Muri
Gipfeltreffen in der Klosterkirche: Wenn der Abt mit dem Herzog

Am 950. Weihetag der Klosterkirche kam es zu einem historischen «Gipfeltreffen» zwischen dem Abt des Klosters Einsiedeln und Erzherzog Simeon von Habsburg.

Jörg Baumann
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Beinahe wie vor Jahrhunderten: Der Einsiedler Abt Urban Federer (links) traf beim Mittagessen Erzherzog Simeon von Habsburg. BA

Beinahe wie vor Jahrhunderten: Der Einsiedler Abt Urban Federer (links) traf beim Mittagessen Erzherzog Simeon von Habsburg. BA

Der Murianer Pfarrer Georges Schwickerath traf am 950. Weihetag der Klosterkirche Muri den Nagel auf den Kopf: «Die alte Dame Klosterkirche hat viele gute Freunde», sagte Schwickerath im Pontifikalgottesdienst zum 950. Weihetag der Klosterkirche, an dem die «Messe von Muri» von Valentin Rathgeber aufgeführt wurde. «Unsere Kirche ist kein Museum, sondern lebendig. Darin werden regelmässig Gottesdienste gefeiert», sagte der Dorfpfarrer. Das 1841 aufgehobene Kloster Muri und die Klosterkirche leisteten in der Region einen grossen kulturellen Beitrag.

«Amuse Bouche» zu grossem Fest

In Muri kam es am Weihetag zu einer historischen Begegnung zwischen Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, und Erzherzog Simeon von Habsburg. Es waren Mönche von Einsiedeln, die das 1027 von den Habsburgern gestiftete Kloster Muri im 11. Jahrhundert als Erste besiedelten. Das Kirchweihfest sei dreizehn Jahre vor dem 1000. Geburtstag des Klosters Muri ein «Amuse Bouche» zu einem rauschenden Fest, meinte Abt Urban in seiner Festpredigt. Die Klöster Einsiedeln und Muri unterschieden sich in einem wesentlichen Punkt. Während das ferne Kaisergeschlecht der Ottonen Einsiedeln unterstützt habe, aber nicht verteidigen konnte, habe Muri mit den Habsburgern auf den «lokalen Adel» gesetzt. Damit sei Muri schnell zu einer ersten Blüte gelangt.

Eigentliche Kirchengebäude wie die Klosterkirche Muri habe es im frühen Christentum allerdings noch nicht gegeben, machte der Abt klar. Die christlichen Gemeinden hätten sich – wie in Muri – in Hauskirchen getroffen, die ihnen begüterte Familien und vor allem Frauen zur Verfügung gestellt hätten. «Eine Kirchweihe kann also nicht heissen: Wir feiern, dass wir Gott in diesem Kirchenraum eingefangen haben, dass wir wissen, ‹wo Gott hockt›», sagte er. «Denn Gott wurde schon gefeiert, bevor es solch schöne Kirchen wie diese hier in Muri gab. Gott war schon immer da.» Kirchweihe heisse auch, «dass wir die Botschaft von Christi Hingabe am Kreuz und seine Auferstehung hinaus in den Alltag tragen sollen». Sie sei ein Auftrag für andere da zu sein und «selbst heilende Gegenwart für andere zu sein».

Tradition in Zukunft überführen

Im Gottesdienst übergab Schwester Veronika Odermatt aus dem Kloster Fahr der Kirchgemeinde eines der dreizehn Altartücher, die im Fahr hergestellt und mit Spendengeldern bezahlt wurden. Beim Mittagessen würdigte Kirchenpflegepräsident Thomas Suter die grosse Klostertradition von Muri. Ungezählte Helferinnen und Helfer mit Martin Egli, dem Präsidenten der Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri, an der Spitze hätten sich für das Kirchweihfest eingesetzt. Pater Benedikt Staubli aus Muri, früher Pfarrer in Boswil und heute Dekan im Kloster Muri-Gries und Stellvertreter des Abtes, erinnerte als ehemaliger Ministrant in Muri daran, dass das Kloster und die Klosterkirche im Lauf der Jahrhunderte manche Stürme, aber auch Aufschwünge erlebt habe. Gemeindepräsident Hampi Budmiger wünschte der Klosterkirche eine gute Zukunft, «die wir gemeinsam angehen wollen». Pflegi-Präsident Franz Hold erklärte, dass er jedem privaten Gast die Klosterkirche zeige. Für die Pflegi, die einen grossen Teil des ehemaligen Klosters besitzt, sei die Klosterkirche wichtig.