Um das Wichtigste vorwegzunehmen: eine grossartige Leistung von ungefähr einhundert Mitwirkenden! Um etwas Vergleichbares in diesem Land erleben zu dürfen, müsste man wohl lange in der Landschaft herumkurven. Das Orchester, bei der Premiere unter der Leitung des schon jahrelang bewährten Dirigenten Andreas Joho, den Solistinnen und Solisten: Erich Bieri, Bass- Bariton, in der Doppelrolle des Grafen Lichtenfels und Fürst Tschang, Cecilia Berglund, Sopran, als dessen Tochter Lisa, Daniel Camille Bentz, Tenor, in der Rolle des Grafen Gustav von Pottenstein, Daniel Zihlmann, Tenor, als Prinz Sou-Chong, Anna Gössi, Sopran, als dessen Schwester «Prinzessin Mi» meisterten ihre Partien mit Bravour.

Man braucht wohl keinem Einzelnen ein separates Kränzchen zu winden: Alle hätten ein solches mehr als verdient. Makellose Intonation, rhythmische Präzision, stimmlicher Glanz und schauspielerisches Können – das muss man erst mal hinkriegen – nicht nur in Paris oder Wien. Aber in einem Städtchen wie Bremgarten: schlicht verblüffend. Paul Suter leistete brillante Regiearbeit für die Inszenierung eines Spagats zwischen zwei Welten – Wien, im bereits maroden Kaiserreich und China, dem immer unübersehbareren Stern am Horizont. Eine zwar opulente Salonwelt im ersten Akt, mit dazu hervorragend kostümierten Darstellerinnen- und Darstellern war nicht überzeichnet, sondern beschränkte sich auf typisierende Formsprache.

Im zweiten und dritten Akt, wo wir uns als Zuhörer(innen) und Zuschauer in China befinden, wird auch da weder im Bühnenbild noch in der Kostümierung überzeichnet. Erst im dritten Akt kommt etwas von fernöstlicher Exotik über die Rampe. Aber auch da nicht des Guten zu viel. Der Chor sang mit einer ansteckenden Vergnügtheit im ersten Akt. Die Strenge am kaiserlichen Hof Chinas verkörperte er durch seine stampfenden Aufmärsche, die geradezu militärische Kostümierung und den pentatonischen Gesang. Mit dem gekonnten, erforderlichen Hüftschwung – dieser war natürlich die Herzensangelegenheit der Balletttruppe, dem Temperament, der choreografischen Perfektion und dem Charme, war sie einfach hinreissend, diese Truppe!

Allen Interessierten kann deshalb ein Besuch der Operette nur wärmstens empfohlen werden. Bis zur Derniere am 23. Mai sind noch 24 Aufführungen angesagt.