In den Räumlichkeiten der Sozialen Dienste im Gemeindehaus Wohlen wurde kürzlich eine Angestellte Opfer einer Attacke. Eine dunkelhäutige Frau griff die Angestellte an, würgte sie mehrere Sekunden und schleuderte sie weg.

Dem Angriff war laut einem Zeugen ein Disput vorausgegangen. Die Gemeindeangestellte hatte der Frau erörtert, dass sie das Sozialhilfegeld für den Juli bereits erhalten habe und das Unterstützungsgeld für den August noch nicht fällig sei. Da drehte die Frau durch und griff an. Die Sozialen Dienste reichten Strafanzeige bei der Kantonspolizei ein.

Gemäss ärztlichem Attest ist die Sozialhilfebezügerin psychisch angeschlagen. Dass die Frau nach dem Angriff nicht in eine Klinik eingewiesen wurde, sondern am gleichen Abend in Wohlen spazierend gesehen wurde, löste Unverständnis aus. Die attackierte Angestellte erschien am nächsten Tag zur Arbeit. Derzeit weilt sie in den Ferien.

Ton ist rauer geworden

Der Übergriff war laut Urs Spillmann der «schlimmste Vorfall» in seiner siebenjährigen Tätigkeit als Leiter der Sozialen Dienste Wohlen. Dass der Ton zwischen Klienten und Angestellten auf Sozialämtern oder Betreibungsämtern rauer geworden sei und es gelegentlich zu verbalen Auseinandersetzungen komme, sei leider eine Tatsache.

Zumeist gelinge es, auf eine sachliche Ebene zurückzufinden, die Situation zu entschärfen und sich vernünftig auszutauschen. Vor Handgreiflichkeiten, die in Wohlen sehr selten vorkämen, sei aber leider niemand gefeit.

Wie steht es um den Schutz der Angestellten im Gemeindehaus? «Wir haben in unserer Abteilung Soziale Dienste einen offenen Schalter mit Grossraumbüro», sagt Spillmann. Diesen offenen Schalter, der auch Anlaufstelle für Leute mit diversen Anliegen sei, wolle man beibehalten.

Im Grossraumbüro bleibe ein Fluchtweg stets offen. Auch gelte die Regel, dass sich stets zwei Angestellte im Grossraumbüro aufhalten müssen. Vertrauliche Gespräche werden in Wohlen in Einzelbüros geführt. Diese Büros sind nicht frei zugänglich, sie können ausschliesslich von Angestellten geöffnet werden. Weitere Sicherheitsvorkehrungen gibt es im Gemeindehaus nicht.

Kritischer Fall auch in Muri

In Muri wurde vor wenigen Monaten ein Fall vor Gericht verhandelt, in dem ebenfalls Mitarbeiter des Sozialamts bedroht wurden, allerdings «nur» verbal, zu einem tätlichen Angriff kam es nicht.

Der 47-jährige Schweizer hatte in einem Mail geschrieben: «Sie wollen doch nicht einen zweiten Leibacher ...». Wegen versuchter Drohung und Gewalt gegen Behörden und Beamte und mehrfacher Beschimpfung sprach das Gericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten aus, wobei diese zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben wurde.

Anders als Spillmann kann die Murianer Gemeinderätin Yvonne Leuppi nicht bestätigen, dass der Umgangston rauer geworden sei. Dem seit August 2013 im Amt stehenden Leiter der Sozialdienste seien auch keine Angriffe bekannt.

«Beschimpfungen – im Sinne des Strafgesetzbuches – sind bis zu sechs pro Jahr zu verzeichnen, Drohungen werden im Schnitt pro Jahr von einer Person ausgesprochen. Allerdings droht die gleiche Person oft wiederholt, und die Drohungen können sich auch gegen mehrere Gemeindeangestellte oder Behördenvertreter richten», sagt Leuppi.

Um die Angestellten zu schützen, hat die Gemeinde verschiedene Massnahmen ergriffen. Dazu gehören Kenntnisse in Konfliktmanagement und Gesprächsführung, dass Gespräche zu zweit oder unter angekündigtem Beizug eines Behördenmitgliedes oder der Polizei geführt werden sowie auch bauliche Massnahmen.