Pestizid-Rückstände im Trinkwasser machen zurzeit (nicht nur) im Aargau Schlagzeilen. Das Amt für Verbraucherschutz hat darüber informiert, dass im Kanton zwei Wasserfassungen geschlossen werden mussten, weil die Rückstände des Pestizids Chlorothalonil die vom Bund vorgegebenen Höchstwerte massiv überschritten haben.

Welche Wasserfassungen es betrifft, gab das Amt nicht bekannt, was prompt zu Reklamationen von Politikern führte (die AZ berichtete).

ibw haben das Pumpwerk freiwillig geschlossen

Am Dienstagabend haben die Industriellen Betriebe Wohlen (ibw) darüber informiert, dass das Pumpwerk Eichholz wegen zu hoher Chlorothalonil-Werten vom Netz genommen worden ist. Freiwillig und vorsorglich, wie Peter Lehmann, Vorsitzender der ibw-Geschäftsleitung, erklärte: «Die Messwerte in dieser Fassung liegen zwar deutlich über dem vom Bund festgelegten Höchstwert, aber der Kanton hat von uns keine Schliessung verlangt.»

Die ibw, sagte Lehmann weiter, überprüften ihre Wasserfassungen regelmässig auf verschiedene Substanzen. Dabei sei Chlorothalonil bis jetzt allerdings nie ein Thema gewesen: «Erst Ende Juni hat sich das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) aufgrund einer Neueinschätzung des Gefahrenpotenzials an die Kantone gewandt und sie angewiesen, das Trinkwasser auch auf Chlorothalonil zu untersuchen.

Der Kanton hat diese Messungen in eigener Regie vorgenommen, wir von den ibw sind erst am Dienstag dieser Woche über die Resultate informiert worden», hält Giovanni Romeo, Geschäftsleiter IBW Technik AG, fest.

Das Wohler Wasser kommt zu rund 70 Prozent aus dem Grundwasserpumpwerk Hard II in Niederlenz. Die übrigen 30 Prozent verteilen sich auf die Quellen Anglikon, Ober- und Unterniesenberg und Entenweiher Büttikon, sowie auf die beiden Grundwasserpumpwerke Hagmatt und Eichholz.

Die ibw, erklärten Peter Lehmann und Giovanni Romeo, hätten den Kanton jetzt ersucht, alle Wohler Wasserfassungen auf Chlorothalonil zu untersuchen. Wenn diese Resultate vorlägen, werde man allenfalls nötige weitere Schritte in die Wege leiten und darüber auch wieder informieren.

Grundwasserpumpwerk Eichholz ist ein Sorgenkind

Das jetzt vorübergehend stillgelegte Grundwasserpumpwerk Eichholz ist für die ibw ein Sorgenkind, da hier meist nur unregelmässig Wasser gefördert werden kann. Nicht wegen Chlorothalonil, das bisher noch gar nicht gemessen wurde, sondern wegen zu hoher Nitratwerte. Das Einzugsgebiet dieses Grundwasservorkommens erstreckt sich über eine intensiv bewirtschaftete Landwirtschaftszone.

Es gibt zwar eine Schutzzone, aber diese reicht offenbar nicht aus. Sie allenfalls auszuweiten, wäre allerdings nicht Sache der ibw. «Sollte sich das als notwendig herausstellen, wären dafür die politischen Instanzen zuständig», sagte Lehmann.