Gemeindefinanzen
Gesucht: Ein Rezept zur finanziellen Gesundung

Mutschellengemeinde will bei überparteilichem Polit-Hearing am 21. Oktober Lösungsansätze diskutieren.

Lukas Schumacher
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Berikon bietet den rund 4600 Einwohnern nicht nur attraktive Wohnlagen. Die Mutschellengemeinde besitzt seit vielen Jahren einen der tiefsten Steuersätze im Freiamt und im Aargau. 77 Prozent beträgt der aktuelle Beriker Steuersatz. Damit belegt Berikon in der Freiämter Steuerfuss-Tabelle 2010 Rang 3 hinter Oberwil-Lieli (72 Prozent) und Oberlunkhofen (75).

Finanzlage angespannt

Noch vor zwei Jahren brachte es Berikon auf ein Nettovermögen von über 10 Millionen Franken. Dieses Polster ist zünftig geschrumpft. Ursachen dafür sind hauptsächlich der endlich in Fahrt gekommene Bau der Mutscheller Sport- und Freizeitanlage Burkertsmatt sowie der ebenfalls angelaufene siedlungsorientierte Ausbau der Kantonsstrasse quer durch Berikon. Das aktuelle Vermögen dürfte schätzungsweise noch 2 Millionen Franken betragen.

Das Hauptproblem der angespannten Finanzlage sind freilich nicht die beiden erwähnten oder andere Investitionsausgaben. Vielmehr fehlen auf der Einnahmenseite einige 100000 Franken. Denn die Steuergelder sprudeln in Berikon nicht mehr so toll wie noch vor wenigen Jahren. Die Gemeinde bekundet Mühe, ihr budgetiertes Steuersoll 2010 zu erreichen. Vor einem Jahr versuchte der Gemeinderat, Gegensteuer zu geben. Er schlug vor, den Steuerfuss um 5 auf 82 Prozent anzuheben. Dies hätte der Gemeinde Mehreinnahmen in der Grössenordnung von 600000 Franken eingetragen (1 Beriker Steuerfuss-Prozent = rund 120000 Franken). Die Gemeindeversammlung lehnte die Steuererhöhung aber ab. 84 Versammlungsbesucher sagten Nein zum höheren Steuerfuss, 58 Besucher sagten Ja.

Rezeptsuche am 21. Oktober

Damit die jährlichen Einnahmen und Ausgaben wieder ins Gleichgewicht kommen, wird ein auf Berikon zugeschnittenes Rezept gesucht. An einem gemeinsamen Polit-Hearing vom Donnerstag, 21. Oktober, um 20 Uhr in der Beriker Staldenschür machen sich Vertreter der fünf politischen Ortsparteien sowie der fünfköpfige Gemeinderat Berikon auf Rezeptsuche. Dabei wird selbstverständlich die Frage erörtert, ob sich Berikon den tiefen 77-Prozent-Steuersatz auch im nächsten Jahr leisten kann. Auch die Ausgabenseite soll diskutiert werden.

Zudem will man längerfristige Massnahmen, die Geld in die Gemeindekasse spülen könnten – Umzonungen und Neueinzonungen von Gemeindeland –, aufs Tapet bringen. Oder bewirkt eine Einheitsgemeinde Mutschellen einen nachhaltigen Befreiungsschlag aus finanzieller Sicht? Beim Polithearing sollen auch Vor- und Nachteile eines politischen Zusammenschlusses von Berikon, Widen und Rudolfstetten-Friedlisberg angesprochen werden. Als Gesprächsleiter steht der Beriker Grossrat Gregor Biffiger im Einsatz.

Hünenbergs Trümpfe

Teil 1 des Polit-Hearings in Berikon bestreitet Hans Gysin (FDP), der Gemeindepräsident der 8500 Einwohner zählenden Zuger Gemeinde Hünenberg. Gysin, auch Finanzverantwortlicher der Wirtschaftsregion Zugwest, soll vor allem Auskunft über die finanziellen Erfolgsfaktoren seiner Wohngemeinde geben. Ob der eine oder andere Impuls zur Verbesserung der Beriker Finanzsituation herausspringt, wird sich zeigen. Das Gemeindebudget 2011 und der neue Steuerfuss werden an der Gemeindeversammlung vom 26. November festgelegt.