Niederwil
Gewichtslimiten: Warum das Verbot nur Private tangiert

Dass die Limite von 3,5 Tonnen auf der Gnadenthalbrücke nur für den Privatverkehr gilt, ist laut Regierungsrat keine Schikane. Denn das Risiko einer Gewichtsüberschreitung sei beim öffentlichen Verkehr kleiner als beim Individualverkehr.

Fabian Hägler
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Erst mit der neuen Gnadenthalbrücke können die Gewichtsprobleme gelöst werden.

Erst mit der neuen Gnadenthalbrücke können die Gewichtsprobleme gelöst werden.

visualisierung/zvg

«Einmal mehr wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) gegenüber dem öffentlichen Verkehr (öV) diskriminiert», kritisierten die beiden SVP-Grossräte Martin Keller (Obersiggenthal) und Oliver Flury (Lenzburg) in einer Interpellation zur Gewichtslimite auf der Gnadenthalbrücke. Die Parlamentarier argumentierten, private Automobilisten würden bei einer Überschreitung von 300 Kilogramm gebüsst – dies im Gegensatz zum öffentlichen Bus, «der bei Vollbesetzung ein Gesamtgewicht von 18 Tonnen aufweist».

Keller und Flury fragten, weshalb die Gewichtslimiten für MIV und öV unterschiedlich sind und weshalb der 18 Tonnen schwere Bus die Gnadenthalbrücke trotz der 12-Tonnen-Limite befahren dürfe.

Limite basiert auf Berechnungen

Der Regierungsrat führt aus, die im März beschlossene Reduktion der Gewichtslimite von 18 auf 3,5 Tonnen basiere «auf statischen Berechnungen unter Einbezug der Querschnitte der angerosteten Stahlprofile» und sei nicht willkürlich. Der bauliche Zustand der Gnadenthalbrücke, insbesondere der Stahlkonstruktion, habe sich so verschlechtert, dass die Limite von 18 Tonnen «nicht mehr verantwortet werden kann», ergänzt der Regierungsrat.

Die unterschiedlichen Gewichtslimiten sind laut dem Regierungsrat «dadurch begründet, dass beim MIV das Risiko einer Überschreitung der Gewichtslimite um ein Vielfaches grösser ist als beim öV». Seit über 20 Jahren führe die Kantonspolizei Kontrollen an Brücken an Kantonsstrassen durch. Dabei stellt sie laut dem Regierungrat «regelmässig markante Gewichtsüberschreitungen fest».

Bus wiegt kaum über 12 Tonnen

Auf der Buslinie über die Brücke Gnadenthal verkehren laut Antwort des Regierungsrats zwei unterschiedliche Fahrzeugtypen. «Die schwereren Fahrzeuge haben ein Leergewicht von 10 bis 11 Tonnen; in der Praxis wird deshalb in der Regel ein Gesamtgewicht von 12 Tonnen nicht überschritten», schreibt die Regierung. Zu berücksichtigen sei auch die dynamische Wirkung der Fahrzeuge auf die Brücke. Bei den öV-Fahrzeugen sei diese geringer als bei Fahrzeugen für den Gütertransport.

Der Regierungsrat setzt laut seiner Antwort alles daran, zu schwache Brücken rechtzeitig zu verstärken oder zu ersetzen. Vorschläge für einen Ersatz der Brücke Gnadenthal wurden schon Anfang der 80er-Jahre sowie Ende der 90er-Jahre vorgelegt, scheiterten damals aber am politischen Widerstand.

Inzwischen wurde für die neue Brücke Gnadenthal das generelle Projekt erstellt. Noch diesen Sommer ist die öffentliche Anhörung über den Grosskredit für den Ersatz der Brücke Gnadenthal vorgesehen, danach wird die Vorlage dem Grossen Rat zum Entscheid unterbreitet.