Pestizid
Giftstoff-Rückstände in Wohler Trinkwasser – Versorger nimmt Pumpwerk ausser Betrieb

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Im Grundwasserpumpwerk Eichholz wurde der Grenzwert stark überschritten.

Im Grundwasserpumpwerk Eichholz wurde der Grenzwert stark überschritten.

zvg/Felix Wey

Im Wohler Trinkwasser wurden Abbauprodukte des Pestizid-Wirkstoffes Chlorothalonil in erhöhter Konzentration nachgewiesen. Das teilen die Industriellen Betriebe Wohlen, kurz ibw, am Dienstag mit. Demnach wurde der Grenzwert an zwei Entnahmestellen nicht eingehalten: Am Brunnen beim Bahnhof Wohlen war eine leichte, im Grundwasserpumpwerk Eichholz eine starke Überschreitung zu verzeichnen. Das Pumpwerk liegt in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet. Die ibw haben es umgehend und bis auf Weiteres ausser Betrieb genommen.

Gemäss der ibw steuert das Pumpwerk Eichholz drei bis vier Prozent zum Wohler Trinkwasser bei. Der Grossteil, rund 70 Prozent, liefert die Grundwasserfassung Hard II in Niederlenz. "Hier lagen die Messwerte weit unter dem zulässigen Höchstwert", schreibt der Kommunikationsleiter der ibw. Der Wasserversorger hat beim Amt für Verbraucherschutz eine Kontrolle seiner Quellen und Wasserfassungen beantragt.

Kanton nahm bereits zwei Fassungen vom Netz

Das Giftstoff-Problem geht über das Freiamt hinaus: Das Aargauer Amt für Verbraucherschutz fand in jeder dritten von 108 untersuchten Wasserproben Chlorothalonil-Rückstände in mindestens geringer Konzentration. Der Kanton nahm zwei Wasserfassungen vom Netz, weil der Grenzwert deutlich überschritten wurde. Dabei handelt es sich jedoch nicht um das Wohler «Eichholz».

Alda Breitenmoser, Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz, sagte bereits letzte Woche, dass niemand die Substanz im Wasser haben wolle, Chlorothalonil aber nicht akut giftig sei. Mit den eingeleiteten Massnahmen seien die Konsumentinnen und Konsumenten im Aargau vor gesundheitsschädlichem Trinkwasser geschützt, betont auch das Gesundheitsdepartement. Hahnenwasser könne weiterhin überall im Kanton getrunken werden.

Chlorothalonil – was ist das?

Es handelt es sich um einen Wirkstoff, der seit den 1970er Jahren gegen Pilzbefall im Ackerbau verwendet wird.

Er kommt vor allem im Anbau von Obst, Wein und Getreide zum Einsatz. Im Jahr 2017 wurden über 45 Tonnen des Fungizides auf Schweizer Äckern verteilt.

Ab einer bestimmten Konzentration kann der Stoff möglicherweise krebserregend und genverändernd wirken.

Anfang dieses Jahres hat die Europäische Union das Pestizid verboten. Wirksam wird das Verbot ab Anfang 2020.

Auch in der Schweiz will das Bundesamt für Landwirtschaft die Bewilligung für Chlorothalonil widerrufen. Wirksam wird dies aber voraussichtlich erst im Herbst. Bis dahin darf das Fungizid weiterhin genutzt werden.

Quelle: SRF

(mwa/nla)