Von unverschämten Lohnzahlungen war am Freitagabend die Rede. Zwar ging die Informationsveranstaltung der SVP Bezirk Muri gemässigt vonstatten; eine gewisse Spannung zwischen den Kontrahenten war dennoch zu spüren.

Grund dafür war die geteilte Meinung bezüglich der teils frappanten Lohnschere zwischen Arbeitnehmern und Topmanagern. SP-Nationalrat Max Chopard machte klar, dass ein Manager mit der 1:12-Initiative immer noch mehr als genug verdienen würde, und rechnete vor: «Geht man von einem Tiefstlohn von 4000 Franken aus, verdient ein Manager immer noch 576 000 Franken im Jahr.»

Ausreisser nach oben

Jahressaläre von über 10 Millionen Franken – wie im Fall von ABB – seien unanständig und stünden in keinem Verhältnis zu den Normallöhnen, meinte Chopard und fügte an: «Durchschnittslöhne stagnieren seit Jahren; Ausreisser gibt es nur nach oben.»

Der Nationalrat ist überzeugt, dass mit der Volksinitiative 1:12 die frei werdende Lohnsumme besser verteilt werden könnte, als auf die 4400 Topmanager, die auf den Lohnlisten von Schweizer Unternehmen stehen.

Daran knüpfte SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht an, wetterte aber in die entgegengesetzte Richtung: «Sollen wir wegen ein paar Nasen mit exorbitanten Löhnen einen Kontrollapparat erschaffen?» Knecht ist der Ansicht, dass die Volksinitiative eine Lohndiktatur mit sich bringen würde und betonte: «Wir wollen keine staatlichen Lohnkontrolleure.»

Neid auf die Schweiz

Ein Blick nach Europa, insbesondere nach Frankreich, zeige, wohin ein Eingreifen in den Arbeitsmarkt führe, mahnte Knecht. «Wollen wir unsere gut funktionierende Wirtschaft – ein Erfolgsmodell, auf welches die EU-Staaten neidisch sind – aufs Spiel setzen?» Darüber hinaus seien die Auswirkungen auf die Sozialversicherungen nicht zu unterschätzen: «Wer finanziert die erheblichen Steuereinbussen?»

Kritische Stimmen aus dem Publikum stellten die Umsetzung der Volksinitiative 1:12 infrage. Unter anderem mögliche Schlupflöcher sowie die nicht leistungsgerechte Honorierung von Managern – weil diese mehr Verantwortung tragen und höhere Arbeitspensen haben – kamen dabei zur Sprache.

Befürworter Max Chopard wiegelte ab und wies auf die Wichtigkeit jedes einzelnen Mitarbeiters hin: «Damit ein Mehrwert überhaupt erschaffen werden kann, braucht es sogar den Hilfsarbeiter – alleine mit Topmanagern kann unsere Wirtschaft nicht funktionieren.»

Keine Heimchen am Herd

Bezüglich der Familieninitiative war man sich hingegen einig. Vielleicht auch deshalb, weil kein Gegner zur Stellungnahme eingeladen war. «Frauen, die zu Hause bleiben, sind keine Heimchen am Herd. Auch ihnen steht eine angemessene Anerkennung zu», betonte CVP Grossrätin Marianne Binder.

Zwar fasste die CVP eine Nein-Parole, Binder steht aber voll und ganz hinter der Initiative. Sie sprach von einer familienpolitischen Pendenz, die erledigt werden müsse.

Denn eine Frau, die ihre Karriere aufgebe, um in die Rolle der Familienmanagerin zu schlüpfen, verzichte gleichzeitig auf ein Einkommen und die damit verbundenen Sozialleistungen.

Dazu komme, dass die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen bei den Steuern in Abzug gebracht werden könne. «Das sollte auch für die Familienarbeit gelten», hielt die Grossrätin fest.

Andreas Glarner, SVP Grossrat, blies ins gleiche Horn. Er fügte hinzu, dass die Eigenbetreuung mithelfe, die Staatskosten zu senken. So seien weniger Krippenplätze nötig.