Veranstaltungstechnik
Gesundes Finanzpolster und kreative Ideen bringt Winkler durch die Krise

Die Lage bei der Wohler Firma Winkler Livecom ist ungemütlich. Es fehlen weit über 60 Prozent der Aufträge, sagt Mitinhaber Stefan Mathys. Den Umsatz zwischen 25 und 26 Mio. Franken werde man nicht erreichen, er liege dieses Jahr unter zehn Mio. Franken.

Nathalie Wolgensinger
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«Das Unterrichten an der Berufschule ermöglicht mir einen Zwischenverdienst», sagt Stefan Mathys, Mitinhaber Winkler Livecom.

«Das Unterrichten an der Berufschule ermöglicht mir einen Zwischenverdienst», sagt Stefan Mathys, Mitinhaber Winkler Livecom.

Andrea Weibel

Als der Bundesrat kürzlich die 50-Personen-Grenze für Veranstaltungen bekanntgab, seien die letzten Aufträge auch noch weggebrochen. Bis Juni des nächsten Jahres sind praktisch alle Veranstaltungen gestrichen. Unter anderem auch das WEF in Davos und die Weltausstellung in Dubai, bei denen die Wohler Firma Infrastruktur hätte liefern können. Beide Veranstaltungen werden aber in verkleinerter Form oder zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt. Der Grossteil der 70 Winkler- Mitarbeiter ist in Kurzarbeit, ausgenommen sind die Lernenden.

Die Firma hat aus der Not eine Tugend gemacht. «Wir bieten nun Streamingdienstleistungen an», erzählt Mathys. Diese würden vor allem von Firmen in Anspruch genommen, die ein grosses Publikum live erreichen wollen. Die Firma stellt das Studio mit professioneller Ausrüstung nicht nur zur Verfügung, sie streamt die Aufnahme auch ins Netz. Kleinere Aufträge brachten Gemeindeversammlungen in der Region ein, wo die Firma bei Planung und Durchführung mitarbeitete. «Bisher konnte ich ruhig schlafen», sagt Stefan Mathys. Die Winkler Livecom sei mit einem guten Finanzpolster in die Krise geschlittert. Davon hätte sie in den vergangenen Monaten zehren können und habe deshalb auch keinen Kredit des Bundes in Anspruch nehmen müssen.

Sie stellen sich auf die veränderten Bedingungen ein

Nicht bewahrheitet hat sich seine Einschätzung bezüglich Generalversammlungen. Im Frühling war er überzeugt, dass diese nach Corona weiterhin virtuell durchgeführt würden. «Die Menschen schätzen an diesen Veranstaltungen die Gesellschaft», sagt er nun. Mathys ist überzeugt, dass die Einführung eines Impfstoffes die Kundschaft wieder optimistischer werden lasse und ihnen wieder Aufträge bringen werde. Bis dahin gelte es, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. Der Mitinhaber geht mit gutem Beispiel voran. Er unterrichtet an der kaufmännischen Berufsschule in Wohlen die Fächer Wirtschaft, Recht und Gesellschaft. «Das ermöglicht mir einen Zwischenverdienst», sagt er.