeit Gespräche führen», sagt Glarner. «Es ist aber nicht so wichtig, dass jemand von der SVP nachrückt, sondern, dass es einen bürgerlichen Kandidaten gibt.» Damit spielt Glarner auf den neu gegründeten Verein «Lebenswertes Oberwil-Lieli» an, der im Herbst mit zwei Kandidaten antreten möchte. Welche das sind, ist noch nicht bekannt. «Wenn man schaut, wer mitmacht, dann sind das alles Leute aus der IG Solidarität. Ich glaube nicht, dass die unternehmerisch mit Geld umgehen. Das hat unsere Gemeinde nicht verdient», so der Gemeindeammann.

Der Verein «Lebenswertes Oberwil-Lieli» sieht sich zwar nicht als Gegenbewegung zu Glarner, klar ist aber, dass er das Gegenteil von seiner Politik verkörpert. Der Verein will für «erschwinglichen Wohnraum» und eine «ausgewogene Durchmischung der Bevölkerung» sorgen und stehe allen offen, die sich «zukunftsorientiert und konstruktiv» im Dorf einsetzen wollten.

Den Kommentar dazu lesen Sie hier.