Im Rahmen der Diskussion um einen Sozialhilfebezüger, der sich unkooperativ verhalten haben soll, setzte Andreas Glarner ein Kopfgeld für die Bekanntgabe des Namens des Sozialhilfebezügers aus. Dieser reichte gegen Glarner, SVP-Grossrat und Fraktionspräsident der SVP Aargau, Strafanzeige wegen Drohung und Nötigung ein.

"Man erschrickt jedes Mal, wenn man so einen Bescheid erhält – man erfährt von der Strafanzeige ja erst, wenn es vorbei ist", sagt Glarner dazu. Er ärgert sich, dass ein Beschuldigter nicht über ein laufendes Verfahren informiert wird. "Ich habe ihm ja sogar einen Job angeboten. Das hätte ich natürlich nicht gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass er Strafanzeige gegen mich eingereicht hat."

Die Vorgeschichte

Die Geschichte um den Sozialhilfebezüger nahm Anfangs Jahr ihren Lauf: Die Gemeinde Berikon kürzte dem 23-jährigen Mann die Sozialleistungen, weil er sich unkooperativ verhalten haben soll. Das Bundesgericht hielt fest, dass sich die Gemeinde widerrechtlich verhalten habe.

Glarner setzte darauf hin 1000 Franken für Hinweise auf die Identität des Sozialhilfebezügers aus. Dieser reichte Ende Februar Strafanzeige ein. Die Anzeige wegen Drohung zog er im Juli wieder zurück. Die Anzeige wegen Nötigung wies die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten zurück, die Nichtannahmeverfügung publizierte Glarner unzensiert auf seiner Facebook-Seite.

Der Sozialhilfebezüger sei vor dem Aufruf Glarners bereits in den Medien präsent gewesen, hält die Staatsanwaltschaft fest und verweist auf ein Interview im "Blick". Der Tatbestand der Nötigung habe den Schutz der Freiheit der Willensbildung, Willensentschliessung und Willensbetätigung zum Ziel und sei unter den konkreten Umständen "eindeutig nicht erfüllt".

Glarner hat die gesamte Strafanzeige veröffentlicht, in der auch der Name des Sozialhilfebezügers drauf steht. "Der Name ist ja schon draussen, da muss ich mich nicht zurückhalten. Ausserdem muss die Öffentlichkeit davon erfahren. Es kann doch nicht sein, dass ein Verfahren gegen einen läuft und man weiss nichts davon", sagt Glarner zu seinen Beweggründen, die Nichtannahmeverfügung zu veröffentlichen. "Ich werde in Zukunft jede Strafanzeige veröffentlichen", so Glarner. Er sei schon ein paar Mal angezeigt worden.

Hauswart-Job ist "super Erfolgsstory"

Der Sozialhilfebezüger sei mit allen Wassern gewaschen, sagt Glarner. Etwas Positives hat er der Geschichte trotzdem abzugewinnen: "Die Jobs, die ich angeboten habe, sind in der Zwischenzeit vergeben. Im Falle des Jobs als Hauswart war das eine super Erfolgsstory."

Ein Mann habe sich über Facebook gemeldet, als er von der Geschichte erfahren habe, weil er selber auch keine Arbeit gefunden habe. "Er sagte mir, er würde diesen Job sofort machen. Er kam vorbei und wir haben ihn eingestellt, er macht seinen Job gut", erzählt Glarner.