Sex-Geschäft

Gigolo Renato aus Niederwil: «Callboys sind keine Chippendales-Supertypen»

Renato aus Niederwil hat eine besondere Passion: Er ist Callboy. Der 37-Jährige erzählt, welcher Typ Frau seine Dienste in Anspruch nimmt und was er bei Blick in Dutzende Schlafzimmer gelernt hat.

Pfff, pfff, pfff. «Vor jedem Date trage ich ein wenig `Acqua de Gio` von Armani auf – ein guter Duft gefällt den Frauen.» Callboy Renato (37) ist der Traum einsamer Damen-Herzen und betreibt das schweizweit grösste Callboy-Portal. Der Aargauer weiss, wovon einsame Frauenherzen träumen. Kölliken, Weggis oder Wien – Renato kommt immer. Als Highlight geht’s auch mal für eine Woche Ferien nach Dubai. Palmen, Strand und wilder Sex im luxuriösen «Burj al Khalifa». Die Ladies sind meist zwischen 35 und 60 Jahre alt. «Jede Frau will das Gefühl haben, dass sie einzigartig und ganz besonders begehrt ist.»

Callboy Renato ist der verschwiegene Gentleman für alle Fälle. «Diskretion und Zurückhaltung ist in diesem Job das A und O», stellt der Gigolo klar. «Ich bin kein Julio Iglesias, der prahlt, dass er mit 3000 Frauen im Bett war.» Auf fünf bis sechs Dates kommt er monatlich – das durchschnittliche Date dauert zwei Stunden und kostet 500 Franken. «Für Business-Ladies ist das kein Problem. Einige Frauen sparen regelrecht auf ein Date mit mir, andere zahlen mich aus der Haushaltskasse.»

«Der geborene Jäger»

Renato ist ein Künstlername, sein echter Name bleibt geheim. «Nicht alle sind so open-minded wie meine Eltern.» Die haben kein Problem mit dem frivolen Beruf ihres Sohnes. Auch Bruder Mailo war längere Zeit Callboy. Heute betreibt er nebenher fünf diskrete «Kuschelzimmer» an Autobahnausfahrten in der ganzen Schweiz. «Bei uns liegt das wohl in der Familie», lacht der smarte 37-jährige aus Niederwil. Früher war er als stellvertretender Filialleiter bei einem Detaillisten tätig, dann im Aussendienst für bekannte Marken der Nahrungsmittel-Industrie unterwegs.

«Ich decke alle Grundbedürfnisse ab: Essen, Trinken und Erotik.» Seine Kumpels vom heimischen Handballverein sind natürlich neugierig und machen Sprüche, wenn der rechte Flügel das Training mal wieder etwas früher abbrechen muss. «Mein Job regt die Männerphantasien ungemein an», lacht der Lover auf Abruf. Und meint: «Von zehn Männern wären sieben bis acht auch gern mal Callboy.»

«Früher war ich Frauen gegenüber eher zurückhaltend», erzählt Renato. «Ich war keiner, der im Ausgang jede Lady anquatschte.» Mit 32 meldet er sich auf einem Callboy-Portal an. «Mein erstes Date war in Basel. Eine recht flotte Museumsführerin, blond, um die 47. Ich hatte ein wenig Lampenfieber, aber alles lief gut ab.» Eine feste Beziehung hat und will Renato nicht. «Ich bin der geborene Jäger.»

Vor vier Jahren übernimmt der Aargauer das Portal www.callboys-schweiz.ch. 40 Callboys hat er mittlerweile im Rennen, gibt Anfängern in halbtägigen Callboy-Coachings Tipps und Wissenswertes weiter. Was etwa tun, wenn der Ehemann an der Türe klingelt? «Da hilft nur noch der Sprung aus dem Fenster, Verstecken im Schrank oder das klärende Gespräch.» Jetzt will der Aargauer Callboy-Zampano den deutschen und den österreichischen Markt erobern.

«Der ideale Callboy ist 26 bis 45 Jahre alt», erklärt Renato. «Er sollte ein guter Küsser sein, zuhören und lebenserfahren unterhalten können, perfekte Umgangsformen und Stil haben – der richtige Mix aus zärtlichem Kuschel-Kater und leidenschaftlichem Hengst macht es aus.» Wenn ein Mann zu schön sei, getrauten sich die Frauen nicht, ihn zu daten.

Callboys werden gebucht von Frauen, die kein Sicherheits-Risiko eingehen wollen. Frauen überlegen oft sehr lange, bevor sie sich einen Boy bestellen. «Alles muss sich topdiskret und seriös abspielen, die Damen wünschen auf keinen Fall Schmuddelkerle oder Emotions-Stalking. Frauen wollen keine Katze im Sack», sagt Callboy Renato. Deshalb hat Chef-Callboy Renato auf seinem Callboy-Portal das «Herzli»-Gütesiegel eingeführt: «Callboys mit einem silbernen `Herzli` sind von mir sorgfältig ausgebildet und geprüft worden. Sie kennen unseren Ehren-Kodex, sind menschlich korrekt und verfügen über einen aktuellen Gesundheits-Check inklusive HIV-Test.»

«Ganz normale Menschen»

«Frauen haben oft das Gefühl, wir Callboys seien alles optisch perfekte und muskelgestählte Chippendales-Supertypen. Wir sind meist ganz normale Menschen, einfach sexuell offener als der Durchschnitt.» Mittlerweile kennt sich Gigolo Renato in den Schweizer Schlafzimmern und Betten aus wie kaum ein zweiter. «Die Schweizerin sucht Nähe, Zärtlichkeit, Verlässlichkeit und Leidenschaft. Und dürfte oft ruhig etwas mehr aktiv aus sich herauskommen.» Oft höre man, die Männer könnten nicht gut küssen. «Es gibt auch Frauen, die nicht hinreissend küssen können.»

Ist die vernachlässigte, vereinsamte Hausfrau nicht einfach ein Klischee? «Keinesfalls», sagt Renato. «Manchmal staune ich selber, was für attraktive Frauen sich bei mir und meinen Boys melden. Die selbstbewusste Frau will auch mal einen sinnlichen Tapetenwechsel.» Gigolo Renato trinkt elegant einen Schluck Kaffee. Auf der Tischplatte vibriert bereits wieder das Handy.

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