Niederwil
Ging es bei einer Bauvergabe mit unrechten Dingen zu?

Schulhausneubau und Renovierung der beiden Schulhäuser in Niederwil sind 1,5 Millionen Franken teurer als das Angebot bei der Bauvergabe. Dies bringt zwei Architekten der Konkurrenz auf die Palme. Sie fordern den Gemeinderat zur Stellungnahme auf.

Dominic Kobelt
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So könnte das neue Schulhaus Riedmatt 3 einst aussehen. Gewonnen hat das Projekt der ad Architekten AG. Visualisierung/zvg

So könnte das neue Schulhaus Riedmatt 3 einst aussehen. Gewonnen hat das Projekt der ad Architekten AG. Visualisierung/zvg

Nachdem bekannt wurde, dass der Schulhausneubau Riedmatt 3 und die Renovierung der beiden bestehenden Schulhäuser in Niederwil teuerer kommen als erwartet, erhoben die beiden Architekten Markus Zoller und Philippe Hüsser schwere Vorwürfe (az vom 14. April). Sie hatten ebenfalls am Projektwettbewerb teilgenommen, unterlagen aber dem Projekt der a4D Architekten AG aus Muri.

Dass das Siegerprojekt statt 9 Mio. Franken nun 10,5 Mio. Franken kosten sollte, war für Zoller und Hüsser «schwer nachvollziehbar»: «Das Kostendach war klar definiert. Für einen Planer ist es daher eine Selbstverständlichkeit, die Kostenobergrenze einzuhalten oder bereits in der Phase des Wettbewerbs aufzuzeigen, dass die finanziellen Vorstellungen nicht mit den geforderten Parametern in Einklang zu bringen sind.»

Der Hauptkritikpunkt, den Zoller und Hüsser vorbrachten, war die Honorarofferte: Das Siegerteam Menzi/Gubler habe das mit Abstand günstigste Honorarangebot eingereicht. «Es war derart tief, dass es unmöglich erschien, zu dem offerierten Honorar eine Projektausarbeitung mit Baueingabe und einem detaillierten Kostenvoranschlag zu erstellen», so der Vorwurf. «In diesem Zusammenhang betrachtet, ist die Aufstockung des Baukredites ein Indiz einer unseriösen Offerttaktik.» Das Honorar stehe im direkten Zusammenhang mit den Baukosten. Folglich verursachten höhere Baukosten auch ein höheres Architekturhonorar.

Gemeinsame Erklärung

Der Gemeinderat führte darauf hin mit den beiden Architekten am 18. April ein Gespräch, um die aufgeworfenen Fragen zu klären, wie es nun in einer gemeinsamen Erklärung heisst. Die wohl wichtigste Feststellung: «Das Submissionsverfahren, welches im Zeitraum März bis August 2015 durchgeführt wurde, ist korrekt abgelaufen. Gegen den gemeinderätlichen Vergabeentscheid wurde das Rechtsmittel nicht ergriffen.»

Es wird aber auch erklärt, warum die Anschuldigungen von Zoller und Hüsser grösstenteils unzutreffend waren. Der Wettbewerb beinhaltete zwei Phasen. Das erste, in Phase 1 eingereichte Honorarangebot des Siegerteams für das Vor- und Bauprojekt belief sich auf 159 000 Franken. Der Gemeinde hat diese Summe aber «zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit mit weiteren Honorarangeboten» angepasst. «Die honorarberechtigte Bausumme (Kostenschätzung +/–25 %) der Sieger wurde auf 6 Mio. Franken korrigiert.» Daraus resultierte ein neues Honorar von rund 212 000 Franken.

Die nun entstandenen Mehrkosten in der Projektierungsphase verursachen eine Honorarerhöhung von rund 40 000 Franken und kommen auf etwa 255 000 Franken, heisst es in der Stellungnahme weiter. Im Vergleich dazu hatten Zoller und Hüsser in ihrer Offerte eine Pauschale von 270 000 Franken verlangt.

Kostenänderung im Rahmen

Es wird nochmals betont, dass mit den aktuell veranschlagten Kosten in der Höhe von 10,5 Mio Franken die Änderung im Umfang von 8 % «im Rahmen der Kostengenauigkeitsvorgaben gemäss SIA-Normen» liegen würden. «Diese Abweichungen betreffen hauptsächlich den Umbau der beiden bestehenden Schulhäuser, bei denen durch die Projektbearbeitung entsprechend umfangreichere Detailkenntnisse vorhanden sind.»

Dass das Projekt um 450 m3 oder 130 m2 erweitert wurde, sei «Resultat der laufenden Projektverfeinerung und -optimierung aufgrund der Nutzeranforderungen.» Zum Zeitpunkt des Zuschlags habe das Siegerprojekt das geforderte Raumprogramm zu 100% erfüllt.

Zoller und Hüssser warfen dem Gemeinderat weiter vor, dass er die geänderten Brandschutzvorschriften als kostentreibenden Faktor erwähnte. «Die Brandschutzvorschriften wurden per 1. Januar 2015 geändert, die Erarbeitung des Wettbewerbsprojektes erfolgte zwischen April und August 2015.» In diesem Punkt räumt der Gemeinderat einen Fehler ein: «Die Aussage seitens der Gemeinde, dass grössere Kostensteigerungen auf die neuen Brandschutzvorschriften zurückzuführen sind, ist nicht korrekt.»