Mit ihrer elektrischen Gitarre in der Hand und ihrer kecken Frisur wirkte Inbar Fridman eher wie eine Punksängerin als eine Jazzgitarristin. Der erste Eindruck täuschte. Mit ihrer feinen, leisen Stimme begrüsste die 40-jährige Israelin das Publikum und stimmte ein eher langsames Lied an. Typisch für ihre Musik hatten die selbstkomponierten Songs etwas sehr Weibliches und Wehmütiges. Die Klänge, die sie ihrem Instrument entlockte, versetzten ihre Zuhörer an einen anderen Ort in einer anderen Zeit.

Für einen musikalischen Kontrast sorgten Florent Nisse am Kontrabass und Stefano Lucchini am Schlagzeug. Die beiden schafften Kraft und Dynamik, wo Inbar ihre eher verletzliche und sanfte Seite spielen liess. In mehreren Soli demonstrierten sie ihr Können und zeigten ein präzises Gefühl sowohl für die langsameren wie auch die schnelleren Rhythmen.

Special Guest Aaron Goldberg, der für sein Talent und seine Fingerfertigkeit in der Jazzwelt bekannt ist, brachte den Abend musikalisch auf das nächste Level. «Normalerweise kann ich mir die Namen der unzähligen Künstler nicht merken, doch Aaron Goldberg blieb mir bis heute im Gedächtnis», sagte Karin Anderegg, eine treue «Musig im Pflegidach»-Besucherin. Auch diesmal wurde Aaron seinem Ruf gerecht und zog den Konzertsaal in seinen Bann. Vor allem für seine eindrücklichen Improvisationen, die er in Inbars Eigenkompositionen einstreute, erntete er kräftigen Applaus. Inbar hat Aaron in New York kennen gelernt, wo sie mehrere Jahre gelebt hat.

Reden ist Silber, zuhören Gold

Besonders beim Lied «Big Momo» zog Aaron die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Der Titel erinnerte an das kleine Mädchen Momo aus der Geschichte von Michael Ende. Es besitzt eine besondere Gabe: Momo kann gut zuhören. Doch damit ist sie nicht die Einzige. Auch Inbar konnte dies. Zwischendurch setzte sie sich auf den Stuhl und gab sich der Musik komplett hin. Dabei erschien ein erfülltes Lächeln auf ihrem Gesicht. Die Musik ist ihre non-verbale Sprache – sie sei eher introvertiert und drücke sich lieber mit ihrer Gitarre aus als mit Worten, sagte sie nach dem Konzert im Interview. Ihre Aufgabe als Bandleaderin nimmt sie sehr ernst, will Rücksicht auf andere Menschen nehmen und ihnen gut zuhören, wenn sie etwas zu sagen haben. Am einfachsten war es für das Publikum, dem Auftritt zu lauschen – an diesem Abend konnte man sogar Träume hören.

Musik in der Deutschstunde: Schülerinnen und Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.